Tag Archiv für Möhwald

Rot-Weiß Erfurt vs. Borussia Dortmund II 3:1

kogler_1

Die regionalen Medien sind ja stets dankbar, wenn einem Spiel zum Ende einer Saison eine gewisse Restdramatik verliehen werden kann. So auch im Vorfeld der gestrigen Begegnung zwischen dem Nachwuchs des BVB und dem FC Rot-Weiß Erfurt. Zu diesem Zweck wurde das Abstiegsgespenst geweckt, in grelle Farben gekleidet und ins Steigerwaldstadion gezerrt. Die arme Sau.

Motto des Spiels:

Geduld will bei dem Werke sein. (Goethe)

Die Aufstellung:

Pfingsten-Reddig hatte in Chemnitz ein herausragend desolates Spiel abgeliefert. Baumgarten und Wiegel konnten ebenfalls nicht überzeugen (nebst vielen anderen, ich weiß). Folgerichtig ließ Kogler alle drei auf der Bank Platz nehmen. Dass Möhwald, Czichos und Odak nach Ablauf ihrer Sperren in der Startelf standen, war keine Sensation. Kreuzers Auftauchen in selbiger ebenfalls nicht, aber eine Überraschung war diese Personalie schon. Damit er die Doppelsechs Engelhardt und Möhwald aufbieten konnte, musste Czichos in die Innenverteidigung rücken, Odak auf die linke Abwehrseite und Kreuzer dessen eigentliche Position rechts in der Viererkette einnehmen. Kogler riskierte einiges, er stellte die Abwehrkette (fast) komplett um (in Relation zu den Stammpositionen der Spieler), damit er im zentralen Mittelfeld seine Wunschformation aufbieten konnte. And it works.

Taktiksplitter:

Möhwald und Engelhardt harmonierten prächtig miteinander. Das war spielentscheidend. Sie gewannen die Mehrheit ihrer Zweikämpfe und nervten den individuell starken BVB-Nachwuchs mit robuster und konzentrierter Zweikampfführung. Kann sich jemand an ein verlorenes Kopfballduell von Engelhardt erinnern? Ich jedenfalls nicht. Je länger das Spiel dauerte, desto öfter ergab sich für einen von beiden die Gelegenheit, ins Angriffspiel einzugreifen. So war es eben kein Zufall, dass sie an zwei von drei Toren direkt beteiligt waren.

Möhwald ließ sich von Anfang an beim Spielaufbau häufig auf Höhe der Innenverteidiger fallen. Der dahinterliegende Plan war klar: es sollten nicht nur lange Bälle in Richtung der Offensivspieler geschlagen werden, stattdessen wollte man mit Passstafetten das Mittelfeld überwinden. Interessant war, dass Möhwald sich meist nicht zentral zwischen den beiden IV anspielen ließ, sondern – in der Regel – etwas versetzt auf der linken Erfurter Abwehrseite. Sobald er das tat, schob sich Odak viel höher in die gegnerische Hälfte, um als Relaisspieler Angriffe auf dieser Seite erfolgversprechender unterstützen zu können.

Das Coaching:

Wie gesagt, die Aufstellung war mutig, hatte andererseits – nach der Leistung in Chemnitz – aber jede Logik für sich. Wenn der maßgeblichste Mannschaftsteil – das zentrale Mittelfeld – so schwach agiert, muss sich ein Trainer etwas einfallen lassen. Bei einem guten funktioniert die Idee dann sogar.

Die Wechsel während des Spiels folgten den Notwendigkeiten des Spielstands bzw. dem Fitnesszustand der Spieler, siehe Brandstetter.

Spieler des Tages:

Kevin Möhwald. Gab am Spieltag der Thüringer Allgemeinen ein ausführliches Interview. Die Lektüre lässt die Fans des RWE einigermaßen sicher in dem Gefühl zurück, dass er auch im nächsten Jahr am Steigerwald die Töppen schnüren wird. Hier könnte wohl nur eine sehr hohe Ablöse den Verein zum Umdenken bewegen.

Er bot gestern eine seiner besten Saisonleistungen. Ein Führungsspieler bereits jetzt. In dieser Form für den RWE nicht adäquat ersetzbar.

Bilanz des Spiels:

Drei Punkte und die Gewissheit, dass die Mannschaft, wenn sie denn (fast) in Bestbesetzung antreten kann, guten Fußball zu spielen in der Lage ist. Blendet  man die erneuten Irritationen wegen der Lizenzerteilung aus (fatalistisches Motto der Anhängerschaft, mich eingeschlossen: Rolle Rombach wird’s schon richten), sollte der FC Rot-Weiß Erfurt in der Lage sein, die neue Saison mit ausgeschlafener Gelassenheit zu planen.

Der Gegner:

Der Nachwuchs des BVB hatte mit Marian Sarr und Marvin Ducksch die beiden – mit einigem Abstand – teuersten Spieler der dritten Liga in der Startelf.  Und auch ansonsten konnte man jedem BVB-Kicker individuelle Klasse kaum absprechen. Aber als Mannschaft funktionierte das Gebilde schon weniger gut und an diesem Abend traf mal halt auf einen Gegner, der einen Sieg schlichtweg mehr wollte. Andererseits: Geht der BVB in Führung, wird es – bei der Konterstärke der Westfalen – schwer für die Rot-Weißen. Gegen eine konzentriert und weitgehend fehlerfrei verteidigende Erfurter Mannschaft taten sie sich jedoch schwer, große Tormöglichkeiten zu erarbeiten. Trotzdem: der BVB II wird nicht absteigen, das hat auch mit dem nicht übermäßig schwierigen Restprogramm zu tun.

Die Öffentlichkeit:

Dauer der mdr-Spielberichts: 1 Minute. Mehr muss man nicht sagen. Ansonsten sorgt der heutige Feiertag für mediale Ruhe. Gibt Schlimmeres.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich mir über die Osterfeiertage ein paar Stunden Ruhe gönnen und ein wenig die Seele baumeln lassen. Hat er sich redlich verdient, der Walter Kogler.

Die Aussichten:

Landespokal-Halbfinale gegen den Landesligisten Dachwig-Döllstedt, ein Wiedersehen mit den Rot-Weiß-Ikonen Albert Krebs (Trainer) und Ronny Hebestreit (Kapitän). Nachdem wir im letzten Jahr gegen den der gleichen Klasse angehörigen SV Schott Jena das Finale verloren haben, sollte jeder gewarnt sein. Schaun mer mal.

Merke soeben, dass ich diesen Text unmöglich ohne eine Bemerkung zur Leistung von Carsten Kammlott enden lassen kann: Stark wie immer, seit er wieder hier spielt. Erneut zwei Scorerpunkte. Erneut unermüdlich. Ich war stets ein Freund seiner Rückkehr, aber so schnell so gut, das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Rot-Weiß Erfurt vs. Jahn Regensburg 2:3 / Rot-Weiße Bravehearts

RWE vs. Regensburg

Ich erwartete ein munteres Drittligaspiel, bestritten von zwei Mannschaften, deren Stärken eher in der Offensive liegen. Ich sah ein aufregendes Spektakel, dessen spielentscheidende Szene noch immer nicht vollständig geklärt ist. Vor allem sah ich aber eine großartig kämpfende Erfurter Mannschaft, die kurz davor stand eine fußballerische Sensation Wirklichkeit werden zu lassen. Aber auch wenn diese nicht gelang, sollten sich die Anhänger des FC Rot-Weiß an der großen Moral ihres Teams erfreuen, anstatt sich bis zum Überdruss an der Leistung des Schiedsrichters abzuarbeiten.

Motto des Spiels:

Let’s stay together!

Die Aufstellung:

Keine Überraschung in der Startformation.

