Wacker Burghausen vs. FC Rot-Weiß Erfurt 1:1

Kogler & Preusser

Ihr Improvisationtalent ist gefragt: Kogler und Preusser

Die mäßig originelle Überschrift «Wacker geschlagen» werde ich in diesem Bloggerleben wohl nicht mehr verwenden können. Wieder kein Sieg der Rot-Weißen gegen die Oberbayern. Dass es wenigstens zu einem Punkt reichte, haben wir Philipp Klewin zu verdanken, der für seine Leistung vom Kicker-Sportmagazin völlig zu Recht zum Spieler des Spieltags erkoren wurde.

Dabei begann es halbwegs passabel. Ein Adjektiv, das ich schon zu nutzen bereit bin, wenn die Mannschaft in der Anfangsviertelstunde nicht in Rückstand gerät. Bei 7 von 9 Saisonniederlagen war dies der Fall. Aber Anfangs-Lethargie war am Samstag nicht das Problem. In den ersten 25 Minuten wurde wach und konzentriert verteidigt, Burghausen konnte das Selbstbewusstsein des Sieges in Leipzig nicht unmittelbar in Torgefahr umsetzen. Leider waren in der Offensive der Erfurter keine gravierenden Fortschritte im Vergleich zum Spiel gegen Münster erkennbar. Jedenfalls nicht hinsichtlich herausgespielter Torchancen. Die Spielanlage war in Ordnung. Beide zentralen Mittelfeldspieler (Engelhardt und Pfingsten-Reddig) gingen bei eigenem Ballbesitz konsequent mit nach vorn; die offensiven Außen (vor allem Göbel) rückten situativ ins Zentrum ein, um auf diese Weise zusätzlich Passoptionen in Strafraumnähe zu bieten. Auch die beiden Stürmer bewegten sich viel, wobei vor allem Kammlott öfter einen Innenverteidiger auf die Außenposition lockte, um die nötige Breite der Angriffe zu erwirken. Diese Fluidität sollte Unruhe in der Defensive von Burghausen stiften, was aber nur in homöopathischen Dosen gelang. Also eigentlich gar nicht. Wie bei allen offensivtaktischen Plänen im Fußball ist alles Makulatur, wenn die Passqualität des Vertikalspiels mangelhaft ist. Und das war – mit Ausnahme des Tores – über die gesamte Spieldauer hinweg der Fall. Und hier landen wir wieder beim zentralen Mittelfeld. Ungefähr nach 25 Minuten gab es kurz nacheinander zwei Szenen, die ich als typisch für das gegenwärtige Angriffspiel der RWE erachte: einen Fehlpass von Pfingsten auf Göbel in zentraler Position und danach einen von Engelhardt, auf den am Flügel startenden Kammlott. Beides waren keine völlig verunglückten, gravierenden Fehlabspiele. Es fehlten die berühmten Zentimeter. Die benötigt es aber, um gegen gut organisierte Defensiven überhaupt aussichtsreich vors gegnerische Tor zu kommen.

Das machte Burghausen zunehmend besser. Die Angriffe von Wacker gewannen an Präzision, welche man für geschickte Spielverlagerungen nutzte, bei denen die Abwehr des RWE von einer Verlegenheit in die nächste taumelte. Um das Führungstor herum hatte Burghausen hochkarätige Gelegenheiten, die allesamt von Klewin großartig abgewehrt zernichtet wurden. