Tag Archiv für Rot-Weiß Erfurt

SV Darmstadt vs. Rot-Weiß Erfurt 2:1

RWE vs. Haching

Trotz der Niederlage ist der Klassenerhalt dem FC Rot-Weiß Erfurt jetzt auch theoretisch nicht mehr zu nehmen. Praktisch stand ein weiteres Jahr 3. Liga bereits nach dem 2:0-Sieg gegen Unterhaching fest (25. März). Ein Grund dankbar zu sein. Meine Theorie lautet ja: Dritte Liga ist wie Rodeo, irgendwann wirst Du abgeworfen. Sollte es dir nicht gelingen aufzusteigen. Folgende Traditionsvereine hat dieses Schicksal bisher ereilt: Kickers Emden, Wuppertaler SV, Rot-Weiß Oberhausen, Alemannia Aachen, Kickers Offenbach, FC Ihr-Wisst-Schon-Wer. Diese Saison wird es mit Burghausen ein weiteres «Gründungsmitglied» erwischen. Hinzu gesellt sich mit Saarbrücken ein Verein, der gleichfalls eine ruhmreiche Vergangenheit sein eigen nennt. Ob Unterhaching die Klasse hält, ist offen. Wenn nicht, werden RWE und Stuttgart II in der kommenden Saison die einzigen Mannschaften sein, die seit Gründung der dritten Liga ununterbrochen diese Klasse bespielen. Die Letzten ihrer Art, womöglich.

Motto des Spiels:

When all is said and done. (ABBA)

Die Aufstellung:

Kogler vertraute erneut der Startelf des gewonnenen Spiels gegen BVB II. Ich hatte vorher überlegt, ob es eventuell sinnvoll wäre, Engelhardt wieder in die Innenverteidigung zu ziehen und damit unseren vielleicht kopfballstärksten Spieler (wenn Laurito) fehlt gegen Stroh-Engel aufzubieten. Dafür dann wieder Pfingsten-Reddig neben Möhwald im zentralen Mittelfeld spielen zu lassen. Im Nachgang betrachtet, wäre das vielleicht sogar sinnvoll gewesen, auch weil Czichos und Odak auf ihren Positionen in der Abwehrkette hätten spielen können. Aber geschenkt – hinterher ist man immer schlauer.

Taktiksplitter:

Waren Engelhardt und Möhwald in der letzten Woche (neben anderen) noch die Garanten des Sieges, so spielten beide gegen Darmstadt weit unter ihren Möglichkeiten. Defensiv nie in der Lage die Angriffe der Südhessen zu unterbinden, in der Vorwärtsbewegung mit vielen, teilweise entscheidenden Ballverlusten – zum Beispiel Möhwalds Fehler vor dem Ausgleich. So kam nie die nötige Ruhe ins Spiel der Rot-Weißen. Unerklärlich bleibt die Phase nach dem Platzverweis für Darmstadt. Man war numerisch überlegen und es sah nach dem genauen Gegenteil aus.

Das Coaching:

In den Foren musste Kogler viel Kritik aufgrund des Wechsels Brandstetter gegen Nietfeld einstecken. Das ist, mit Verlaub, ein bisschen klugscheißerisch und in Kenntnis des Endergebnisses kritisiert. Vermutlich hätten dieselben Leute es auch nicht gut gefunden, wenn Kogler mit Baumgarten einen defensiven Mittelfeldspieler eingewechselt hätte, um das Ergebnis abzusichern. Motto: Mit einem Spieler mehr muss man auf Sieg spielen. Fakt ist ebenfalls: Brandtstetter kann noch keine 90 Minuten spielen und Nietfeld war der einzige weitere Stürmer im Kader.

Spieler des Tages:

Carsten Kammlott. Er scheint inzwischen daran gewöhnt zu sein, dass es (zu viele) Spiele in dieser Rückrunde gibt, in denen er sich die Einschussmöglichkeiten selbst organisieren muss. Nach dieser Maxime entstand der Führungstreffer. Nach dieser Maxime rackerte er unermüdlich die gesamte Spielzeit lang. Ohne ihn wäre das Spiel von RWE völlig trostlos gewesen.

Bilanz des Spiels:

Verloren. Schlecht Fußball gespielt. Gut gekämpft. Wenn auch überhastet bis hirnlos (Odak).

Der Gegner:

Der SV Darmstadt 98 erinnert mich ein wenig an unsere Auftstiegself 2003/2004. Keiner weiß so ganz genau, warum es plötzlich so herausragend läuft. Fußballerisch nicht wirklich über dem Ligaschnitt liegend, wirkt die Mannschaft als sei sie auf einer Mission. Es wird um jeden Ball gekämpft, die taktisch-systemische Grundordnung erstklassig umgesetzt, die Matchpläne funktionieren. Und mit Dominik Stroh-Engel hat man einen Spieler, der womöglich die Saison seines Lebens spielt. Ob das alles genügen wird, um sich in der Relegation durchzusetzen, bleibt abzuwarten.

Die Öffentlichkeit:

Wenig überraschend: ein ziemlich trostloser Auftritt der Rot-Weißen wird als solcher wahrgenommen und zurecht kritisiert.

Die Aussichten:

Der Verein muss aufpassen, sich nicht exklusiv vom Finale des Thüringenpokals vereinnahmen zu lassen. Bis dahin dauert es noch drei lange Wochen und außerdem sind noch zwei Ligaspiele zu bestreiten. Die passende Phrase dazu: Spannung hochhalten. Vor allem aber, muss sich die Mannschaft auf ihre spielerischen Mittel rück-besinnen. Allein mit Kampf wird es eng dort im Osten, denn in dieser Disziplin wird sich der FCC vor heimischer Aggro-Kulisse kaum überbieten lassen. An einem guten Tag ist Koglers Mannschaft fußballerisch klar überlegen. Diese Selbstsicherheit sollte man sich in den beiden restlichen Saisonspielen erarbeiten, dann muss man nicht auf den 14. Mai gucken wie das Kaninchen auf die Schlange.

Rot-Weiß Erfurt vs. Borussia Dortmund II 3:1

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Die regionalen Medien sind ja stets dankbar, wenn einem Spiel zum Ende einer Saison eine gewisse Restdramatik verliehen werden kann. So auch im Vorfeld der gestrigen Begegnung zwischen dem Nachwuchs des BVB und dem FC Rot-Weiß Erfurt. Zu diesem Zweck wurde das Abstiegsgespenst geweckt, in grelle Farben gekleidet und ins Steigerwaldstadion gezerrt. Die arme Sau.

Motto des Spiels:

Geduld will bei dem Werke sein. (Goethe)

Die Aufstellung:

Pfingsten-Reddig hatte in Chemnitz ein herausragend desolates Spiel abgeliefert. Baumgarten und Wiegel konnten ebenfalls nicht überzeugen (nebst vielen anderen, ich weiß). Folgerichtig ließ Kogler alle drei auf der Bank Platz nehmen. Dass Möhwald, Czichos und Odak nach Ablauf ihrer Sperren in der Startelf standen, war keine Sensation. Kreuzers Auftauchen in selbiger ebenfalls nicht, aber eine Überraschung war diese Personalie schon. Damit er die Doppelsechs Engelhardt und Möhwald aufbieten konnte, musste Czichos in die Innenverteidigung rücken, Odak auf die linke Abwehrseite und Kreuzer dessen eigentliche Position rechts in der Viererkette einnehmen. Kogler riskierte einiges, er stellte die Abwehrkette (fast) komplett um (in Relation zu den Stammpositionen der Spieler), damit er im zentralen Mittelfeld seine Wunschformation aufbieten konnte. And it works.

Taktiksplitter:

Möhwald und Engelhardt harmonierten prächtig miteinander. Das war spielentscheidend. Sie gewannen die Mehrheit ihrer Zweikämpfe und nervten den individuell starken BVB-Nachwuchs mit robuster und konzentrierter Zweikampfführung. Kann sich jemand an ein verlorenes Kopfballduell von Engelhardt erinnern? Ich jedenfalls nicht. Je länger das Spiel dauerte, desto öfter ergab sich für einen von beiden die Gelegenheit, ins Angriffspiel einzugreifen. So war es eben kein Zufall, dass sie an zwei von drei Toren direkt beteiligt waren.

Möhwald ließ sich von Anfang an beim Spielaufbau häufig auf Höhe der Innenverteidiger fallen. Der dahinterliegende Plan war klar: es sollten nicht nur lange Bälle in Richtung der Offensivspieler geschlagen werden, stattdessen wollte man mit Passstafetten das Mittelfeld überwinden. Interessant war, dass Möhwald sich meist nicht zentral zwischen den beiden IV anspielen ließ, sondern – in der Regel – etwas versetzt auf der linken Erfurter Abwehrseite. Sobald er das tat, schob sich Odak viel höher in die gegnerische Hälfte, um als Relaisspieler Angriffe auf dieser Seite erfolgversprechender unterstützen zu können.

Das Coaching:

Wie gesagt, die Aufstellung war mutig, hatte andererseits – nach der Leistung in Chemnitz – aber jede Logik für sich. Wenn der maßgeblichste Mannschaftsteil – das zentrale Mittelfeld – so schwach agiert, muss sich ein Trainer etwas einfallen lassen. Bei einem guten funktioniert die Idee dann sogar.

Die Wechsel während des Spiels folgten den Notwendigkeiten des Spielstands bzw. dem Fitnesszustand der Spieler, siehe Brandstetter.

Spieler des Tages:

Kevin Möhwald. Gab am Spieltag der Thüringer Allgemeinen ein ausführliches Interview. Die Lektüre lässt die Fans des RWE einigermaßen sicher in dem Gefühl zurück, dass er auch im nächsten Jahr am Steigerwald die Töppen schnüren wird. Hier könnte wohl nur eine sehr hohe Ablöse den Verein zum Umdenken bewegen.

Er bot gestern eine seiner besten Saisonleistungen. Ein Führungsspieler bereits jetzt. In dieser Form für den RWE nicht adäquat ersetzbar.

Bilanz des Spiels:

Drei Punkte und die Gewissheit, dass die Mannschaft, wenn sie denn (fast) in Bestbesetzung antreten kann, guten Fußball zu spielen in der Lage ist. Blendet  man die erneuten Irritationen wegen der Lizenzerteilung aus (fatalistisches Motto der Anhängerschaft, mich eingeschlossen: Rolle Rombach wird’s schon richten), sollte der FC Rot-Weiß Erfurt in der Lage sein, die neue Saison mit ausgeschlafener Gelassenheit zu planen.

Der Gegner:

Der Nachwuchs des BVB hatte mit Marian Sarr und Marvin Ducksch die beiden – mit einigem Abstand – teuersten Spieler der dritten Liga in der Startelf.  Und auch ansonsten konnte man jedem BVB-Kicker individuelle Klasse kaum absprechen. Aber als Mannschaft funktionierte das Gebilde schon weniger gut und an diesem Abend traf mal halt auf einen Gegner, der einen Sieg schlichtweg mehr wollte. Andererseits: Geht der BVB in Führung, wird es – bei der Konterstärke der Westfalen – schwer für die Rot-Weißen. Gegen eine konzentriert und weitgehend fehlerfrei verteidigende Erfurter Mannschaft taten sie sich jedoch schwer, große Tormöglichkeiten zu erarbeiten. Trotzdem: der BVB II wird nicht absteigen, das hat auch mit dem nicht übermäßig schwierigen Restprogramm zu tun.

Die Öffentlichkeit:

Dauer der mdr-Spielberichts: 1 Minute. Mehr muss man nicht sagen. Ansonsten sorgt der heutige Feiertag für mediale Ruhe. Gibt Schlimmeres.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich mir über die Osterfeiertage ein paar Stunden Ruhe gönnen und ein wenig die Seele baumeln lassen. Hat er sich redlich verdient, der Walter Kogler.

Die Aussichten:

Landespokal-Halbfinale gegen den Landesligisten Dachwig-Döllstedt, ein Wiedersehen mit den Rot-Weiß-Ikonen Albert Krebs (Trainer) und Ronny Hebestreit (Kapitän). Nachdem wir im letzten Jahr gegen den der gleichen Klasse angehörigen SV Schott Jena das Finale verloren haben, sollte jeder gewarnt sein. Schaun mer mal.

Merke soeben, dass ich diesen Text unmöglich ohne eine Bemerkung zur Leistung von Carsten Kammlott enden lassen kann: Stark wie immer, seit er wieder hier spielt. Erneut zwei Scorerpunkte. Erneut unermüdlich. Ich war stets ein Freund seiner Rückkehr, aber so schnell so gut, das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Rot-Weiß Erfurt vs. Jahn Regensburg 2:3 / Rot-Weiße Bravehearts

RWE vs. Regensburg

Ich erwartete ein munteres Drittligaspiel, bestritten von zwei Mannschaften, deren Stärken eher in der Offensive liegen. Ich sah ein aufregendes Spektakel, dessen spielentscheidende Szene noch immer nicht vollständig geklärt ist. Vor allem sah ich aber eine großartig kämpfende Erfurter Mannschaft, die kurz davor stand eine fußballerische Sensation Wirklichkeit werden zu lassen. Aber auch wenn diese nicht gelang, sollten sich die Anhänger des FC Rot-Weiß an der großen Moral ihres Teams erfreuen, anstatt sich bis zum Überdruss an der Leistung des Schiedsrichters abzuarbeiten.

Motto des Spiels:

Let’s stay together!

Die Aufstellung:

Keine Überraschung in der Startformation.

Taktiksplitter:

Dazu würde ich mehr schreiben, wenn es ein ganz normales Spiel gewesen wäre. Denn das Aufeinandertreffen des Erfurter 4-4-2 und des Regensburger 4-2-3-1 war schon fast prototypisch für ein Spiel, in dem diese Systeme gegeneinander antreten. Nur so viel: Regensburg machte in der Offensive das Spiel sehr breit, der ballferne offensive Außenbahnspieler blieb (fast immer) auf seiner Seite. Über schnelle diagonale Spielverlagerungen sollte dieser ins Spiel gebracht und der freie Raum genutzt werden, was vor allem über unsere rechte Abwehrseite einige Male gelang. Auch, weil sich Drazan nicht wirklich an der Abwehrarbeit beteiligte. Ganz anders das Erfurter Spiel. Hier rückt der ballferne Außenspieler (fast immer) ins Zentrum, um bei der systembedingten Vakanz des 10er-Raums eine zusätzliche Anspielstation zu bieten. Dies klappte beim Zuspiel von Möhwald auf Strangl, das zum Elfmeter führte, ausgezeichnet. Damit sind wir schon bei der ersten diskutablen Entscheidung des Spiels. Ich denke, es ist unstrittig, dass der Regensburger die Hand bereits vor dem Strafraum an Strangs Trikot hat. Das spielt aber keine Rolle, wenn diese sich noch dort befindet, sobald Strangls Fuß die Strafraumlinie berührt. Ich habe es mir einige Male angesehen: Es ist – so oder so – nicht wirklich zweifelsfrei zu erkennen.

Das Coaching:

Es gab einiges Murren um mich herum, als Kogler nach Möhwalds Feldverweis Brandstetter für Baumgarten auswechselte. Bei diesem Spielstand (1:1), in dieser Spielminute (34.) und angesichts der Spielstärke des Gegners hätten 100 von 100 Trainern so gewechselt. Bei Unterzahl in dieser Phase des Spiels kann es nur darum gehen, defensive Stabilität herzustellen, was in der Folge ja auch ganz gut gelang – bis die Unterzahl dann, nach Czichos Platzverweise, eine Zweifache wurde.

Kogler ließ Drazan in der Kabine und brachte für ihn Andreas Wiegel. Ein völlig nachvollziehbarer Wechsel, weil Drazan sich schlichtweg nicht an die defensive Zuordnung hielt, weshalb der Jahn vor allem über unsere rechte Abwehrseite gefährlich wurde. Je näher das Ende der Saison rückt, desto mehr beschleicht mich bei Drazan der Eindruck, dass er vor allem über gute Offensivaktionen potenzielle neue Arbeitgeber auf sich aufmerksam machen möchte. Seine individuellen Stärken sind unbestritten, verweigert er aber die Arbeit gegen den Ball, gehört er auf die Bank. Punkt.

Spieler des Tages:

Marco Engelhardt. Mal wieder. Bis zum 1:1 ein solides Spiel von ihm, danach überragend. Etwas zugespitzt könnte man behaupten: Je weniger eigene Mitspieler auf dem Feld standen, desto besser wurde Engelhardt. Jammerschade, dass sein Freistoß kurz vor Ultimo das Ziel knapp verfehlte. Ein Tor wäre die Krönung gewesen.

Bilanz des Spiels:

Die Schlüsselszene des Spiels datiert sich auf die 31. Spielminute. Es wird noch immer unterschiedlich darüber berichtet, was zum Elfmeter für Regensburg und zur Gelb-Roten Karte für Möhwald führte. Laut Spielberichtsbogen von fussballdaten.de und kicker.de, die, soweit ich erfahren habe, auf dem Spiel-Protokoll des DFB beruhen, wird ein Foulelfmeter für Regensburg aufgeführt. Und vermutlich, infolgedessen, die Gelb-Rote Karte wegen Foulspiels für Möhwald. Diese Sichtweise ließe die Entscheidung von Willenbork zumindest einigermaßen konsistent dastehen. Wenn sie auch, mit einiger Wahrscheinlichkeit, falsch war. Hier bieten die TV-Bilder des mdr allerdings ebenfalls keine letzte Gewissheit. Mein Eindruck im Stadion war: Möhwald berührt den Regensburger gar nicht, eine Wahrnehmung, die durch die Fernsehbilder nicht widerlegt aber eben auch nicht zweifelsfrei bewiesen wird. Die Riesen-Verwirrung um die Szene entsprang einer vielfach wiederholten Fehlinterpretation, Quelle: mdr-Spielbericht, der zufolge ein (vermeintliches) Handspiel von Möhwald ursächlich für den Elfmeter gewesen sein soll. Diese Version ist noch heute so in der TLZ zu lesen. Dabei war es eindeutig Odak der nicht Hand spielte. Wofür Möhwald dann Gelb-Rot sah, ist noch immer offen: Foulspiel oder doch Reklamieren? Wie auch immer, danach war das Spiel ein anderes. Regensburg wollte sich die Führung erspielen, der RWE ließ nicht viel zu und hatte mit Kammlotts Kopfballmöglichkeit sogar die bessere Chance. Ein zweites Mal änderte sich die Statik des Spiels komplett mit der Herausstellung von Czichos. Fingerspitzengefühl hin oder her, er darf diesen Zweikampf an der Seitenlinie einfach nicht so führen. Wie kaum anders zu erwarten, spielten die Regensburger weiter geduldig auf den Führungstreffer. Wie der dann fiel, ließ das Steigerwaldstadion vollends zum Tollhaus werden. Allein: das war ein reguläres Tor, es gab keine aktive Bewegung der Hand von Muhovic zum Ball. Sieht blöd aus, ist bitter – alles keine Frage. Trotzdem war die Anerkennung des Tores regelkonform. Man kann über die Regel diskutieren, es ist aber müßig, über deren korrekte Auslegung durch den Schiedsrichter zu lamentieren.

Die eigentliche Sensation war allerdings, wie die Erfurter Mannschaft auf den Rückstand reagierte. Statt wie die Lemminge auf weitere Tore der Regensburger zu warten, wurde nun volles Risiko gegangen, in der Abwehr und im Mittelfeld wurde nur noch eins gegen eins verteidigt und vorne erzwang man den Ausgleich. Nicht mittels eines irgendwie hineingewürgten Standards, sondern durch Zweikampfpräsenz, Druck und spielerische Mittel. Mit zwei Spielern weniger auf dem Feld, man es kann es gar nicht oft genug wiederholen. Es war dann auch eine feine Kombination, die zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch den erneut unermüdlichen Kammlott führte.

Der Gegner:

Regensburg trat wie erwartet auf: fußballerisch versiert und begabt, mit Mängeln in der Chancenverwertung und in der Defensive. Sie sind nur knapp einer Blamage entgangen, die ein erneuter Erfurter Ausgleich zwangsläufig dargestellt hätte.

Die Konsequenzen:

Platz vier in der Liga kann man jetzt völlig vergessen. Wird zudem interessant, wen Kogler am Samstag in Chemnitz auf den Platz schickt. Man kann nur hoffen, dass Laurito wieder einsatzfähig ist. So oder so wird die Besetzung der beiden Außenverteidiger-Positionen ein schwieriges Unterfangen werden.

Die Öffentlichkeit:

Ist mir alles zu fokussiert auf den Schiedsrichter. Der, ich sage es gern noch einmal, sicherlich keinen guten Tag hatte. Mir ist viel wichtiger zu betonen: eine großartige kämpferische Leistung der Mannschaft, die nicht verdient hat, im großen Schiri-Gemotze unterzugehen.

Die Aussichten:

Nordhausen. Alles andere: sekundär. Vorläufig.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich mir über das Spiel gegen Chemnitz erst Gedanken machen, nachdem wir morgen im Südharz – hoffentlich – gewonnen haben. Und ich würde Christopher Drazan auf einen Plausch bitten. Thema: Du hilfst uns nur, wenn Du diszipliniert spielst. Heldenfußball braucht kein Mensch!

Rot-Weiß Erfurt vs. SpVgg Unterhaching 2:0 / Sans Souci!

RWE vs. HachingNoch sorgenvoll und etwas grantig blickend: Walter Kogler

Schlecht gespielt und gewonnen folgt auf gut gespielt und nicht gewonnen. Mit diesem Satz lassen sich die beiden letzten Begegnungen der Erfurter Rot-Weißen auf den Punkt bringen. Erneut zwangen Walter Kogler widrige Umstände, die Mannschaft massiv umzubauen. Das wäre beinahe schief gegangen. Beinahe.

Motto des Spiels:

I can see for miles!

Die Aufstellung:

«Die personelle Situation entspannt sich.» Stand hier nach dem Spiel gegen den Nachwuchs des VfB zu lesen. Stimmte auch, bis sich gestern vor dem Spiel Andre Laurito verletzte. Schlimmer konnte es kaum kommen. Kogler war genötigt, die komplette Abwehrkette umzubauen (da ja Kleineheismann ebenfalls fehlte). Engelhardt und Czichos hatten beide schon in der Innenverteidigung gespielt, nur eben nicht zusammen. Beides sind Linksfüße, sodass Engelhardt zudem gezwungen war, die rechte Position der beiden Innenverteidiger einzunehmen. Kreuzer kann nur rechts spielen, deshalb musste Odak auf die linke Seite wechseln. Zu allem Überfluss war die Mannschaft damit auch «kleiner» geworden, was für eventuelle Standards der Unterhachinger keine gute Aussicht war. Es gibt gewiss Zeitgenossen, die an dieser Stelle einwenden werden, dass das ja alles Profis sind, die den ganzen Tag nichts anderes tun als Fußball spielen. Und deshalb mit so einer Situation umgehen können sollten. Stimmt, und das haben sie dann ja auch sehr passabel getan. Nur ist es eben so, dass ein Abwehrverbund, wie der Name schon sagt, eine kollektive Angelegenheit ist und diese Gruppenharmonie gewisse trainierte Mechanismen bedarf. Zum Beispiel müssen die Abstände untereinander stimmen, es muss die Distanz zum Mittelfeld eingehalten werden (nicht zu groß aber auch nicht zu klein). Es sollten die Kommandos zum Herauslaufen klar sein – wenn der Gegner Abseits gestellt werden soll, etc. Deshalb rotieren Trainer in der Abwehr nicht ohne Not, selbst wenn sie dies in den übrigen Mannschaftsteilen fast schon zum Stilprinzip erhoben haben, wie z.B. Guardiola bei den Bayern. Es wäre verwunderlich gewesen, wenn diese massiven Umbauten keine Leistungseinbuße zur Folge gehabt hätte.

Taktiksplitter:

Wieder das altbewährte 4-4-2, diesmal mit Pfingsten und Möhwald auf der Doppelsechs. Ein Gespann, dass keine schlechte Bilanz vorzuweisen hat. Die Bilanz ist gestern noch besser geworden, diesmal muss man aber etwas frech behaupten: Nicht wegen, sondern trotz ihnen! Beide hatten sich einen gebrauchten Tag andrehen lassen. Wer das Zentrum beherrscht, der beherrscht das Spiel. Gestern waren das ganz eindeutig die Jungs von Christian Ziege. Pfingsten-Reddig mit den – leider – schon gewohnten Lässigkeiten in der Defensive. Typisch eine Szene aus Halbzeit eins, in der – nach einem Ballverlust – die Hachinger im Umkehrspiel angreifen. Pfingsten versucht den Konter zu unterbinden, wird aber ausgespielt und muss dann eigentlich das Foul nehmen (und evtl. Gelb riskieren), tut das aber nicht, lässt den Hachinger laufen, was sich Sekunden später in direkter Torgefahr niederschlägt. Hinzu kamen – von beiden Akteuren – etliche Fehlabspiele.

Ein weiteres Problem des RWE-Angriffspiels waren die Flügel. Vor allem wirkte sich aus, dass Drazan diesmal nicht von Czichos unterstützt werden konnte, sowohl beim Aufbau der Angriffe, als auch was seine Sicherung nach hinten betraf. Hier wurde dann eine Schwäche der Lauterer Leihgabe offenbar, sein Spiel gegen den Ball. (Man ist geneigt zu sagen: ein notorisch österreichisches Defizit). Was dann wiederum Kogler auf die Palme brachte, der seinen jungen Landsmann einige Male heftig ermahnte.

Das Coaching:

Für mich waren alle Wechsel nachvollziehbar, wenn sie auch nicht wirklich die gewünschten Resultate zeitigten.

Spieler des Tages:

Marco Engelhardt. Nicht fehlerfrei auf doppelt ungewohnter Position und ohne Unterstützung wenigstens eines gelernten Innenverteidigers. Trotzdem machten er und Czichos das ziemlich gut. Er sah sich – angesichts der Schwäche der beiden 6er im Spielaufbau – zunehmend auch dafür verantwortlich und schlug in Halbzeit zwei einige sehr brauchbare Pässe. (Klar hätte ich auch Kammlott nennen können, aber ich habe den Verdacht, sein Name wird hier ohnehin noch einige Mal auftauchen).

Bilanz des Spiels:

Ein Sieg, der so wichtig war, dass es fast schon irrelevant ist, wie er zustande kam. Jetzt hat RWE 10 Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze, bei sieben noch ausstehenden Spielen ist da nichts mehr zu befürchten. Zu einem frühen Zeitpunkt kann die Planung für die neue Saison verbindlich betrieben werden. Das ist ein Wettbewerbsvorteil und ich bin sehr optimistisch, dass Hörtnagl und Kogler den zu nutzen wissen.

Der Gegner:

«Nicht immer schön hinten rausspielen», hatte Ziege vor dem Spiel im kicker postuliert. Seine Jungs hielten sich nicht daran und wären – beinahe – dafür belohnt worden. Man muss schon ein Herz aus Stein haben oder rein gar nichts von Fußball verstehen, wollte man den Hachingern absprechen, gestern Abend nicht mindestens einen Punkt verdient gehabt zu haben. Es kam anders, gut für uns, schlecht für das talentierte Team aus Oberbayern.

Noch vor einigen Jahren hätte man das Folgende gar nicht erwähnen müssen, aber derzeit greift die Unsitte um sich, einfach weiter zu spielen, wenn ein verletzter Spieler des Gegners am Boden liegt. Nicht so Unterhaching, die haben zweimal den Ball ins Aus gespielt. Wohlgemerkt: Mitte der 2. Halbzeit, bei einem 0:1-Rückstand und während einer eigenen Druckphase. Großartig!

Die Konsequenzen:

Platz vier ist immer noch möglich, wenn auch schwierig, da Wehen ebenfalls gewann und irgendwie einen Lauf zu haben scheint.

Die Öffentlichkeit:

Ich habe es so vermisst – die Nörgelei in den Foren nach einem Sieg. Allemal besser als das konsternierte, entsetzte Schweigen nach den Spielen gegen Kiel und Elversberg. Die TA verblüfft ein bisschen mit dem offenkundigen Gegensatz eines eher negativen Spielberichts und guter Einzelnoten für die Spieler.

Die Aussichten:

Aus bereits beschriebenen Gründen: blendend. Man kann die Saison ambitioniert (DFB-Pokal) aber in Ruhe zu Ende spielen. Ich hoffe nur, dass sich die schlimmsten Gerüchte hinsichtlich der Verletzung Lauritos nicht bestätigen und er wirklich nur für das Spiel in Heidenheim ausfällt.

Sollte Heidenheim heute Abend verlieren, wird dort das ganz große Flattern losgehen. Könnte am Samstag ein spektakuläres Spiel werden, dazu ist aber – ganz klar – eine Leistungssteigerung des gesamten Teams vonnöten.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich schon viel an die nächste Saison denken. Es gibt in allen Mannschaftsteilen eine Menge zu verbessern. Es reicht eben nicht aus, nur ab und an mit den Besten der Liga mithalten zu können. Um ernsthaft oben dabei zu sein, muss schlichtweg mehr Konstanz auf hohem Niveau her. Das ist leicht daher geschrieben, ich weiß. Aber wir nähern uns der mystischen Zahl 2016, von daher drückt es nur aus, was sich der Verein selbst auf die rot-weißen Fahnen geschrieben hat.

Rot-Weiß Erfurt vs. VfB Stuttgart II 4:2 / Der Tag des Carsten Kammlott

Carsten Kammlott - 18.01Nimmt man alles in allem, hat sich der FC Rot-Weiß Erfurt mit einer beachtlichen Leistung zum Spielbetrieb der 3. Liga zurückgemeldet. Nach zwei besorgniserregenden Vorstellungen gegen Kiel und Elversberg konnte, ja, musste, man darauf hoffen. Eine Garantie dafür gab es selbstredend nicht, umso erfreulicher, dass sich die Mannschaft am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zog.

Motto des Spiels:

Hurra, wir leben noch!

Die Aufstellung:

Die personelle Situation entspannt sich. Walter Kogler konnte, bis auf die gesperrten Engelhardt und Wiegel, quasi seine erste Elf aufbieten. Wenn auch, wie sich vor allem bei Brandstetter zeigen sollte, noch nicht alle bei 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind. Womit allerdings, nach derart langen Verletzungspausen, niemand ernsthaft rechnen durfte. Strangl für Göbel auf der rechten Offensivposition spielen zu lassen, sollte sich als segensreiche Entscheidung herausstellen. Gute Ansätze durfte man dem gebürtigen Franken schon immer unterstellen, am Samstag gelang ihm jedoch zum ersten Mal ein durch und durch überzeugender Auftritt seit er in Erfurt Fußball spielt. Was natürlich in erster Linie an den Verletzungen lag, die eine lineare Entwicklung seines Potenzials immer aufs Neue unterbanden.

Taktiksplitter:

Nach der Pleite mit dem Einstürmer-System in Elversberg kehrte Kogler wieder zum altgedienten 4-4-2 zurück. Das war auch deshalb naheliegend, weil ihm mit Brandstetter und Kammlott die zwei besten Stürmer zur Verfügung standen – und, weil die Mannschaft mit der Systemumstellung übelst Schiffbruch erlitten hatte. Am Samstag funktionierten dann wieder Dinge, die man in den letzten Spielen vermisste, oder die in diesen Spielen schlecht umgesetzt wurden. Zum Beispiel das situative Pressing gegen den spielaufbauenden Gegner. Das war eine große Stärke von RWE in der Hinrunde. Aggressives Pressing spielt keine (ungedopte) Mannschaft der Welt über 90 Minuten. Es kommt auf die Dosierung und den Rhythmus an, sonst bezahlt man mit einem gnadenlosen konditionellen Einbruch zum Spielende hin. Zuletzt lehrbuchhaft zu beobachten beim Heimspiel des VfL Wolfsburg gegen die Bayern. 60 Minuten presste Wolfsburg aus allen Rohren, als gebe es kein Morgen. Aber es gab sowohl ein Morgen als auch noch davorliegende 30 Schlussminuten, in denen die Elf von Hecking faktisch kollabierte und sich noch sagenhafte 5 Tore einfing. Koglers bevorzugte Variante liegt in einem auf erfolgversprechende Spielsituationen orientierten Pressing. Was man vielleicht so zusammenfassen kann: Kontrolliert der Gegner den Ball sicher, wird eher passiv im 4-4-2 gepresst, sobald der Gegner Probleme mit der Ballkontrolle hat, wird diese Grundformation aufgebrochen und die Anzahl der attackierenden Erfurter Spieler erhöht. Wie erwähnt, das hat in vielen Spielen der Hinrunde gut funktioniert und damit wurde auch die Hintermannschaft des VfB das ein oder andere Mal prima unter Druck gesetzt und Fehler provoziert.

Das Coaching:

Tadellos.

Spieler des Tages:

Carsten Kammlott. Bedarf keiner Begründung bei 2 Toren und einer glänzenden Vorbereitung des Ausgleichs.

Bilanz des Spiels:

Starkes Comeback der Mannschaft, aber nichts worauf man sich ausruhen sollte.

Für einen Fußballer gibt es keine perfekten Spiele, was es aber gibt, sind Spiele, in denen dem Beobachter nicht viel einfällt, was ein Spieler hätte besser machen können. Ein solches Spiel hat Carsten Kammlott am Samstag bestritten.

Der Gegner:

Kann man kurz machen: Schwache Defensive, starke Offensive – letztere vor allem in der zweiten Halbzeit.

Die Konsequenzen:

Platz vier ist wieder möglich, genauso gut kann man immer noch in den Abstiegskampf rutschen, leistet man sich noch einmal eine Negativserie wie zuletzt.

Die Öffentlichkeit:

Viel Lob von allen Seiten für die Mannschaft. Wird ihr gut tun.

Die Aussichten:

Licht am Ende des Tunnels, das sich nicht als entgegenkommender Zug erwies. Alle Zeichen deuten nach oben: Engelhardt, dessen Fehlen im zentralen Mittelfeld dem Defensivverhalten der Mannschaft auf Dauer nicht zuträglich ist, wird gegen Osnabrück wieder zur Verfügung stehen. Brandstetter wird sich peu à peu wieder seiner wahren Leistungsfähikeit nähern. Ich vermute, unsere Bilanz in Osnabrück ist grauenhaft, hohe Zeit daran etwas zu ändern.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich in Osnabrück Engelhardt für Pfingsten in die Startelf beordern und ansonsten nichts ändern.

SV Elversberg vs. Rot-Weiß Erfurt 2:0 / Die Substanz ist aufgebraucht

Ich habe es noch nie für sonderlich sinnvoll gehalten, auf eine Fußballmannschaft, die gerade sehr schlecht spielt und, ja, am Boden liegt, verbal einzudreschen. Schon gar nicht, wenn ich ein Anhänger dieser Mannschaft bin. Ist davon irgendwo jemals etwas besser geworden? Aber ich gebe zu, dass mir die Wahrung dieses Grundsatzes nach den zuletzt gezeigten Leistungen des FC Rot-Weiß Erfurt, eine nicht zu unterschätzende zivilisatorische Anstrengung abverlangt.

Motto des Spiels:

Stairway to hell.

Die Aufstellung:

Nach Mijo Tunjics Mittelfußbruch und Kammlotts 5. Gelber Karte gingen Walter Kogler die Stürmer für das ansonsten gesetzte 4-4-2-System aus, was wohl der Hauptgrund war, dass RWE in Elversberg nur mit einem Angreifer in der Startelf antrat. Odak war noch nicht wieder bei 100 Prozent, deshalb nahm er nur auf der Bank Platz und Kreuzer seine Position rechts hinten in der Viererkette ein. Göbel erhielt den Vorzug vor Strangl, was nach seiner frühen Auswechslung gegen Kiel nicht selbstverständlich war.

Taktiksplitter:

Eine Rubrik, die ich eigentlich sehr kurz halten wollte, wenn ich das Spiel nicht live oder wenigstens in voller Länge im Fernsehen verfolgt habe. Geht diesmal nicht, denn hier tun sich Rätsel auf. Tatsache ist, wir haben mit nur einem Stürmer (Nietfeld) begonnen, was sich dann dahinter abspielte, darüber existieren unterschiedliche Auffassungen. Inklusive der, die es für völlig nebensächlich erachtet, welches System der FC RWE momentan spielt, weil andere Faktoren für die miserablen Leistungen der Mannschaft verantwortlich sind. Die zum Beispiel wären: Qualität der Spieler, Einstellung derselben, Passqualität, etc. Dem kann man nicht wirklich widersprechen, diese Dinge spielen tatsächlich eine große Rolle. Aber ich beharre mit meinem Hausrecht hier im Blog darauf, dass dies auf die systemische Grundpositionierung einer Fußballmannschaft ebenfalls zutrifft. Basta!

Jedenfalls haben der mdr, transfermarkt.de und die Thüringer Allgemeine eine 4-1-4-1-Formation erkannt. Und auch die relevanten Spielausschnitte des mdr deuten auf dieses System hin. Das ist überraschend, weil sich ein 4-1-4-1 doch deutlich vom bisher ausschließlich gespielten 4-4-2 unterscheidet. Es würde zu weit führen, hier alle Vor- und Nachteile eines 4-1-4-1 aufzuführen. Nur soviel: Es benötigt zwingend einen sowohl spieltaktisch wie technisch und physisch herausragenden defensiven Mittelfeldspieler. Da fallen mir bei RWE zwei Spieler ein, denen ich das grundsätzlich zutraue: Engelhardt und Möhwald. Tatsächlich gespielt hat auf der Position aber Baumgarten. Mir ist dabei schon klar, dass Engelhardt in der Innenverteidigung benötigt wurde, während Möhwald, nach seiner Verletzung, vermutlich noch nicht in der Verfassung war, diese Rolle auszufüllen. Dann aber hätte man ein anderes System wählen müssen, denn, dass diese Schuhe für Baumgarten noch (?) zu groß sind, war absehbar.

Das Coaching:

Gesetzt dem Fall, dass mit dem 4-1-4-1 stimmt, dann hat sich Walter Kogler gehörig vercoacht. Passiert. Der Zeitpunkt war halt äußerst unglücklich.

Spieler des Tages:

Simon Brandstetter. Weil er weiß, wo das Tor steht und wie man es attackiert.

Bilanz des Spiels:

Eine zu allen Befürchtungen Anlass gebende Vorstellung des FC Rot-Weiß Erfurt.

Der Gegner:

Elversberg war für viele vor der Saison der erste Abstiegskandidat, das hat sich inzwischen stark relativiert. Die Mannschaft spielt (und punktet) im permanenten Klassenkampfmodus. Das (aber nicht nur das) hatte sie den Rot-Weißen am Samstag voraus. Ich denke, die Saarländer werden die Klasse halten.

Die Konsequenzen:

Der Abwärtstrend hält an. Tabellarisch sowieso, aber zum ersten Mal hat die Mannschaft nach einer sehr schwachen Leistung eine noch schwächere folgen lassen. Diese Tatsache beunruhigt mich noch mehr als die Niederlage an sich.

Die Öffentlichkeit:

Ein ganzseitiger Total-Verriss in der Thüringer Allgemeinen. Nicht besonders aufschlussreich, aber sehr total. Was BILD heute schreibt, kann ich mir denken, will es aber so genau gar nicht wissen. Die Reaktion in den Foren finde ich interessanter: desto ernster die Situation wird, umso sachlicher werden die Beiträge – jedenfalls die meisten. Eine ziemlich erwachsene Entwicklung, auf deren Fortsetzung ich aber gerne verzichte. Mir ist lieber, es wird gemeckert aber wir gewinnen wenigstens ab und an.

Die Aussichten:

Wenn die Mannschaft sich nicht schleunigst fängt, werden wir absteigen. Mit der Leistung der letzten beiden Spiele kann man vielleicht ab und zu glücklich einen Punkt ergattern (Kiel), wird aber in der Regel deutlich verlieren (Elversberg). Wir leben von der Substanz, doch die ist fast aufgebraucht. Dies, Freunde, ist die Lage.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich in dieser Woche schlaflose Nächte haben. Ich halte nicht viel von kollektiv-psychologischen Ansätzen, würde aber vielleicht doch der Mannschaft das Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden zeigen (3:0). Und sie darauf hinweisen, wie gut sie an diesem Abend Fußball gespielt hat. Außerdem würde ich alles Menschenmögliche unternehmen, damit Andre Laurito am Samstag (mit Maske) in der Startaufstellung steht. Und ich würde Simon Brandstetter von Anfang an spielen lassen, auch wenn es vielleicht nur für eine Halbzeit reicht.

Rot-Weiß Erfurt vs. Holstein Kiel 0:0 / Schwer erträglich

Da ich aus beruflichen Gründen momentan keine Zeit finde, 800 bis 1000 Worte halbwegs sinnvoll zu einem Text zu arrangieren, jedoch auf eine Wortmeldung zu RWE nicht völlig verzichten möchte, gibt es ab jetzt eine Kurzanalyse jedes Spiels. Ich habe mir ein paar Kategorien ausgedacht und werde zu jeder einige Sätze schreiben.

Motto des Spiels:

Fußball – dieses Ding aus einer anderen Welt.

Die Aufstellung:

Da Odak verletzungsbedingt ausfiel, kam Kreuzer zu seinem 10. Pflichtspieleinsatz. Ansonsten bot die Startelf keine Überraschungen. Warum auch, die Mannschaft hatte in Wiesbaden eine solide Leistung geboten, die sie gegen akut abstiegsbedrohte Kieler nur bestätigen musste, um den ersten Dreier des Jahres einzufahren. Soweit die Hoffnung vor dem Spiel.

Taktiksplitter:

Was sofort nach Anpfiff auffiel, war, dass die Abwehr nervös wirkte. Die beiden Innenverteidiger wurden einige Male sowohl in der Luft als auch am Boden ausgespielt. Es fehlte Lauritos Lufthoheit. Der Einzige, der halbwegs sicher wirkte, war Czichos, über dessen Seite allerdings nur wenige Angriffe vorgetragen wurden. Kreuzer begann fahrig, wurde aber im Laufe des Spiels sicherer. Trotzdem taten sich über unsere rechte Seite viele Lücken auf, was daran lag, dass Göbel offensiv meist stark in die Mitte rückte und bei Ballverlusten weite Wege hatte, um Kreuzer unterstützen zu können. Das offensive Einrücken von Göbel ist taktisch nachvollziehbar, um so eine weitere Anspielstation im Mittelfeld zu haben. Aber eben auch riskant, wenn die Ballverlustrate so exorbitant hoch ist wie am Freitagabend.

Tunjic ließ sich weniger ins Mittelfeld fallen als in den letzten Spielen. Was auch immer das Ziel dieser Anweisung war – es wurde verfehlt. Beide Stürmer bekamen so gut wie keine brauchbaren Anspiele. Ausnahmslos alle lang geschlagenen Bälle wurden sichere Beute der aufmerksamen Kieler Verteidigung. Vor allem deshalb: keine Torchancen für RWE.

Das Coaching:

Ich fand die Entscheidungen Koglers nachvollziehbar. Bei Möhwalds Einwechslung war natürlich die Frage: Pfingsten oder Baumgarten raus? Kogler entschied sich für das geringere Risiko und beließ den lauf- und defensivstärkeren Baumgarten auf dem Feld. Die frühe Auswechslung Göbels muss man als ein Signal an die Mannschaft werten, dass ihr Trainer mit dem bis dahin Gebotenen nicht einverstanden war. Ich denke, sie hat das auch verstanden, ohne jedoch die Mittel zu besitzen, Entscheidendes verbessern zu können.

Spieler des Tages:

Kevin Möhwald. Schon allein, weil er wieder längere Zeit auf dem Platz stand und zumindest versuchte, dem Spiel der Rot-Weißen Struktur und Ideen zu geben.

Bilanz des Spiels:

Ein fußballerischer Offenbarungseid.

Der Gegner:

Man sah, warum Holstein Kiel da steht, wo sie stehen. Erschreckend, dass sie trotzdem die bessere Mannschaft waren und eigentlich den Sieg verdient gehabt hätten. Prognose: Wenn sie offensiv weiter so schludrig mit ihren Chancen umgehen, wird es eng mit dem Klassenerhalt.

Die Konsequenzen:

Tabellarisch hat sich auf den ersten Blick wenig geändert, es sind weiter relativ beruhigende sieben Punkte nach unten. Nach oben muss man im Moment keinen Blick verschwenden. Selbst der noch mögliche vierte Platz (DFB-Pokal-Teilnahme, 4 Punkte weg) ist mit einer Leistung wie am Freitag eine unerreichbare Fata Morgana.

Kammlotts fünfte Gelbe Karte war völlig überflüssig und ist deshalb verdammt ärgerlich. Er fehlt gegen Elversberg.

Die Öffentlichkeit:

Egal ob Medien, Foren oder soziale Netzwerke. Die öffentliche Resonanz auf das Spiel war katastrophal. Das weckt in mir normalerweise eine Art Beschützerinstinkt gegenüber der Mannschaft. Ebenso diesmal. Doch vorerst ist die Zeit der Kuschelpädagogik auch im Blog vorüber.

Die Aussichten:

Saarland. Elversberg. Abstiegskampfvermeidungsspiel. Dort wartet eine gut organisierte, kampfstarke Mannschaft mit überschaubarem spielerischen Vermögen. Quasi: Holstein Kiel – die Fortsetzung.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich über eine Systemveränderung hin zu einem 4-2-3-1 intensiv nachdenken. Es hat keinen Sinn stur an der Zweistürmervariante festzuhalten, wenn beide Stürmer keine verwertbaren Zuspiele aus dem Mittelfeld erhalten, weil es dort an offensiven Anspieloptionen mangelt und am Ende nur lange Verzweiflungsbälle geschlagen werden. Meine erste Wahl für die neu entstehende Position im zentralen offensiven Mittelfeld wäre: Patrick Göbel. Trotz seiner schlechten Leistung am Freitag. Er kann das, glaubt mir.

Wehen Wiesbaden vs. Rot-Weiß Erfurt 1:1

wehen-rweBlechbüchse hin, Wellblechpalast her – wen es fasziniert, ein Fußballspiel aus möglichst großer Nähe zu verfolgen, für den gibt es wahrlich miesere Orte als die Wiesbadener BRITA-Arena.

Walter Koglers Aufstellung bot nicht die geringste Überraschung. Patrick Göbel hatte sich, mit einer guten Vorstellung in Duisburg, erneut in die Startelf gespielt. Der Rest der Mannschaft stellt sich momentan (noch) nahezu von selbst auf. Die Rückkehr Möhwalds auf dem Spielberichtsbogen zeigt an, dass sich dies bald ändern könnte.

Rot-Weiß begann druckvoll und ging mit einer großartigen Kombination nach fünf Minuten folgerichtig in Führung. Wie schon in Duisburg leitete Pfingsten-Reddig das Tor mit einem schönen Pass ein, Drazan bestätigte (nicht nur in dieser Szene) wie wertvoll er bereits jetzt für die Mannschaft ist, und Kammlott tat, wofür man ihn verpflichtet hat und netzte routiniert ein. Die anschließenden 20 Minuten dominierte RWE nach Belieben, was einen (!) Zuschauer auf der Haupttribüne zu einem halblaut vorgetragenen «Kienle raus»-Ruf animierte. Dem mochte sich niemand weiter anschließen, schon gar nicht, als sich das Spiel zusehends in Richtung Erfurter Abwehr drehte. Wiesbaden fand immer besser in die Partie und Vunguidica, Mintzel, Book und Jänicke bewiesen, dass sie eine Defensive zu beschäftigen wissen. Den Ausgleich möchte ich nicht exklusiv unserer Abwehr angelastet sehen. Jänicke kann ohne jeden Druck, wie im Training, präzise flanken, Odak und Laurito stehen dann allerdings natürlich zu weit weg vom Torschützen Mintzel. Die ganz heißen letzten fünf Minuten vor der Pause hatten nicht zuletzt ihre Ursache in der Verletzung Lauritos. Engelhardt rückte zwar sofort in die Innenverteidigung, aber die Zuordnung stimmte vorerst überhaupt nicht, sodass RWE diese Phase nur mit Glück ohne weiteres Gegentor überstand. Nach Wiederanpfiff waren beide Mannschaften bemüht zum Siegtor zu gelangen, allerdings war es ihnen noch wichtiger, nicht als Verlierer den Platz zu verlassen. Alles war unspektakulärer als in Halbzeit eins, es gab deutlich weniger Torchancen und am Ende stand dann eben ein so logisches wie leistungsgerechtes Remis.

Was gab es noch Bemerkenswertes? Engelhardt spielte nach der Pause (wieder einmal) Innenverteidiger und macht seine Sache exzellent. Als hätte er seit der B-Jugend nichts anderes getan. Das ist keineswegs selbstverständlich, weshalb ich es hier gesondert vermerke. Wenn er zentral in der Abwehr spielt, hat das zudem den Vorteil, dass sich einer der beiden Sechser nicht (oder zumindest seltener) für den Spielaufbau nach hinten fallen lassen muss und auf diese Weise eine zusätzliche Anspielstation im Mittelfeld zur Verfügung steht, zumindest theoretisch.

Luka Odaks Defensivleistung war – gegen einen agilen Mintzel und sieht man mal vom Tor ab – in Ordnung. Was mir bei ihm nicht gefällt sind leichte Passfehler in der Vorwärtsbewegung, da agiert er einfach zu hektisch. Er kann das besser, keine Frage, nur wäre es langsam an der Zeit, dies konstant unter Beweis zu stellen.

Sehr gut gefallen hat mir Maik Baumgarten. Bei ihm bin (war) ich mir nie ganz sicher, ob seine Leistungen schon für die dritte Liga genügen. Er wurde in Wiesbaden in einer diffizilen Spielsituation als zentraler Mittelfeldspieler eingewechselt und hat diese Aufgabe defensiv souverän bewältigt. Wach, aggressiv, schnörkellos. Es mangelt ihm auch keineswegs an Spielübersicht bei eigenen Angriffen. Klar, nicht jeder Ball kam zum Mitspieler, aber grobe Fehlabspiele leistete er sich ebenfalls nicht. Für mich einer der Gewinner dieses Spiels.

Womit wir bei unserem Kapitän wären. Zunächst einmal, auch von diesem virtuellen Ort aus, einen herzlichen Glückwunsch zum 200. Drittligaspiel, lieber Nils Pfingsten-Reddig. Ansonsten lädt seine Leistung, wie häufig in den letzten Spielen, zu einer differenzierten Betrachtung ein. Ich hatte schon erwähnt, dass es sein Pass war, der das Führungstor einleitete. In diesem Bereich liegt ganz eindeutig seine größte Stärke – wie kein anderer Akteur unseres Kaders ist er in der Lage «tödliche» Pässe zu spielen. Weniger zufrieden war ich erneut mit seiner Leistung im Defensivverhalten. Hier ist er mir oft zu statisch, zu wenig aggressiv. Vor allem bei Ballverlusten ist es spielentscheidend, dass die zentralen Mittelfeldspieler in der Lage sind, einen Angriff des Gegners zu unterbinden. Sei es mit ihrem Zweikampfverhalten, sei es mit dem Zustellen von Passwegen, sei es mit möglichst geschickten, geringfügigen Fouls. (Was nicht immer gelingt, wie die insgesamt 14 Gelben Karten von Engelhardt und Möhwald beweisen.) In dieser Rubrik seiner Arbeitsplatzbeschreibung ist mir Pfingsten-Reddig zu zögerlich und das sorgt in Folge immer wieder dafür, dass sich die hintere Viererkette massiven Problemen – in Form einer Überzahl von Gegenspielern – gegenübersieht. Deshalb war ich froh, dass Kevin Möhwald wieder im Aufgebot stand und wir im Mittelfeld über Optionen verfügen, die wir überdies wie die Luft zum Atmen benötigen, da Laurito mindestens zwei Spiele ausfallen und Engelhardt seinen Platz in der Abwehr einnehmen wird.