Taktiksplitter:

Dazu würde ich mehr schreiben, wenn es ein ganz normales Spiel gewesen wäre. Denn das Aufeinandertreffen des Erfurter 4-4-2 und des Regensburger 4-2-3-1 war schon fast prototypisch für ein Spiel, in dem diese Systeme gegeneinander antreten. Nur so viel: Regensburg machte in der Offensive das Spiel sehr breit, der ballferne offensive Außenbahnspieler blieb (fast immer) auf seiner Seite. Über schnelle diagonale Spielverlagerungen sollte dieser ins Spiel gebracht und der freie Raum genutzt werden, was vor allem über unsere rechte Abwehrseite einige Male gelang. Auch, weil sich Drazan nicht wirklich an der Abwehrarbeit beteiligte. Ganz anders das Erfurter Spiel. Hier rückt der ballferne Außenspieler (fast immer) ins Zentrum, um bei der systembedingten Vakanz des 10er-Raums eine zusätzliche Anspielstation zu bieten. Dies klappte beim Zuspiel von Möhwald auf Strangl, das zum Elfmeter führte, ausgezeichnet. Damit sind wir schon bei der ersten diskutablen Entscheidung des Spiels. Ich denke, es ist unstrittig, dass der Regensburger die Hand bereits vor dem Strafraum an Strangs Trikot hat. Das spielt aber keine Rolle, wenn diese sich noch dort befindet, sobald Strangls Fuß die Strafraumlinie berührt. Ich habe es mir einige Male angesehen: Es ist – so oder so – nicht wirklich zweifelsfrei zu erkennen.

Das Coaching:

Es gab einiges Murren um mich herum, als Kogler nach Möhwalds Feldverweis Brandstetter für Baumgarten auswechselte. Bei diesem Spielstand (1:1), in dieser Spielminute (34.) und angesichts der Spielstärke des Gegners hätten 100 von 100 Trainern so gewechselt. Bei Unterzahl in dieser Phase des Spiels kann es nur darum gehen, defensive Stabilität herzustellen, was in der Folge ja auch ganz gut gelang – bis die Unterzahl dann, nach Czichos Platzverweise, eine Zweifache wurde.

Kogler ließ Drazan in der Kabine und brachte für ihn Andreas Wiegel. Ein völlig nachvollziehbarer Wechsel, weil Drazan sich schlichtweg nicht an die defensive Zuordnung hielt, weshalb der Jahn vor allem über unsere rechte Abwehrseite gefährlich wurde. Je näher das Ende der Saison rückt, desto mehr beschleicht mich bei Drazan der Eindruck, dass er vor allem über gute Offensivaktionen potenzielle neue Arbeitgeber auf sich aufmerksam machen möchte. Seine individuellen Stärken sind unbestritten, verweigert er aber die Arbeit gegen den Ball, gehört er auf die Bank. Punkt.

Spieler des Tages:

Marco Engelhardt. Mal wieder. Bis zum 1:1 ein solides Spiel von ihm, danach überragend. Etwas zugespitzt könnte man behaupten: Je weniger eigene Mitspieler auf dem Feld standen, desto besser wurde Engelhardt. Jammerschade, dass sein Freistoß kurz vor Ultimo das Ziel knapp verfehlte. Ein Tor wäre die Krönung gewesen.

Bilanz des Spiels:

Die Schlüsselszene des Spiels datiert sich auf die 31. Spielminute. Es wird noch immer unterschiedlich darüber berichtet, was zum Elfmeter für Regensburg und zur Gelb-Roten Karte für Möhwald führte. Laut Spielberichtsbogen von fussballdaten.de und kicker.de, die, soweit ich erfahren habe, auf dem Spiel-Protokoll des DFB beruhen, wird ein Foulelfmeter für Regensburg aufgeführt. Und vermutlich, infolgedessen, die Gelb-Rote Karte wegen Foulspiels für Möhwald. Diese Sichtweise ließe die Entscheidung von Willenbork zumindest einigermaßen konsistent dastehen. Wenn sie auch, mit einiger Wahrscheinlichkeit, falsch war. Hier bieten die TV-Bilder des mdr allerdings ebenfalls keine letzte Gewissheit. Mein Eindruck im Stadion war: Möhwald berührt den Regensburger gar nicht, eine Wahrnehmung, die durch die Fernsehbilder nicht widerlegt aber eben auch nicht zweifelsfrei bewiesen wird. Die Riesen-Verwirrung um die Szene entsprang einer vielfach wiederholten Fehlinterpretation, Quelle: mdr-Spielbericht, der zufolge ein (vermeintliches) Handspiel von Möhwald ursächlich für den Elfmeter gewesen sein soll. Diese Version ist noch heute so in der TLZ zu lesen. Dabei war es eindeutig Odak der nicht Hand spielte. Wofür Möhwald dann Gelb-Rot sah, ist noch immer offen: Foulspiel oder doch Reklamieren? Wie auch immer, danach war das Spiel ein anderes. Regensburg wollte sich die Führung erspielen, der RWE ließ nicht viel zu und hatte mit Kammlotts Kopfballmöglichkeit sogar die bessere Chance. Ein zweites Mal änderte sich die Statik des Spiels komplett mit der Herausstellung von Czichos. Fingerspitzengefühl hin oder her, er darf diesen Zweikampf an der Seitenlinie einfach nicht so führen. Wie kaum anders zu erwarten, spielten die Regensburger weiter geduldig auf den Führungstreffer. Wie der dann fiel, ließ das Steigerwaldstadion vollends zum Tollhaus werden. Allein: das war ein reguläres Tor, es gab keine aktive Bewegung der Hand von Muhovic zum Ball. Sieht blöd aus, ist bitter – alles keine Frage. Trotzdem war die Anerkennung des Tores regelkonform. Man kann über die Regel diskutieren, es ist aber müßig, über deren korrekte Auslegung durch den Schiedsrichter zu lamentieren.

Die eigentliche Sensation war allerdings, wie die Erfurter Mannschaft auf den Rückstand reagierte. Statt wie die Lemminge auf weitere Tore der Regensburger zu warten, wurde nun volles Risiko gegangen, in der Abwehr und im Mittelfeld wurde nur noch eins gegen eins verteidigt und vorne erzwang man den Ausgleich. Nicht mittels eines irgendwie hineingewürgten Standards, sondern durch Zweikampfpräsenz, Druck und spielerische Mittel. Mit zwei Spielern weniger auf dem Feld, man es kann es gar nicht oft genug wiederholen. Es war dann auch eine feine Kombination, die zum zwischenzeitlichen Ausgleich durch den erneut unermüdlichen Kammlott führte.

Der Gegner:

Regensburg trat wie erwartet auf: fußballerisch versiert und begabt, mit Mängeln in der Chancenverwertung und in der Defensive. Sie sind nur knapp einer Blamage entgangen, die ein erneuter Erfurter Ausgleich zwangsläufig dargestellt hätte.

Die Konsequenzen:

Platz vier in der Liga kann man jetzt völlig vergessen. Wird zudem interessant, wen Kogler am Samstag in Chemnitz auf den Platz schickt. Man kann nur hoffen, dass Laurito wieder einsatzfähig ist. So oder so wird die Besetzung der beiden Außenverteidiger-Positionen ein schwieriges Unterfangen werden.

Die Öffentlichkeit:

Ist mir alles zu fokussiert auf den Schiedsrichter. Der, ich sage es gern noch einmal, sicherlich keinen guten Tag hatte. Mir ist viel wichtiger zu betonen: eine großartige kämpferische Leistung der Mannschaft, die nicht verdient hat, im großen Schiri-Gemotze unterzugehen.

Die Aussichten:

Nordhausen. Alles andere: sekundär. Vorläufig.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich mir über das Spiel gegen Chemnitz erst Gedanken machen, nachdem wir morgen im Südharz – hoffentlich – gewonnen haben. Und ich würde Christopher Drazan auf einen Plausch bitten. Thema: Du hilfst uns nur, wenn Du diszipliniert spielst. Heldenfußball braucht kein Mensch!

Rot-Weiß Erfurt vs. SpVgg Unterhaching 2:0 / Sans Souci!

RWE vs. HachingNoch sorgenvoll und etwas grantig blickend: Walter Kogler

Schlecht gespielt und gewonnen folgt auf gut gespielt und nicht gewonnen. Mit diesem Satz lassen sich die beiden letzten Begegnungen der Erfurter Rot-Weißen auf den Punkt bringen. Erneut zwangen Walter Kogler widrige Umstände, die Mannschaft massiv umzubauen. Das wäre beinahe schief gegangen. Beinahe.

Motto des Spiels:

I can see for miles!

Die Aufstellung:

«Die personelle Situation entspannt sich.» Stand hier nach dem Spiel gegen den Nachwuchs des VfB zu lesen. Stimmte auch, bis sich gestern vor dem Spiel Andre Laurito verletzte. Schlimmer konnte es kaum kommen. Kogler war genötigt, die komplette Abwehrkette umzubauen (da ja Kleineheismann ebenfalls fehlte). Engelhardt und Czichos hatten beide schon in der Innenverteidigung gespielt, nur eben nicht zusammen. Beides sind Linksfüße, sodass Engelhardt zudem gezwungen war, die rechte Position der beiden Innenverteidiger einzunehmen. Kreuzer kann nur rechts spielen, deshalb musste Odak auf die linke Seite wechseln. Zu allem Überfluss war die Mannschaft damit auch «kleiner» geworden, was für eventuelle Standards der Unterhachinger keine gute Aussicht war. Es gibt gewiss Zeitgenossen, die an dieser Stelle einwenden werden, dass das ja alles Profis sind, die den ganzen Tag nichts anderes tun als Fußball spielen. Und deshalb mit so einer Situation umgehen können sollten. Stimmt, und das haben sie dann ja auch sehr passabel getan. Nur ist es eben so, dass ein Abwehrverbund, wie der Name schon sagt, eine kollektive Angelegenheit ist und diese Gruppenharmonie gewisse trainierte Mechanismen bedarf. Zum Beispiel müssen die Abstände untereinander stimmen, es muss die Distanz zum Mittelfeld eingehalten werden (nicht zu groß aber auch nicht zu klein). Es sollten die Kommandos zum Herauslaufen klar sein – wenn der Gegner Abseits gestellt werden soll, etc. Deshalb rotieren Trainer in der Abwehr nicht ohne Not, selbst wenn sie dies in den übrigen Mannschaftsteilen fast schon zum Stilprinzip erhoben haben, wie z.B. Guardiola bei den Bayern. Es wäre verwunderlich gewesen, wenn diese massiven Umbauten keine Leistungseinbuße zur Folge gehabt hätte.

Taktiksplitter:

Wieder das altbewährte 4-4-2, diesmal mit Pfingsten und Möhwald auf der Doppelsechs. Ein Gespann, dass keine schlechte Bilanz vorzuweisen hat. Die Bilanz ist gestern noch besser geworden, diesmal muss man aber etwas frech behaupten: Nicht wegen, sondern trotz ihnen! Beide hatten sich einen gebrauchten Tag andrehen lassen. Wer das Zentrum beherrscht, der beherrscht das Spiel. Gestern waren das ganz eindeutig die Jungs von Christian Ziege. Pfingsten-Reddig mit den – leider – schon gewohnten Lässigkeiten in der Defensive. Typisch eine Szene aus Halbzeit eins, in der – nach einem Ballverlust – die Hachinger im Umkehrspiel angreifen. Pfingsten versucht den Konter zu unterbinden, wird aber ausgespielt und muss dann eigentlich das Foul nehmen (und evtl. Gelb riskieren), tut das aber nicht, lässt den Hachinger laufen, was sich Sekunden später in direkter Torgefahr niederschlägt. Hinzu kamen – von beiden Akteuren – etliche Fehlabspiele.

Ein weiteres Problem des RWE-Angriffspiels waren die Flügel. Vor allem wirkte sich aus, dass Drazan diesmal nicht von Czichos unterstützt werden konnte, sowohl beim Aufbau der Angriffe, als auch was seine Sicherung nach hinten betraf. Hier wurde dann eine Schwäche der Lauterer Leihgabe offenbar, sein Spiel gegen den Ball. (Man ist geneigt zu sagen: ein notorisch österreichisches Defizit). Was dann wiederum Kogler auf die Palme brachte, der seinen jungen Landsmann einige Male heftig ermahnte.

Das Coaching:

Für mich waren alle Wechsel nachvollziehbar, wenn sie auch nicht wirklich die gewünschten Resultate zeitigten.

Spieler des Tages:

Marco Engelhardt. Nicht fehlerfrei auf doppelt ungewohnter Position und ohne Unterstützung wenigstens eines gelernten Innenverteidigers. Trotzdem machten er und Czichos das ziemlich gut. Er sah sich – angesichts der Schwäche der beiden 6er im Spielaufbau – zunehmend auch dafür verantwortlich und schlug in Halbzeit zwei einige sehr brauchbare Pässe. (Klar hätte ich auch Kammlott nennen können, aber ich habe den Verdacht, sein Name wird hier ohnehin noch einige Mal auftauchen).

Bilanz des Spiels:

Ein Sieg, der so wichtig war, dass es fast schon irrelevant ist, wie er zustande kam. Jetzt hat RWE 10 Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze, bei sieben noch ausstehenden Spielen ist da nichts mehr zu befürchten. Zu einem frühen Zeitpunkt kann die Planung für die neue Saison verbindlich betrieben werden. Das ist ein Wettbewerbsvorteil und ich bin sehr optimistisch, dass Hörtnagl und Kogler den zu nutzen wissen.

Der Gegner:

«Nicht immer schön hinten rausspielen», hatte Ziege vor dem Spiel im kicker postuliert. Seine Jungs hielten sich nicht daran und wären – beinahe – dafür belohnt worden. Man muss schon ein Herz aus Stein haben oder rein gar nichts von Fußball verstehen, wollte man den Hachingern absprechen, gestern Abend nicht mindestens einen Punkt verdient gehabt zu haben. Es kam anders, gut für uns, schlecht für das talentierte Team aus Oberbayern.

Noch vor einigen Jahren hätte man das Folgende gar nicht erwähnen müssen, aber derzeit greift die Unsitte um sich, einfach weiter zu spielen, wenn ein verletzter Spieler des Gegners am Boden liegt. Nicht so Unterhaching, die haben zweimal den Ball ins Aus gespielt. Wohlgemerkt: Mitte der 2. Halbzeit, bei einem 0:1-Rückstand und während einer eigenen Druckphase. Großartig!

Die Konsequenzen:

Platz vier ist immer noch möglich, wenn auch schwierig, da Wehen ebenfalls gewann und irgendwie einen Lauf zu haben scheint.

Die Öffentlichkeit:

Ich habe es so vermisst – die Nörgelei in den Foren nach einem Sieg. Allemal besser als das konsternierte, entsetzte Schweigen nach den Spielen gegen Kiel und Elversberg. Die TA verblüfft ein bisschen mit dem offenkundigen Gegensatz eines eher negativen Spielberichts und guter Einzelnoten für die Spieler.

Die Aussichten:

Aus bereits beschriebenen Gründen: blendend. Man kann die Saison ambitioniert (DFB-Pokal) aber in Ruhe zu Ende spielen. Ich hoffe nur, dass sich die schlimmsten Gerüchte hinsichtlich der Verletzung Lauritos nicht bestätigen und er wirklich nur für das Spiel in Heidenheim ausfällt.

Sollte Heidenheim heute Abend verlieren, wird dort das ganz große Flattern losgehen. Könnte am Samstag ein spektakuläres Spiel werden, dazu ist aber – ganz klar – eine Leistungssteigerung des gesamten Teams vonnöten.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich schon viel an die nächste Saison denken. Es gibt in allen Mannschaftsteilen eine Menge zu verbessern. Es reicht eben nicht aus, nur ab und an mit den Besten der Liga mithalten zu können. Um ernsthaft oben dabei zu sein, muss schlichtweg mehr Konstanz auf hohem Niveau her. Das ist leicht daher geschrieben, ich weiß. Aber wir nähern uns der mystischen Zahl 2016, von daher drückt es nur aus, was sich der Verein selbst auf die rot-weißen Fahnen geschrieben hat.

