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OFC vs. RWE 0:1 / Smells Like Team Spirit

Er war an vier von fünf gefährlichen Offensivaktionen des RWE beteiligt und schoss das entscheidende Tor zum Auswärtssieg in Offenbach. Außerdem sollte nicht unterschlagen werden, dass er über die ganze Spielzeit hinweg unentwegt nach hinten gearbeitet hat. Die Rede ist natürlich von Mijo Tunjic, dem – auch hier – viel Kritisierten. Stürmer vom Typ des Niederländers (eher dynamisch-kraftvoll als technisch-filigran) und ich, werden in diesem Leben keine ziemlich besten Freunde mehr. Sei’s drum – er hat am Samstag auf dem Bieberer Berg ein gutes Spiel gemacht und dafür soll ihm die gebührende Anerkennung zuteil werden.

Es war zu jedem Zeitpunkt ein äußerst enges Spiel. Der RWE hätte es ebenso gut verlieren können, genauso wie wir das Spiel gegen Saarbrücken eine Woche zuvor hätten gewinnen können. Es hängt von Kleinigkeiten ab, auf die man nur zu einem gewissen Teil Einfluss hat. Alois Schwartz hatte das Seine an Einfluss geltend gemacht. Oumari rückte erneut ins defensive Mittelfeld und erledigte seinen Job dort fehlerfrei. Sobald der RWE sehr tief steht, fungiert er als zusätzlicher Verteidiger, ansonsten sichert er Engelhardt, vor allem aber Pfingsten-Reddig, ab. Letzterem gab dies die notwendige Freiheit, um sich, wenn die Gelegenheit es zuließ, in vorderster Linie in die Angriffe einschalten zu können. Das sollte von spielentscheidender Bedeutung sein. Genau daran mangelte es eine Woche zuvor, als Baumgarten auf der Oumari-Position keine Stabilität in seine Aktionen bekam und somit auch Pfingstens offensiver Drang beschränkt bleiben musste.

In der ersten Halbzeit verbissen sich beide Kontrahenten fest ineinander. Wie bei zwei griechisch-römischen Ringkämpfern wurde um minimalste Vorteile gerungen. Ästhetisch weiß Gott kein Vergnügen. Die realtaktische Analyse zeigt, dass der RWE Vorteile auf der rechten Seite hatte. Möhwald und Ofosu-Ayeh waren defensiv kaum gefordert, ihre Angriffsbemühungen (zuweilen unterstützt vom herbeieilenden Öztürk) scheiterten aber an Ungenauigkeiten im Passspiel. Außerdem haben beide Spieler die Tendenz Flügelangriffe nicht konsequent zu Ende zu spielen, weil sie in Höhe des Strafraums oft in die Mitte des Feldes ziehen. Die Kickers machten Druck auf unsere linke Abwehrseite, scheiterten jedoch gleichfalls an ihrer mangelhaften Passqualität. Durch die Spielfeldmitte lief offensiv für beide Teams nichts zusammen. Mit einer Ausnahme: Tunjic setzte sich einmal zentral sehr schön durch. Leider hatte kein RWE-Mittelfeldspieler diese Möglichkeit antizipiert, sodass unser Stürmer völlig auf sich allein gestellt war und aus spitzem Winkel einen wenig aussichtsreichen Schussversuch unternehmen musste. Gefährliche Offensivaktionen des OFC gab es keine.

Das Spiel setzte sich in der 2. Halbzeit unverändert fort, nur dass der OFC jetzt mehr riskierte. Was sein Verderben werden sollte. Nach einem Ballverlust der Offenbacher im Mittelfeld bereitete Pfingsten-Reddig erst die Führung für den RWE vor, dann verpasste Tunjic die Vorentscheidung, als er die nächste perfekte Hereingabe des Erfurter Kapitäns an die Latte knallte. Die beiden Zuspiele von Pfingsten-Reddig sollte man sich im Taktikseminar des RWE mehrmals sehr intensiv anschauen. Erstens zeigen sie nämlich, dass es sich lohnt, konsequent die Außenbahnen zu besetzen. Zweitens machen sie deutlich, wie man Mijo Tunjic anspielen muss, damit er seine Stärken einsetzen kann. Keine halbgewalkten, halbhohen, halbgenauen Anspiele in die Spitze, sondern gut temperierte Flanken von den Außenbahnen.

Den Rest des Spieles verteidigte der RWE die Führung mittels einer mannschaftlich löblich geschlossenen und kämpferisch vorbildlichen Einstellung. Wobei dem OFC herzlich wenig einfiel, um das von Sponsel fehlerfrei gehütete Erfurter Tor erfolgverprechend zu belagern. Spielerisch eigentlich gar nichts, um genau zu sein; nur bei Standards musste gezittert werden.

Das Spiel gegen unsere trickreichen Freunde aus Aachen ist unterdessen erneut abgesagt.  Abgesagt ist auch meine Hoffnung, dass es jemals wieder Temperaturen über zehn Grad in unserem Teil der Welt geben wird. Irgendetwas scheine ich – tumber Tor, der ich bin – an den Prognosen der Genies des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung grundsätzlich falsch verstanden zu haben. Egal. Am Samstag kommt der Ligaprimus aus Karlsruhe und ich hoffe einfach darauf, dass es dem KSC ebenso ergeht, wie (fast) allen anderen Mannschaften die in letzter Zeit ins Steigerwaldstadion als Spitzenreiter kamen: Nämlich, dass die Badener ohne Punkte die lange Heimreise antreten müssen.

Mit dieser schönen Verheißung zittere ich mich durch den Rest der Woche.

OFC vs. RWE 2:0 / Vom Bieberer Berg gefallen

Sie gaben alles – die Mannschaft auch? / © www.fototifosi.de

Um dieses Mal nicht auf ein paar Minuten Spielbericht des mdr angewiesen zu sein, hatte ich mich zum sonntäglichen Groundhopping nach Offenbach entschlossen. Außerdem hoffte ich natürlich einen Sieg des RWE erleben zu können, der – nach dem Chemnitzer Remis am Vortag – gleichbedeutend mit einer Renaissance der Hoffnungen auf den Relegationsplatz gewesen wäre. Ich armer Irrer.

Naja, jedenfalls mal wieder auf dem Bieberer Berg gewesen. Und – obwohl es sich quasi um ein neues Stadion handelt – durchaus nicht fremd gefühlt. Es mag im Detail viele Kritikpunkte an der modern gewandeten Spielstätte des OFC geben, doch allein diese imposante Stehplatztribüne, die sich über die komplette Gegengerade erstreckt, bewahrt ein schönes Stück Fußballtradition. Gar nicht so einfach. Auch die mächtige, nun fast fertige Südosttribüne sieht wie ein renoviertes Abbild der alten aus.

Hohes taktisches Risiko

Wie ein Abbild der letzten Auswärtsauftritte präsentierte sich leider auch der RWE. Obwohl es Emmerling mit einer (bei den Spielen des RWE) selten zu sehenden taktischen Variante versuchte. Die Abwehrkette (rekrutiert aus Ofosu, Rauw, Engelhardt und Caillas) hatte offensichtlich die Anweisung sehr hoch, sprich weit entfernt vom eigenen Tor, zu agieren. Wie jeder weiß, ein weitverbreitetes Mittel aus dem Arsenal moderner Fußballtaktiken. Wenn Jens Lehmann ein Spiel bei Sky co-kommentiert, lobt er jede Mannschaft, die so verteidigt. Man verspricht sich davon die Verdichtung der Räume im zentralen Mittelfeld, gegnerische Kombinationen sollen bereits dort unterbunden werden. Der größte Vorteil liegt jedoch im Umkehrspiel. Werden Bälle bereits im Mittelfeld erobert (und diese Wahrscheinlichkeit steigt, wenn Abwehr- und Mittelfeldkette hoch stehen), ist die zu überbrückende Distanz zum Tor des Gegners geringer. Es ist mithin eine aggressive, offensiv orientierte Art des Spiels. Nach den letzten, mutlosen Auswärtsspielen sicherlich auch ein Zeichen an die Mannschaft: Jungs, hört die Signale! Aber es will beherrscht sein, denn es birgt enorme Risiken. Gelingt der angreifenden Mannschaft kontrollierter Ballbesitz und wird der ballführende Spieler nicht unter Druck gesetzt, sind Bälle in die Schnittstellen der Viererkette oder hinter die Abwehr, ein ungemein effektives Mittel um eine hoch stehende Verteidigung sehr alt aussehen zu lassen. Günter Grass, nichts dagegen.

Deshalb ist ein funktionierendes Pressing die Grundvoraussetzung für aufgerückte Abwehrformationen. Wenn ich mir nicht sicher bin, dass mein Pressing funktioniert, sollte ich es lieber bleiben lassen. Sonst verliere ich das Spiel. Doch grau ist alle Theorie. Schmerzhaft konkret wird es dann, wenn man sich den Offenbacher Führungstreffer anschaut, der genau dieses Dilemma vor Augen führt: kein Pressing, ein gut in den Rücken der Abwehr geschlagener Ball. Andreas Sponsel kann nur verlieren: Bleibt er stehen hat er ein Problem, geht er raus und bekommt den Ball nicht, hat er ein noch viel größeres Problem.

Eine hässliche alte Bekannte ist wieder da: die Auswärtsschwäche

Gegen eng am Mann stehende Offenbacher konnten sich die Erfurter Aufbau- und Offensivspieler selten bis nie am Ball behaupten. Kombinationen über mehr als zwei oder drei Stationen fanden kaum statt. Eklatante technische Unfertigkeiten (Weidlich, Zedi), hektische Aktionen (Ofosu-Ayeh), oder eben gute Abwehrarbeit des OFC (Pfingsten, Reichwein, Morabit) verhinderten Angriffe bereits in ihrer Entstehung. Allein auf der linken Seite gelang es Drexler und Caillas zweimal, sich zur Offenbacher Grundlinie vorzuarbeiten. Die Flanken nach innen fanden jedoch keinen Abnehmer.

Die Aufstellung von Emmerling war – nach Bertrams Ausfall – kurzfristig improvisiert. Ein zusätzliches Manko. Natürlich war ich ob Engelhardts erneuter Positionierung in der Zentrale der Viererkette überrascht. Mit Oumari stand ja noch ein ein gelernter Innenverteidiger zur Verfügung. Unser Trainer hatte sicherlich seine Gründe für diese Entscheidung. Das Problem bestand auch eher darin, dass Engelhardt im Mittelfeld als zusätzliche Relaisstation fehlte. Pfingsten-Reddig wurde aggressiv bearbeitet (überdies spielte er nicht gut) und Zedi hatte für seine technischen Möglichkeiten schlichtweg zu wenig Raum. Die von Emmerling während der zweiten Halbzeit vorgenommenen Wechsel und Positionsverschiebungen – bis hin zur Auflösung der Viererkette – änderten an den Grundübeln des Erfurter Spiels nichts Substanzielles: Hektik, mangelhafte Ballmitnahme, hohe Fehlpassquote. Der RWE hatte zwar mehr Spielanteile, was allerdings in erster Linie der nun auf Konter ausgerichteten Spielanlage des OFC geschuldet war.

Was sich in den drei vorhergehenden Spielen auf fremdem Platz bereits abzeichnete, muss man nun als Tatsache akzeptieren: zur Unzeit ist die altbekannte RWE-Auswärtsschwäche auferstanden. Ein gnadenloser Zombie. Mit dieser Niederlage sind wohl endgültig alle höheren Ziele – einschließlich des zum DFB-Pokal berechtigenden vierten Platzes – unerreichbar. Das ist, zurückhaltend und jugendfrei formuliert, ernüchternd. Jetzt kann es nur noch darum gehen, die Saison vernünftig zu Ende zu spielen. Vor allem in den beiden verbliebenen Heimspielen kann die Mannschaft unter Beweis stellen, dass sie besseren Fußball zu spielen versteht, als sie dies in Offenbach zeigen konnte.