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VfL Osnabrück – Rot-Weiß Erfurt 2:3 / Der Trend is our Friend

Alles schien wie immer zu sein, wenn der RWE in Osnabrück zu Gast ist: Die (Bremer) Brücke sehen … und sterben. Emmerlings Aufstellung hatte ich so nicht erwartet, denn immerhin ließ er mit Oumari einen der begabtesten Innenverteidiger der Liga auf der Bank. Never change a winning team, ich weiß – und denke dann stets: es sei denn, du kannst es verstärken. Zu Beginn und auch mit dem 1:0 schien der Kritikaster in mir Recht zu behalten, denn viele Osnabrücker Angriffe liefen über unsere rechte Abwehrseite – auf der Ofosu-Ayeh von Wollitz und mir als Schwachstelle ausgemacht worden war. Jedoch, ich kann auf Grund des spärlichen Bildmaterials nicht seriös behaupten, dass unser Rechtsverteidiger die Hauptschuld am Führungstor der Osnabrücker trägt. Fakt ist, es wurde über seine Abwehrseite vorbereitet. Das 2:0 war dann eines dieser Tore, die geeignet sind, dem Faktor Zufall im Fußball die Referenz zu erweisen. Niemand trägt daran wirklich schuld und lernen kann man aus so etwas ebenfalls rein gar nichts. Shit happens. Trotzdem – zur Halbzeit schienen alle Messen gesungen.

Zweite Halbzeit, zweite Überraschung: Emmerling wechselte nicht. Noch in Unterhaching hatte er mit der Hereinnahme Mannos und einer deutlich offensiveren Taktik die Wende erzwungen. Der Unterschied: in Unterhaching war die Leistung der Mannschaft in Halbzeit eins desolat, in Osnabrück war sie dem Gegner zumindest spielerisch ebenbürtig. Was fehlte war die Konsequenz vor dem Tor, dem eigenen und dem des Gegners. Kein Grund gleich alles zu riskieren fand unser Trainer und vertraute darauf, dass die Mannschaft in der Lage sein würde dieses Spiel zumindest noch zu egalisieren. Das sind sehr einsame Entscheidungen eines Coaches. Denn wäre das Spiel verloren gegangen, jeder (einschließlich mir) hätte ihm Passivität vorgeworfen. Aber er tat das Richtige, vertraute seinen Spielern und die enttäuschten ihn nicht. Zwei wunderbar herauskombinierten Toren zum Ausgleich, folgte fünf Minuten vor dem Ende ein Elfmeterpfiff, von dem man sagen muss: wäre er ausgeblieben, es hätte sich niemand wirklich beschwert. Nils Pfingsten-Reddig hat als Fußballer (und sicher auch sonst) viele gute Eigenschaften. Eine davon heißt Verlässlichkeit. Sie sorgt dafür, dass man als Leser des Live-Tickers eines RWE-Spiels recht entspannt auf die nächste Nachricht warten kann, wenn die aktuelle lautet: Elfmeter für Erfurt! Auch dieses Mal ließ er dem Keeper keine Chance. Der Rest war Routine.

In druckreifen Worten beschrieb schließlich der Ticker des VfL die Bilanz der Begegnung: Erfurt wirkte über weite Strecken spritziger und eingespielter, vor allem technisch besser und sicherer in den Bewegungsabläufen, was Ballan- und mitnahme mit Tempo angeht. Chapeau nach Osnabrück – für soviel redliche Objektivität nach einer bitteren Niederlage der eigenen Mannschaft.

So denn gespielt werden kann, empfangen wir am Samstag zum – hoho – Spitzenspiel den VfR Aalen. Die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl hatte vor der Saison niemand auf der Rechnung, jedenfalls nicht was den Aufstieg in die zweite Liga anging. Nach fünf Siegen in Folge und dem Erreichen der Tabellenführung hat sich das mittlerweile grundlegend geändert. Dennoch bin ich optimistisch (was auch sonst): Aalen hat eine sehr starke Mannschaft, aber nicht die Klasse und Dominanz von Eintracht Braunschweig im letzen Jahr (gegen die der RWE zu Hause trotzdem gewann). Außerdem wird der VfR im Steigerwaldstadion mitspielen (sprich: gewinnen) wollen und diese taktische Konstellation kommt uns sehr viel mehr entgegen als ein tief stehender Gegner, der seinen Erfolg ausschließlich über Konter sucht.

Jeder ist in der Lage die Tabelle zu lesen: gewinnt der RWE sind wir bis auf vier Punkte an Aalen heran und es bestünde zudem die Möglichkeit den Spieltag auf Platz 3 zu beenden. In einer Spielzeit, die man schon ein paar Mal in die Tonne zu treten geneigt war, wäre das nicht die erste Auferstehung aller rot-weißen Hoffnungen. Wegen mir kann Ostern kommen.

Bildquelle: ©getty