SV Elversberg vs. Rot-Weiß Erfurt 2:0 / Die Substanz ist aufgebraucht

Ich habe es noch nie für sonderlich sinnvoll gehalten, auf eine Fußballmannschaft, die gerade sehr schlecht spielt und, ja, am Boden liegt, verbal einzudreschen. Schon gar nicht, wenn ich ein Anhänger dieser Mannschaft bin. Ist davon irgendwo jemals etwas besser geworden? Aber ich gebe zu, dass mir die Wahrung dieses Grundsatzes nach den zuletzt gezeigten Leistungen des FC Rot-Weiß Erfurt, eine nicht zu unterschätzende zivilisatorische Anstrengung abverlangt.

Motto des Spiels:

Stairway to hell.

Die Aufstellung:

Nach Mijo Tunjics Mittelfußbruch und Kammlotts 5. Gelber Karte gingen Walter Kogler die Stürmer für das ansonsten gesetzte 4-4-2-System aus, was wohl der Hauptgrund war, dass RWE in Elversberg nur mit einem Angreifer in der Startelf antrat. Odak war noch nicht wieder bei 100 Prozent, deshalb nahm er nur auf der Bank Platz und Kreuzer seine Position rechts hinten in der Viererkette ein. Göbel erhielt den Vorzug vor Strangl, was nach seiner frühen Auswechslung gegen Kiel nicht selbstverständlich war.

Taktiksplitter:

Eine Rubrik, die ich eigentlich sehr kurz halten wollte, wenn ich das Spiel nicht live oder wenigstens in voller Länge im Fernsehen verfolgt habe. Geht diesmal nicht, denn hier tun sich Rätsel auf. Tatsache ist, wir haben mit nur einem Stürmer (Nietfeld) begonnen, was sich dann dahinter abspielte, darüber existieren unterschiedliche Auffassungen. Inklusive der, die es für völlig nebensächlich erachtet, welches System der FC RWE momentan spielt, weil andere Faktoren für die miserablen Leistungen der Mannschaft verantwortlich sind. Die zum Beispiel wären: Qualität der Spieler, Einstellung derselben, Passqualität, etc. Dem kann man nicht wirklich widersprechen, diese Dinge spielen tatsächlich eine große Rolle. Aber ich beharre mit meinem Hausrecht hier im Blog darauf, dass dies auf die systemische Grundpositionierung einer Fußballmannschaft ebenfalls zutrifft. Basta!

Jedenfalls haben der mdr, transfermarkt.de und die Thüringer Allgemeine eine 4-1-4-1-Formation erkannt. Und auch die relevanten Spielausschnitte des mdr deuten auf dieses System hin. Das ist überraschend, weil sich ein 4-1-4-1 doch deutlich vom bisher ausschließlich gespielten 4-4-2 unterscheidet. Es würde zu weit führen, hier alle Vor- und Nachteile eines 4-1-4-1 aufzuführen. Nur soviel: Es benötigt zwingend einen sowohl spieltaktisch wie technisch und physisch herausragenden defensiven Mittelfeldspieler. Da fallen mir bei RWE zwei Spieler ein, denen ich das grundsätzlich zutraue: Engelhardt und Möhwald. Tatsächlich gespielt hat auf der Position aber Baumgarten. Mir ist dabei schon klar, dass Engelhardt in der Innenverteidigung benötigt wurde, während Möhwald, nach seiner Verletzung, vermutlich noch nicht in der Verfassung war, diese Rolle auszufüllen. Dann aber hätte man ein anderes System wählen müssen, denn, dass diese Schuhe für Baumgarten noch (?) zu groß sind, war absehbar.

Das Coaching:

Gesetzt dem Fall, dass mit dem 4-1-4-1 stimmt, dann hat sich Walter Kogler gehörig vercoacht. Passiert. Der Zeitpunkt war halt äußerst unglücklich.

Spieler des Tages:

Simon Brandstetter. Weil er weiß, wo das Tor steht und wie man es attackiert.

Bilanz des Spiels:

Eine zu allen Befürchtungen Anlass gebende Vorstellung des FC Rot-Weiß Erfurt.

Der Gegner:

Elversberg war für viele vor der Saison der erste Abstiegskandidat, das hat sich inzwischen stark relativiert. Die Mannschaft spielt (und punktet) im permanenten Klassenkampfmodus. Das (aber nicht nur das) hatte sie den Rot-Weißen am Samstag voraus. Ich denke, die Saarländer werden die Klasse halten.

Die Konsequenzen:

Der Abwärtstrend hält an. Tabellarisch sowieso, aber zum ersten Mal hat die Mannschaft nach einer sehr schwachen Leistung eine noch schwächere folgen lassen. Diese Tatsache beunruhigt mich noch mehr als die Niederlage an sich.

Die Öffentlichkeit:

Ein ganzseitiger Total-Verriss in der Thüringer Allgemeinen. Nicht besonders aufschlussreich, aber sehr total. Was BILD heute schreibt, kann ich mir denken, will es aber so genau gar nicht wissen. Die Reaktion in den Foren finde ich interessanter: desto ernster die Situation wird, umso sachlicher werden die Beiträge – jedenfalls die meisten. Eine ziemlich erwachsene Entwicklung, auf deren Fortsetzung ich aber gerne verzichte. Mir ist lieber, es wird gemeckert aber wir gewinnen wenigstens ab und an.

Die Aussichten:

Wenn die Mannschaft sich nicht schleunigst fängt, werden wir absteigen. Mit der Leistung der letzten beiden Spiele kann man vielleicht ab und zu glücklich einen Punkt ergattern (Kiel), wird aber in der Regel deutlich verlieren (Elversberg). Wir leben von der Substanz, doch die ist fast aufgebraucht. Dies, Freunde, ist die Lage.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich in dieser Woche schlaflose Nächte haben. Ich halte nicht viel von kollektiv-psychologischen Ansätzen, würde aber vielleicht doch der Mannschaft das Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden zeigen (3:0). Und sie darauf hinweisen, wie gut sie an diesem Abend Fußball gespielt hat. Außerdem würde ich alles Menschenmögliche unternehmen, damit Andre Laurito am Samstag (mit Maske) in der Startaufstellung steht. Und ich würde Simon Brandstetter von Anfang an spielen lassen, auch wenn es vielleicht nur für eine Halbzeit reicht.

Rot-Weiß Erfurt vs. Holstein Kiel 0:0 / Schwer erträglich

Da ich aus beruflichen Gründen momentan keine Zeit finde, 800 bis 1000 Worte halbwegs sinnvoll zu einem Text zu arrangieren, jedoch auf eine Wortmeldung zu RWE nicht völlig verzichten möchte, gibt es ab jetzt eine Kurzanalyse jedes Spiels. Ich habe mir ein paar Kategorien ausgedacht und werde zu jeder einige Sätze schreiben.

Motto des Spiels:

Fußball – dieses Ding aus einer anderen Welt.

Die Aufstellung:

Da Odak verletzungsbedingt ausfiel, kam Kreuzer zu seinem 10. Pflichtspieleinsatz. Ansonsten bot die Startelf keine Überraschungen. Warum auch, die Mannschaft hatte in Wiesbaden eine solide Leistung geboten, die sie gegen akut abstiegsbedrohte Kieler nur bestätigen musste, um den ersten Dreier des Jahres einzufahren. Soweit die Hoffnung vor dem Spiel.

Taktiksplitter:

Was sofort nach Anpfiff auffiel, war, dass die Abwehr nervös wirkte. Die beiden Innenverteidiger wurden einige Male sowohl in der Luft als auch am Boden ausgespielt. Es fehlte Lauritos Lufthoheit. Der Einzige, der halbwegs sicher wirkte, war Czichos, über dessen Seite allerdings nur wenige Angriffe vorgetragen wurden. Kreuzer begann fahrig, wurde aber im Laufe des Spiels sicherer. Trotzdem taten sich über unsere rechte Seite viele Lücken auf, was daran lag, dass Göbel offensiv meist stark in die Mitte rückte und bei Ballverlusten weite Wege hatte, um Kreuzer unterstützen zu können. Das offensive Einrücken von Göbel ist taktisch nachvollziehbar, um so eine weitere Anspielstation im Mittelfeld zu haben. Aber eben auch riskant, wenn die Ballverlustrate so exorbitant hoch ist wie am Freitagabend.

Tunjic ließ sich weniger ins Mittelfeld fallen als in den letzten Spielen. Was auch immer das Ziel dieser Anweisung war – es wurde verfehlt. Beide Stürmer bekamen so gut wie keine brauchbaren Anspiele. Ausnahmslos alle lang geschlagenen Bälle wurden sichere Beute der aufmerksamen Kieler Verteidigung. Vor allem deshalb: keine Torchancen für RWE.

Das Coaching:

Ich fand die Entscheidungen Koglers nachvollziehbar. Bei Möhwalds Einwechslung war natürlich die Frage: Pfingsten oder Baumgarten raus? Kogler entschied sich für das geringere Risiko und beließ den lauf- und defensivstärkeren Baumgarten auf dem Feld. Die frühe Auswechslung Göbels muss man als ein Signal an die Mannschaft werten, dass ihr Trainer mit dem bis dahin Gebotenen nicht einverstanden war. Ich denke, sie hat das auch verstanden, ohne jedoch die Mittel zu besitzen, Entscheidendes verbessern zu können.

Spieler des Tages:

Kevin Möhwald. Schon allein, weil er wieder längere Zeit auf dem Platz stand und zumindest versuchte, dem Spiel der Rot-Weißen Struktur und Ideen zu geben.

Bilanz des Spiels:

Ein fußballerischer Offenbarungseid.

Der Gegner:

Man sah, warum Holstein Kiel da steht, wo sie stehen. Erschreckend, dass sie trotzdem die bessere Mannschaft waren und eigentlich den Sieg verdient gehabt hätten. Prognose: Wenn sie offensiv weiter so schludrig mit ihren Chancen umgehen, wird es eng mit dem Klassenerhalt.

Die Konsequenzen:

Tabellarisch hat sich auf den ersten Blick wenig geändert, es sind weiter relativ beruhigende sieben Punkte nach unten. Nach oben muss man im Moment keinen Blick verschwenden. Selbst der noch mögliche vierte Platz (DFB-Pokal-Teilnahme, 4 Punkte weg) ist mit einer Leistung wie am Freitag eine unerreichbare Fata Morgana.

Kammlotts fünfte Gelbe Karte war völlig überflüssig und ist deshalb verdammt ärgerlich. Er fehlt gegen Elversberg.

Die Öffentlichkeit:

Egal ob Medien, Foren oder soziale Netzwerke. Die öffentliche Resonanz auf das Spiel war katastrophal. Das weckt in mir normalerweise eine Art Beschützerinstinkt gegenüber der Mannschaft. Ebenso diesmal. Doch vorerst ist die Zeit der Kuschelpädagogik auch im Blog vorüber.

Die Aussichten:

Saarland. Elversberg. Abstiegskampfvermeidungsspiel. Dort wartet eine gut organisierte, kampfstarke Mannschaft mit überschaubarem spielerischen Vermögen. Quasi: Holstein Kiel – die Fortsetzung.

Wenn ich der Trainer wäre …

… würde ich über eine Systemveränderung hin zu einem 4-2-3-1 intensiv nachdenken. Es hat keinen Sinn stur an der Zweistürmervariante festzuhalten, wenn beide Stürmer keine verwertbaren Zuspiele aus dem Mittelfeld erhalten, weil es dort an offensiven Anspieloptionen mangelt und am Ende nur lange Verzweiflungsbälle geschlagen werden. Meine erste Wahl für die neu entstehende Position im zentralen offensiven Mittelfeld wäre: Patrick Göbel. Trotz seiner schlechten Leistung am Freitag. Er kann das, glaubt mir.

Wehen Wiesbaden vs. Rot-Weiß Erfurt 1:1

wehen-rweBlechbüchse hin, Wellblechpalast her – wen es fasziniert, ein Fußballspiel aus möglichst großer Nähe zu verfolgen, für den gibt es wahrlich miesere Orte als die Wiesbadener BRITA-Arena.

Walter Koglers Aufstellung bot nicht die geringste Überraschung. Patrick Göbel hatte sich, mit einer guten Vorstellung in Duisburg, erneut in die Startelf gespielt. Der Rest der Mannschaft stellt sich momentan (noch) nahezu von selbst auf. Die Rückkehr Möhwalds auf dem Spielberichtsbogen zeigt an, dass sich dies bald ändern könnte.

Rot-Weiß begann druckvoll und ging mit einer großartigen Kombination nach fünf Minuten folgerichtig in Führung. Wie schon in Duisburg leitete Pfingsten-Reddig das Tor mit einem schönen Pass ein, Drazan bestätigte (nicht nur in dieser Szene) wie wertvoll er bereits jetzt für die Mannschaft ist, und Kammlott tat, wofür man ihn verpflichtet hat und netzte routiniert ein. Die anschließenden 20 Minuten dominierte RWE nach Belieben, was einen (!) Zuschauer auf der Haupttribüne zu einem halblaut vorgetragenen «Kienle raus»-Ruf animierte. Dem mochte sich niemand weiter anschließen, schon gar nicht, als sich das Spiel zusehends in Richtung Erfurter Abwehr drehte. Wiesbaden fand immer besser in die Partie und Vunguidica, Mintzel, Book und Jänicke bewiesen, dass sie eine Defensive zu beschäftigen wissen. Den Ausgleich möchte ich nicht exklusiv unserer Abwehr angelastet sehen. Jänicke kann ohne jeden Druck, wie im Training, präzise flanken, Odak und Laurito stehen dann allerdings natürlich zu weit weg vom Torschützen Mintzel. Die ganz heißen letzten fünf Minuten vor der Pause hatten nicht zuletzt ihre Ursache in der Verletzung Lauritos. Engelhardt rückte zwar sofort in die Innenverteidigung, aber die Zuordnung stimmte vorerst überhaupt nicht, sodass RWE diese Phase nur mit Glück ohne weiteres Gegentor überstand. Nach Wiederanpfiff waren beide Mannschaften bemüht zum Siegtor zu gelangen, allerdings war es ihnen noch wichtiger, nicht als Verlierer den Platz zu verlassen. Alles war unspektakulärer als in Halbzeit eins, es gab deutlich weniger Torchancen und am Ende stand dann eben ein so logisches wie leistungsgerechtes Remis.

Was gab es noch Bemerkenswertes? Engelhardt spielte nach der Pause (wieder einmal) Innenverteidiger und macht seine Sache exzellent. Als hätte er seit der B-Jugend nichts anderes getan. Das ist keineswegs selbstverständlich, weshalb ich es hier gesondert vermerke. Wenn er zentral in der Abwehr spielt, hat das zudem den Vorteil, dass sich einer der beiden Sechser nicht (oder zumindest seltener) für den Spielaufbau nach hinten fallen lassen muss und auf diese Weise eine zusätzliche Anspielstation im Mittelfeld zur Verfügung steht, zumindest theoretisch.

Luka Odaks Defensivleistung war – gegen einen agilen Mintzel und sieht man mal vom Tor ab – in Ordnung. Was mir bei ihm nicht gefällt sind leichte Passfehler in der Vorwärtsbewegung, da agiert er einfach zu hektisch. Er kann das besser, keine Frage, nur wäre es langsam an der Zeit, dies konstant unter Beweis zu stellen.

Sehr gut gefallen hat mir Maik Baumgarten. Bei ihm bin (war) ich mir nie ganz sicher, ob seine Leistungen schon für die dritte Liga genügen. Er wurde in Wiesbaden in einer diffizilen Spielsituation als zentraler Mittelfeldspieler eingewechselt und hat diese Aufgabe defensiv souverän bewältigt. Wach, aggressiv, schnörkellos. Es mangelt ihm auch keineswegs an Spielübersicht bei eigenen Angriffen. Klar, nicht jeder Ball kam zum Mitspieler, aber grobe Fehlabspiele leistete er sich ebenfalls nicht. Für mich einer der Gewinner dieses Spiels.