Wir haben wieder nicht gewonnen, ich weiß. Trotzdem kommen mir die Abstiegsunkenrufe etwas deplatziert, um nicht zu sagen hysterisch vor. Die Mannschaft spielt weder wie ein Absteiger, noch verliert sie jedes Spiel. Es ist zugegeben derzeit etwas zäh mit dem Punktekonto, allerdings bin ich optimistisch, dass sich dies bereits am Freitag gegen Holstein Kiel ändern wird.

Einmal abgesehen von der fortgesetzten Sieglosigkeit war das ein sehr angenehmer Ausflug nach Wiesbaden. Nicht zuletzt wegen meines Bloggerkollegen Gunnar, der im stehblog dem SV Wehen Wiesbaden schon lange die Treue hält und uns vor dem Spiel und in der Halbzeit bestens betreute. Vielen Dank!

Wacker Burghausen vs. FC Rot-Weiß Erfurt 1:1

Kogler & Preusser

Ihr Improvisationtalent ist gefragt: Kogler und Preusser

Die mäßig originelle Überschrift «Wacker geschlagen» werde ich in diesem Bloggerleben wohl nicht mehr verwenden können. Wieder kein Sieg der Rot-Weißen gegen die Oberbayern. Dass es wenigstens zu einem Punkt reichte, haben wir Philipp Klewin zu verdanken, der für seine Leistung vom Kicker-Sportmagazin völlig zu Recht zum Spieler des Spieltags erkoren wurde.

Dabei begann es halbwegs passabel. Ein Adjektiv, das ich schon zu nutzen bereit bin, wenn die Mannschaft in der Anfangsviertelstunde nicht in Rückstand gerät. Bei 7 von 9 Saisonniederlagen war dies der Fall. Aber Anfangs-Lethargie war am Samstag nicht das Problem. In den ersten 25 Minuten wurde wach und konzentriert verteidigt, Burghausen konnte das Selbstbewusstsein des Sieges in Leipzig nicht unmittelbar in Torgefahr umsetzen. Leider waren in der Offensive der Erfurter keine gravierenden Fortschritte im Vergleich zum Spiel gegen Münster erkennbar. Jedenfalls nicht hinsichtlich herausgespielter Torchancen. Die Spielanlage war in Ordnung. Beide zentralen Mittelfeldspieler (Engelhardt und Pfingsten-Reddig) gingen bei eigenem Ballbesitz konsequent mit nach vorn; die offensiven Außen (vor allem Göbel) rückten situativ ins Zentrum ein, um auf diese Weise zusätzlich Passoptionen in Strafraumnähe zu bieten. Auch die beiden Stürmer bewegten sich viel, wobei vor allem Kammlott öfter einen Innenverteidiger auf die Außenposition lockte, um die nötige Breite der Angriffe zu erwirken. Diese Fluidität sollte Unruhe in der Defensive von Burghausen stiften, was aber nur in homöopathischen Dosen gelang. Also eigentlich gar nicht. Wie bei allen offensivtaktischen Plänen im Fußball ist alles Makulatur, wenn die Passqualität des Vertikalspiels mangelhaft ist. Und das war – mit Ausnahme des Tores – über die gesamte Spieldauer hinweg der Fall. Und hier landen wir wieder beim zentralen Mittelfeld. Ungefähr nach 25 Minuten gab es kurz nacheinander zwei Szenen, die ich als typisch für das gegenwärtige Angriffspiel der RWE erachte: einen Fehlpass von Pfingsten auf Göbel in zentraler Position und danach einen von Engelhardt, auf den am Flügel startenden Kammlott. Beides waren keine völlig verunglückten, gravierenden Fehlabspiele. Es fehlten die berühmten Zentimeter. Die benötigt es aber, um gegen gut organisierte Defensiven überhaupt aussichtsreich vors gegnerische Tor zu kommen.

Das machte Burghausen zunehmend besser. Die Angriffe von Wacker gewannen an Präzision, welche man für geschickte Spielverlagerungen nutzte, bei denen die Abwehr des RWE von einer Verlegenheit in die nächste taumelte. Um das Führungstor herum hatte Burghausen hochkarätige Gelegenheiten, die allesamt von Klewin großartig abgewehrt zernichtet wurden. Sein Marktwert hat sich seit Saisonbeginn mehr als verdreifacht, was durchaus als ein Indiz für seine sportliche Entwicklung (und ihre Außenwirkung) gelten kann. Im Interview nach dem Spiel zeugten seine forschen (und überdies völlig korrekten) Äußerungen zum mangelhaften Offensivspiel seiner Vorderleute davon, dass er auch neben dem Platz an Selbstbewusstsein zugelegt hat.

Eine gelungene Angriffsaktion des RWE kann der Nachwelt dann doch überliefert werden. Der letztlich von Kammlott finalisierte Konter war genial gespielt, besser kann man das nicht machen. Kreuzer fängt einen Ball ab, der über Pfingsten, Göbel und wieder Pfingsten vom energisch durchlaufenden Mittelstürmer zum überraschenden Ausgleich mitten ins Herz aller Burghauser Hoffnungen versenkt wurde. Ein schönes Tor kann freilich nicht über die weitgehende Tristesse des ansonsten Gebotenen hinweg täuschen.

Mit 1:1 ging es in die Pause. Über Halbzeit zwei gibt es nichts Nennenswertes zu erzählen, außer dass Klewin noch zwei weitere Großchancen vereitelte und Pfingsten-Reddig mit einen Distanzschuss das Tor nur knapp verfehlte. Ein glücklicher Punktgewinn des FC Rot-Weiß Erfurt.

Die Kritik an der Spielweise der Mannschaft war schon nach dem Spiel gegen Münster unüberhörbar und naturgemäß ist sie nach dem Remis in Burghausen nicht leiser geworden. Ich kritisiere hier auch vieles, was sich mir während eines Spiels als mangelhaft darstellt. Die einen stimmen zu, andere halten mich für einen dilettantischen Narren. So what! Was mich an mancher Kritik sehr anfasst, ist der aggressiv-fordernde Sound, mit dem sie zuweilen vorgetragen wird. Das hat die Mannschaft nicht verdient. Sie hat in einigen Spielen der Vorrunde am Optimum dessen agiert, was sie zu leisten vermag. Daraus Ansprüche auf Kontinuität abzuleiten, halte ich für verständlich, aber vermessen. Es gelingt ihr oft nicht, sich gegen gut geordnete Defensiven Torchancen zu erarbeiten? Stimmt, dieses chronische Defizit teilt sie jedoch mit so gut wie allen anderen Mannschaften dieser Liga, Heidenheim mal ausgenommen. Es werden aus der Abwehr zu viele lange Bälle nach vorn geschlagen? Stimmt auch. Nur, dass das auf die jeweiligen Gegner meist ebenfalls zutrifft. Quasi alle defensivtaktischen Folterinstrumente der Fußballgegenwart sind exakt auf dieses Ziel hin konzipiert: jeden konstruktiven gegnerischen Spielaufbau unterbinden und nur die Option lang nach vorn geschlagener Bälle übrig lassen. Von der Bundes- bis hinab zu Oberliga. Wenn’s reicht.

Ich kann die Enttäuschung gut verstehen, dass wir an den letzten Spieltagen nicht näher an die Aufstiegsplätze herangekommen sind. Ich teile sie sogar. Nüchtern betrachtet muss man jedoch konstatieren: die Mannschaft ist weiterhin im Soll. Leistungsschwankungen eingeschlossen. Ich kann nicht in einem Satz das Nachwuchskonzept des Vereins feiern, um im nächsten zu kritisieren, dass diese junge Mannschaft nicht unentwegt alle Gegner aus den Schuhen kickt.

Last but not least ein Grußwort an die Mitglieder jener Bruderschaft, die die Beleidigungen gegen Carsten Kammlott zu verantworten haben: Tiefer kann man nicht sinken. Sollte man meinen. In Eurem Fall jedoch bin ich optimistisch: Ihr schafft das locker!