Womit wir bei unserem Kapitän wären. Zunächst einmal, auch von diesem virtuellen Ort aus, einen herzlichen Glückwunsch zum 200. Drittligaspiel, lieber Nils Pfingsten-Reddig. Ansonsten lädt seine Leistung, wie häufig in den letzten Spielen, zu einer differenzierten Betrachtung ein. Ich hatte schon erwähnt, dass es sein Pass war, der das Führungstor einleitete. In diesem Bereich liegt ganz eindeutig seine größte Stärke – wie kein anderer Akteur unseres Kaders ist er in der Lage «tödliche» Pässe zu spielen. Weniger zufrieden war ich erneut mit seiner Leistung im Defensivverhalten. Hier ist er mir oft zu statisch, zu wenig aggressiv. Vor allem bei Ballverlusten ist es spielentscheidend, dass die zentralen Mittelfeldspieler in der Lage sind, einen Angriff des Gegners zu unterbinden. Sei es mit ihrem Zweikampfverhalten, sei es mit dem Zustellen von Passwegen, sei es mit möglichst geschickten, geringfügigen Fouls. (Was nicht immer gelingt, wie die insgesamt 14 Gelben Karten von Engelhardt und Möhwald beweisen.) In dieser Rubrik seiner Arbeitsplatzbeschreibung ist mir Pfingsten-Reddig zu zögerlich und das sorgt in Folge immer wieder dafür, dass sich die hintere Viererkette massiven Problemen – in Form einer Überzahl von Gegenspielern – gegenübersieht. Deshalb war ich froh, dass Kevin Möhwald wieder im Aufgebot stand und wir im Mittelfeld über Optionen verfügen, die wir überdies wie die Luft zum Atmen benötigen, da Laurito mindestens zwei Spiele ausfallen und Engelhardt seinen Platz in der Abwehr einnehmen wird.

Wir haben wieder nicht gewonnen, ich weiß. Trotzdem kommen mir die Abstiegsunkenrufe etwas deplatziert, um nicht zu sagen hysterisch vor. Die Mannschaft spielt weder wie ein Absteiger, noch verliert sie jedes Spiel. Es ist zugegeben derzeit etwas zäh mit dem Punktekonto, allerdings bin ich optimistisch, dass sich dies bereits am Freitag gegen Holstein Kiel ändern wird.

Einmal abgesehen von der fortgesetzten Sieglosigkeit war das ein sehr angenehmer Ausflug nach Wiesbaden. Nicht zuletzt wegen meines Bloggerkollegen Gunnar, der im stehblog dem SV Wehen Wiesbaden schon lange die Treue hält und uns vor dem Spiel und in der Halbzeit bestens betreute. Vielen Dank!

Schmerzlich: Aykut Öztürk und Okan Derici verlassen Rot-Weiß Erfurt

öztürkIn der Kabine des FC Rot-Weiß Erfurt wird es geräumiger, Aykut Öztürk und Okan Derici haben den Verein in Richtung Türkei verlassen. Ob beide sich langfristig mit dem Wechsel in die Süper Lig einen Gefallen tun, wird die Zeit erweisen; finanziell und kurzfristig steht dies wohl außer Frage.

Ich hege gemischte Gefühle bei beiden Personalien.

Aykut Öztürk: Er hat eine gute Rückrunde im letzten Jahr gespielt und eine noch bessere Hinserie in dieser Saison. Das ist sehr respektabel, noch dazu, wenn man weiß, dass er nicht in der besten körperlichen Verfassung an den Steigerwald kam und sich daran in den ersten Wochen seines Engagements wenig zu ändern schien. Er hat sich dann berappelt. Trotzdem ging mir sein zuweilen übertriebenes Eins-gegen-Eins-Spiel manchmal gegen den Strich, auch wenn er auf diese Weise eine Reihe von Elfmetern herauszuholen in der Lage war. Er hat dieses Talent, mit seiner kurzen Ballführung bei Verteidigern unüberlegte Bewegungen zu provozieren. Kein Problem. Das entsteht erst, wenn aus dem «Herausholen» von Elfern ein «Schinden» derselben wird. Diese Grenze war bei ihm fließend. Trotzdem, natürlich: es wäre besser gewesen, wenn er uns in der Rückrunde zu Verfügung gestanden hätte. Andererseits haben wir mit Christopher Drazan einen nominell sehr interessanten Spieler von Lautern geliehen, der Öztürk schnell vergessen machen kann. Wenn er denn hier funktioniert. Ist das nicht der Fall, haben wir auf der linken Angriffsseite nur wenige Optionen.

Okan Derici: Seinen Verlust bedaure ich sehr, vor allem weil er nie wirklich eine Chance bekam, sein Können unter Beweis zu stellen. Bei dem Kurzeinsatz gegen Dresden und noch viel mehr in der 2. HZ gegen Zwickau hat er mir sehr gut gefallen. Ich weiß, diese Vorbereitungsspiele sind keine Garantie für Drittliga-Tauglichkeit. Allerdings macht uns das verletzungsbedingte Fehlen Möhwalds im zentralen Mittelfeld sehr zu schaffen und gerade Pfingsten-Reddig hat z.B. gegen Münster nicht den Eindruck vermittelt, fußballerisch momentan unersetzbar für die Mannschaft zu sein. Für die nächste Saison ist derzeit nur Engelhardt eine feste Größe auf der 6er-Position, wie und vor allem ob es mit Pfingsten-Reddig und Möhwald weitergeht, steht in den Sternen. Für den Perspektivspieler Derici trifft nicht mal mehr diese Option zu. Leider.

Beiden wünsche ich von Herzen, dass sie in jeder Hinsicht eine gute Zeit in der Türkei haben.

Rot-Weiß Erfurt im November 2013: eine emotionale Achterbahnfahrt

NPRIch muss gestehen, dass ich das Blog betreffend momentan eine kleine Novemberdepression durchleide. Der mitteilbare Neuigkeitswert der letzten Spiele ist gering. Die Mannschaft macht einen gefestigten Eindruck, spielt einen Fußball, den sie beherrscht, und hat die letzten drei Partien ohne Gegentor gewonnen. Das ist fraglos großartig. Die Spiele ähneln einander: Man beginnt mit der klaren Vorgabe ein Gegentor zu vermeiden, defensive Kompaktheit dominiert die Taktik. Je nach Spielentwicklung und Gegner wird dann das Risiko überschaubar erhöht. Faszinierend, dass wir mit dieser Spielweise inzwischen die meisten Tore der Liga erzielt haben. Und ein Indiz dafür, dass Walter Kogler seiner Mannschaft inzwischen diesen Stil sehr gekonnt in die fußballerische DNA gemendelt hat. Allerdings bietet dies, man muss es ja eigentlich gar nicht betonen, keine Gewähr dafür, dass es mit dem Siegen so weiter geht. Siehe die Niederlagen im Oktober, bei denen die Mannschaft kaum schlechter Fußball spielte, allerdings nicht das nötige Spielglück auf ihrer Seite hatte.

Nachrichten aus der Hölle: die Verletzungen von Brandstetter und Möhwald

Kevin Möhwald musste im Spiel gegen Darmstadt nach 20 Minuten verletzt vom Platz. Das sah schon vor Ort übel aus, und leider haben sich die unguten Ahnungen bestätigt. Er wird in diesem Jahr dem Verein nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine erhebliche Schwächung, denn auf der 6er-Position hat sich der Nachwuchsnationalspieler mit dynamischer Spielweise, uneitler Mannschaftsdienlichkeit und technischer Beschlagenheit unentbehrlich gemacht. Für das Spiel gegen Hansa steht vermutlich auch Pfingsten-Reddig nicht zur Verfügung (Virusbefall), sodass entweder Baumgarten mal wieder eine Startelf-Chance bekommt und neben Engelhardt aufläuft, oder, da die Sperre von Czichos abgelaufen ist, dieser in die Innenverteidigung rückt und Kleineheismann ins zentrale defensive Mittelfeld. Da mit Leonhard Haas der beste (und offensivstärkste) zentrale Mittelfeldspieler der Rostocker gegen RWE fehlen wird, könnte Kogler sich für die offensivere Variante mit Baumgarten entscheiden. Andererseits wäre die Doppelsechs mit Engelhardt und Kleineheismann vielleicht das entscheidende Quantum zu viel an defensiver Kompetenz für die ohnehin zu Hause bisher nicht sonderlich offensivstarken Hanseaten.