FC Rot-Weiß Erfurt vs. SC Preußen Münster 0:0

engelhardt_01-2014Wir müssen nicht drum herum reden. Die ersten 30 Minuten des FC RWE im Spiel gegen Preußen Münster waren eine Zumutung. Was nicht an der sibirischen Kälte lag. Schwer zu sagen, welches die Gründe für den erneuten Fehlstart waren. Fehlende Wachheit möchte man bei Temperaturen von minus 6 Grad eigentlich ausschließen. Trotzdem sollte über die kollektive Verabreichung doppelter Espresso unmittelbar vor Anpfiff nachgedacht werden. Ich vermute allerdings, dass die Mannschaft vor allem dann Probleme bekommt, wenn ein Gegner (gerade auch im Steigerwaldstadion) nicht abwartend, sondern aggressiv beginnt. Wie die Stuttgarter Kickers und wie gestern die Preußen aus Münster. Nur mit Glück überstanden die Rot-Weißen diese Phase ohne Gegentor. Wäre der RWE zum neunten Mal in der Anfangsviertelstunde in Rückstand geraten, hätten wir – jedenfalls rein statistisch – alle Hoffnungen fahren lassen können.

Für diese halbe Stunde erübrigt sich eine Einzelkritik, alle spielten unter ihrem Niveau. Wenig hilfreich, dass ein Routinier wie Pfingsten-Reddig in dieser Phase vor allem durch eklatante Fehlabspiele und dürftiges Zweikampfverhalten auffiel.

Es gab einige spannende Fragen die Startformation betreffend: Kammlott oder Nietfeld neben Tunjic im Angriff? – Und, wer spielt auf den defensiven Außenpositionen? Hier waren nach den Vorbereitungsspielen noch drei Spieler in der Verlosung: Odak, Baumgarten, Serrek. Im Sturm entschied sich Kogler für Kammlott, eine richtige Entscheidung wie der Verlauf des Spiels zeigen sollte. In die Abwehr stellte der RWE-Coach Serrek auf die linke und Odak (wie gehabt) auf die rechte Seite der Viererkette.

Nach Ablauf dieser fürchterlichen 30 Minuten gelang es dem RWE, das eigene Spiel zu stabilisieren. Die Viertelstunde vor der Pause war dann das Beste, was wir an diesem Nachmittag zu sehen bekommen sollten.

Eine kurze Kritik der Mannschaftsteile. Abwehr: Klewin hat sich bisher jedes Lob verdient, das er bekam, aber in diesem Spiel war er in der Strafraumbeherrschung schlichtweg schlecht und hatte unübersehbare Probleme beim Herauslaufen. Dazu gab es eine interessante Szene in Halbzeit zwei. Bad Cop Engelhardt faltet ihn zusammen, weil er bei einer Flanke nicht herauskam, Good Cop Laurito tätschelte ihm beschwichtigend den Hinterkopf. Psychologisch raffinierte Aufgabenverteilung der Routiniers.

Odak solider als zuletzt, mit reichlich Luft nach oben, was die Qualität seiner Flanken betrifft. Die große Überraschung war Serrek, der so offensiv auftrat wie lange kein Außenverteidiger im Trikot von RWE. Was daran liegen könnte, dass er eigentlich kein Außenverteidiger, sondern gelernter Mittelfeldspieler ist. Nach vorne sah das gut aus, war allerdings bei Ballverlusten recht riskant, da die Abstimmung mit Strangl (und später mit Drazan) zu wünschen übrig ließ. (Was allerdings eher den Mittelfeldspielern anzulasten ist.) Philipp Serrek ist zweifellos eine Bereicherung des Kaders: technisch gut, kopfball- und passstark. Stellungsspiel und taktische Abstimmung müssen jedoch verbessert werden. Fraglich ist allerdings, ob wir uns davon werden überzeugen können, da Czichos für Burghausen wieder spielberechtigt ist und ich ihn für gesetzt halte.

Kleineheismann grundsolide wie immer, Laurito in jeder Hinsicht überragend.

Mittelfeld: Engelhardt defensiv sehr stark. Es war nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass RWE das Spiel halbwegs in den Griff bekam. In Halbzeit zwei auch offensiv derjenige der beiden zentralen Mittelfeldspieler, der sich um Struktur mühte. Pfingsten-Reddig anfänglich mit einigen Zuspielen aus der Hölle. Das wurde – auf für seine Verhältnisse überschaubarem Niveau – besser. Er konnte nach vorne jedoch nie Impulse setzen. Ein schwaches Spiel des Kapitäns. Ich stelle mir schon die Frage, warum Okan Derici keine Chance bekam, sein Können zu beweisen. (Derici wird sich das wohl ebenfalls fragen.) Wie fast alle anderen startete Patrick Göbel besorgniserregend unkonzentriert in die Partie. Zeigte aber später ab und an, was er für eine Qualität vor und im Strafraum hat. Vor allem wenn er in zentraler Position agiert. Marius Strangl kann man kein schlechtes Spiel nachsagen. Aber auch kein wirklich gutes. Seine offensive Dynamik reicht oft nur bis zum gegnerischen Strafraum, hinzu kam in einigen Situationen die bereits erwähnte mangelhafte Absicherung für den offensiven Serrek. Da war er schlichtweg zu zögerlich in der Rückwärtsbewegung.

Angriff: Tja, Kammlott und Tunjic. Die beiden möchte ich aus der Generalkritik die ersten 30 Minuten betreffend ausnehmen. Sie hätte sich schon mit einer Kaskade von Doppelpässen von der eigenen Grundlinie bis zum gegnerischen Tor kombinieren müssen, um Wirkung zu erzielen. Auf brauchbare Pässe ihrer Mitspieler jedenfalls konnten sie nicht hoffen. Es war auch  Mijo Tunjics Verdienst, dass das Vakuum im offensiven Mittelfeld halbwegs überbrückt werden konnte. Er ließ sich öfter recht tief fallen und bewegte sich für einen Spieler seiner Größe erstaunlich flink auf dem teils glatten, teils tiefen Boden des Steigerwaldstadions. Diesbezüglich ein richtig gutes Spiel des Holländers. Was ihm bei der öffentlichen Bewertung seines Spiels immer – und nicht völlig zu Unrecht – angelastet werden wird, ist das weitgehende Fehlen direkter, eigener Torgefahr.

Hätte man mit leben können, wenn denn Kammlott das vermutlich entscheidende Tor gelungen wäre. Aber so märchenhaft ist Fußball leider selten. Trotzdem war es ein gutes Spiel des Rückkehrers. Kogler stellte ihn dahin, wo er hingehört, zentral in die Sturmspitze. Wie viele andere im Stadion konnte ich seine frühe Auswechslung nicht verstehen. Ein Leistungsabfall war für mich (noch) nicht zu erkennen. Er hatte unmittelbar vor der Auswechslung seine beste Szene, als er zwei Verteidiger (die ja während des Spiels ebenfalls nicht frischer werden) düpierte. Das Kalkül Koglers war wohl, mit Nietfeld einen Stürmer mit Strafrauminstinkt in die Schlacht zu werfen. Dumm nur, dass es nicht die dafür notwendigen Strafraum-Situationen, nach z.B. Standards, gab. Bei Jonas Nietfeld sah man in jeder Sekunde, die er auf dem Platz stand, dass Stürmer die fast 1,90 Meter groß sind, auf derart instabilem Geläuf nicht gerade bevorteilt sind. Die Ausnahme Tunjic hatte ich schon erwähnt.

Christopher Drazan hat mir gut gefallen. Sehr dynamisch, mit dem Zutrauen bei Angriffen von außen in die Mitte zu marschieren. Ich hatte nach dem Spiel gegen Zwickau auf Facebook geschrieben, dass es mit seiner Schnelligkeit möglicherweise nicht so gut bestellt sei. Das nehme ich ausdrücklich zurück. Mit seiner Schnelligkeit ist alles in Ordnung. Man darf gespannt sein, wie er sich entwickelt. Wenn es so läuft, wie ich hoffe, könnte es einen heißen Tanz um die Position im linken Mittelfeld zwischen ihm und Öztürk geben. Je nach Wetterlage irgendwann im Frühjahr.

Summarisch ein völlig leistungsgerechtes Unentschieden. Nach der Niederlage von Leipzig gegen Burghausen sollte nun wirklich jedem klar sein, dass die jeweilige Tabellenposition kein hinreichend eindeutiges Indiz für den Ausgang eines Spiels darstellt. In dieser Liga noch weit weniger als in anderen. Heidenheim zähle ich schon gar nicht mehr dazu.

Sollte das Wetter es zulassen und wir spielen nächste Woche in Burghausen: Doppelte Espresso stehen nicht auf der Dopingliste.