Fast noch dramatischer liest sich Brandstetters Prognose. Vor allem, weil sich der Eindruck orthopädischer Ratlosigkeit nachgerade aufdrängt. Zwei Operationen, dann Reha, Rückkehr ins Mannschaftstraining, erneute Schmerzen, jetzt wieder Physiotherapie. Keine halbwegs gesicherte Genesungsprognose in Sicht. Man kann Simon Brandstetter schlichtweg nur wünschen, dass sich alles noch zum Guten wendet und er möglichst bald wieder seinem Beruf nachzugehen in der Lage ist. Aus der egoistischen Sicht eines Anhänger des FC Rot-Weiß Erfurt heißt dies vor allem: Wir müssen auf unabsehbare Zeit auf unseren besten Stürmer verzichten. Es ist ohnehin ein kleiner Triumph, dass wir trotzdem die meisten Tore erzielt haben.

Was ist nur in dich gefahren, Nils?

Jeder der hier schon länger ab und an vorbeischaut wird wissen, wie sehr ich den Fußballer Nils Pfingsten-Reddig schätze. Ich halte mir auch zugute, ihn stets gegen – aus meiner Sicht – ungerechtfertigte oder überzogene Kritik verteidigt zu haben. An dem Menschen und Fußballprofi gab es ohnehin nichts auszusetzen. Bis jetzt. Ich kann nachvollziehen, dass es einen Profifußballer ins Mark trifft, wenn er seinen Platz in der Startelf verliert. Geht einem ja beruflich oder privat nicht anders. Was ich nicht ausstehen kann, sind egomane Kaspereien wie der Torjubel unseres Kapitäns nach seinem Elfmetertor am Freitag. Gepaart mit dem per Interview geäußerten Ultimatum an den Verein, ihn entweder spielen oder zur Winterpause gehen zu lassen. Wie Möhwalds Verletzung deutlich macht, benötigen wir auf jeden Fall mehr als zwei überdurchschnittliche Spieler im zentralen Mittelfeld. Sportlich wäre es daher eine grandiose Schwächung, wenn man Pfingsten-Reddig ziehen lassen würde. Es sollte aber sichergestellt sein, dass solche öffentlichen Trotzposen ebenso unterbleiben wie auflagenstark lancierte Unverschämtheiten gegenüber dem eigenen Arbeitgeber. Wenn er das weiter so treibt, soll man ihn gehen lassen. Die ansonsten zu befürchtende permanente Unruhe braucht kein Mensch.

Finanzielle Hiobsbotschaft steht zu erwarten

In einem Artikel der Thüringischen Landeszeitung werden Äußerungen von RWE-Präsident Rolf Rombach zur wirtschaftlichen Situation des Vereins wie folgt wiedergegeben: «Als ‘desaströs’ beschreibt er die vergangene Saison, ohne im Vorfeld schon Einzelheiten nennen zu wollen.» Gemeint ist das Vorfeld der Mitgliederversammlung, die in der nächsten Woche stattfindet. Nun, wir alle wussten bereits, dass RWE sexy aber bettelarm ist. Diese Äußerung von Rombach hört sich allerdings nach Intensivstation an. Aber gut, ich will mich dem Vorbild unseres Präsidenten anschließen und «im Vorfeld» keine weiteren Spekulationen anstellen. Es soll allerdings schon Onkologen gegeben haben, die an Krebs starben. Hoffen wir einfach mal, dass Rot-Weiß Erfurt nicht der erste Verein im deutschen Profifußball sein wird, der vom hauseigenen Insolvenzverwalter in die Insolvenz geführt wird. Ehrlich gesagt mag ich daran nicht wirklich glauben. Es stünde für die berufliche Reputation Rolf Rombachs zu viel auf dem Spiel. Dennoch ist zu befürchten, dass für eventuell notwendige personelle Nachrüstungen in der Winterpause (siehe oben) kein Geld zur Verfügung steht. Beim tabellarischen Stand der Dinge wäre das keine Katastrophe. Womöglich aber eine vertane Chance. Und die sind im Fußball so launisch wie rar. Jedenfalls für einen Klub wie den unseren.

Dortmund II vs. Rot-Weiß Erfurt 0:3 / Göbel&Co rocken den BVB

RWE - YoungstersDer Ballspielverein Borussia Dortmund e.V. eignet eine ruhmreiche Vergangenheit, durchlebt eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Gegenwart und darf – nach allem was man weiß – einer ebensolchen Zukunft entgegen sehen. Über was er allerdings nicht verfügt, ist ein vernünftiger Rasen für die Austragung der Heimspiele seiner Drittligamannschaft. Aber wir wollen die Erregung darüber gar nicht allzu hoch dimmen, denn vermutlich hat von diesen miserablen Platzverhältnissen der samstägliche Gegner des BVB, der FC Rot-Weiß Erfurt, durchaus profitiert. Eine Art höhere Fußball-Ironie. Quittieren wir gerne und mit einem milden Lächeln.

Der BVB begann stark, wurde dem Ruf der Zweitvertretungen gerecht, spielte technisch beschlagenen Fußball, spielte über die Flügel, kam zu einigen Halbchancen und dachte wohl, dies genüge zunächst als Arbeitsnachweis. Errare humanum est, würden die alten Römer und Wilfried Mohren sagen. Nach etwa zehn gespielten Minuten übernahm Erfurt die Hoheit und gab die Spielkonsole bis zum Abpfiff nicht mehr her. Am Ende stand ein ungefährdeter, kühl, kontrolliert und zu Teilen sogar ansehnlich herausgespielter Erfolg für die rot-weißen Farben. Punkt. (Oder richtiger: drei davon.) Ja, Marvin Ducksch war nicht dabei, seines Zeichens der teuerste Spieler der 3. Liga. Er sollte mit den Profis in Wolfsburg siegen, was – wie man inzwischen weiß – auch so ein BVB-Plan war, der in dieser Woche nicht wirklich aufging.

Dortmund versuchte es fortan fast nur noch mit hohen Zuspielen auf den Sturmhirten Balint Bajner, der jedoch bei Laurito und Engelhardt in besten Händen war und deshalb gar nichts ausrichten konnte. Nach der Führung durch Wiegel (Assist: Pfingsten-Reddig) gewann Erfurt Selbstvertrauen und Sicherheit und verwaltete den Vorsprung, ohne dass der geneigte Zuschauer oder -hörer jede Minute einen kleinen Herzkasper erlitt, wie das noch eine Woche zuvor gegen Chemnitz der Fall war, als RWE-Verteidiger vier Mal auf der Linie klären mussten. Dann kam Patrick Göbel und machte den Sack zu. Er schoss das zweite Tor selbst und spielte einen wunderbaren Pass in die Schnittstelle der Dortmunder Abwehrkette, den Nietfeld quer legte und damit Mijo Tunjic ein Angebot unterbreitete, das dieser nicht ablehnen konnte.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Marco Engelhardt, als Innenverteidiger für den gesperrten Kleineheismann aufgeboten, sein bestes Spiel für RWE machte, seitdem er wieder am Steigerwald die Töppen schnürt. Ob das zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Was ich glaube beurteilen zu können, ist der Umstand, dass spielerisch sehr starke Innenverteidiger dem Aufbauspiel jeder Fußballmannschaft gut tun, natürlich auch dem von RWE. Womit ich keinesfalls sagen möchte, dass Kleineheismann Schwächen in dieser Disziplin hat – eher ist das Gegenteil der Fall. Aber Engelhardt ist in dieser Hinsicht natürlich noch mal eine andere Nummer. Mit Pfingsten-Reddig und Möhwald im zentralen Mittelfeld hat Erfurt alle drei Spiele gewonnen, eine durchaus bemerkenswerte Statistik. Das ist jetzt kein Plädoyer, diese Konstellation gegen Dortmund in jedem weiteren Spiel aufs Neue zu erproben. Es soll nur zeigen, dass Kogler eine Situation zu nutzen weiß, die er selbst mitgeschaffen hat: Obwohl Kleineheismann, Czichos und Möckel nicht aufgeboten werden können (mithin drei der vier Spieler die bisher in der IV standen), ist er in der Lage mit Engelhardt einen weiteren Akteur in die Startelf zu stellen, der ohne jeden Substanzverlust diese Position zu spielen weiß. Und auf dessen eigentlicher Planstelle im zentralen Mittelfeld agiert dann mit Pfingsten und Möhwald ein äußerst spielstarkes Duo. Diese Variabilität ist über das Resultat vom Samstag hinaus eine äußerst erfreuliche Botschaft für jeden Anhänger der Rot-Weißen.

Patrick Göbel. Ich muss gestehen, ich hatte meine Zweifel, ob sich der kleine offensive Mittelfeldspieler mit dem sensationellen rechten Fuß bei den Profis würde durchsetzen können. Aber gerade bei ihm macht sich eine weitere Personalentscheidung der sportlichen Leitung peu à peu bezahlt. Es ist sicherlich für die jungen Spieler von großem Wert, dass mit Christian Preußer ein Ko-Trainer installiert wurde, der sie seit Jahren kennt und der sich im Umgang mit ihnen stets für Vertrauen und Geduld ausspricht. Das zahlen Klewin, Möhwald, Nietfeld, Göbel, Baumgarten und Stolze jetzt mit harter Währung in Form von guten Leistungen zurück.

Man kann überhaupt nicht genug würdigen, wie großartig das ist.

Jahn Regensburg vs. Rot-Weiß Erfurt 3:1 / Ein gebrauchter Tag

Kogler & PreußerSuch a perfect day sang der große Lou Reed, von dessen viel zu frühem Tod wir gestern erfahren mussten. Nun, von einem perfekten Tag war der FC Rot-Weiß Erfurt am vergangenen Samstag in Regensburg mehr als nur meilenweit entfernt. Dies betrifft sowohl die gezeigte Leistung der Mannschaft, als auch das Resultat – denn obwohl die Rot-Weißen bereits sehr viel bessere Spiele in dieser Saison zeigten, war die Niederlage unglücklich.

Kogler war erneut gezwungen, kurzfristig umzustellen. Philipp Klewin hatte sich im Training verletzt. Für ihn kam Jeff Kornetzky zu seinem Debüt im Erfurter Tor. Und machte seine Sache – trotz der drei Gegentore, bei denen er nichts ausrichten konnte – ausgezeichnet. Pfingsten-Reddig saß wegen Trainingsrückstandes weiterhin nur auf der Bank. Im Angriff bot Kogler, neben Tunjic, Jonas Niefeld auf, auch für ihn war es ein Novum, in einem Meisterschaftsspiel in der Startelf zu stehen.

Die Geschichte des Spieles ist schnell erzählt: RWE startetet gut, kam zu Chancen, nutzte diese nicht und hatte Glück, dass Regensburg seinerseits drei prima Möglichkeiten vergab, bzw. diese von Kornetzky erstklassig vereitelt wurden. In der Pause musste Kleineheismann verletzungsbedingt vom Platz, kurz nach der Pause stimmte die Zuordnung der Viererkette überhaupt nicht und der Jahn ging in Führung. Wie schon in Halbzeit eins war RWE feldüberlegen, konnte sich aber keine wirklichen Tormöglichkeiten erarbeiten (mit der Ausnahme von Wiegels Chance in der 69. Minute). Etwas glücklich fiel der Ausgleich durch Nietfeld. Dabei wäre es vermutlich geblieben, wenn Laurito kurz vor dem Ende nicht etwas ungelenk in Amachaibou rutscht. Keinen Vorwurf an Laurito – hier gilt die ewige Fußballwahrheit: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Aber ein Foul war das schon. Es kann keine Rede davon sein, dass er ihn nicht getroffen hat. Den pfeifen neun von zehn Schiedsrichtern und der Zehnte sollte mal bei Fielmann vorbeischauen.

Interessanter als das alles, ist die Frage nach den Gründen für den neuerlichen Spielverlust. Ich denke, dass alle Mannschaftsteile ihren Anteil an dieser Niederlage hatten. Für die Abwehrkette ist eine Umstellung während eines Spiels immer problematisch, deshalb wechseln Trainer in diesem Bereich selten ohne Not. Die war aber gegeben, weil sich Kleineheismann – ohnehin einer der stabilsten Spieler in den letzten Wochen – verletzte. Ich würde schon sagen, dass diese Änderung, und die daraus resultierende mangelnde Abstimmung ursächlich für den Führungstreffer von Regensburg war. Gegentor zwei und drei waren dann eher Pech (Laurito) oder dem kompletten Vorwärtsdrang der Mannschaft geschuldet, die in der knappen verbleibenden Zeit noch den Ausgleich erzielen wollte.

Nach allem, was ich sah, hörte und las, haben sowohl Möhwald als auch Engelhardt ein sehr passables Spiel abgeliefert. Trotzdem: in einem 4-4-2 kommt den beiden Sechsern defensiv wie offensiv entscheidende Bedeutung zu. Sie müssen die Mannschaft organisieren, den größten läuferischen Aufwand betreiben, den Gegner am Spielaufbau hindern und für Kreativität nach vorne sorgen. Eine fußballerische Herkulesaufgabe. Mir gefällt die personelle Mischung aus Möhwald und Engelhardt eigentlich sehr gut. Beide haben keine offensichtliche Schwäche. Möhwald weist eine hohe Dynamik nach vorne auf, Engelhardt hat große defensiv-taktische Fähigkeiten. Alle zwei ordnen ihr Spiel immer dem Erfolg der Mannschaft unter. Was beide allerdings nicht im gleichen Umfang wie Pfingsten-Reddig beherrschen, ist dessen Vermögen, sogenannte «tödliche» Pässe in freie offensive Räume zu spielen. Bei zwei Stürmern ist das, wenn die sich intelligent bewegen, öfter eine Option. Das soll jetzt kein Plädoyer für die Rückkehr von Pfingsten-Reddig ins zentrale Mittelfeld sein; es soll nur deutlich machen, dass Trainer Entscheidungen treffen und dass diese Entscheidungen selten alle Vorteile miteinander verbinden.

Nietfeld und Tunjic sind zwei recht ähnliche Stürmertypen. Beide haben im Strafraum ihre größten Stärken. Trotzdem klappte das Zusammenspiel in der 1. Halbzeit ganz passabel, ohne dass es die Qualität aufwies, die der Angriff des RWE mit einem gesunden Simon Brandstetter vorzuweisen hat. Wenn Kogler beim 4-4-2 bleibt, dann sollten diese Konstellation eine zweite Chance gegen Chemnitz erhalten. Aykut Öztürks Leistung ist für mich schwierig zu beurteilen, aber ich habe mich über die eine Szene, als er einen Elfmeter herausholen will, sehr geärgert. Hier wäre der konsequente Abschluss viel sinnvoller, oder mehr noch: geboten gewesen.

Der RWE hat gegenwärtig nicht nur eine Ergebniskrise. Dies zu behaupten, hieße sich die Leistung der Mannschaft schön zu reden. Ebenso falsch wäre es allerdings, gleich wieder die Apokalypse auszurufen. Alle drei Spiele wurden knapp verloren. Es war zudem recht offensichtlich, warum die Spiele verloren gingen. Neben Dingen, die man trainieren und unter der Woche verbessern kann – wie formative Kompaktheit, Verbesserung des Umkehrspiels, Laufwege, etc. – waren für die Niederlagen individuelle Fehlleistungen, Leichtfertigkeiten und Unkonzentriertheiten maßgeblich. Faktoren, auf die ein Trainer nur bedingt Einfluss nehmen kann.

Deshalb sehe ich in erster Linie die Mannschaft in der Pflicht, unabhängig von ihrer personellen Aufstellung und taktischen Ausrichtung. Wenn es endlich wieder gelingt, die Fehlerquote nach unten zu korrigieren, wird der FC Rot-Weiß Erfurt auch wieder Fußballspiele gewinnen.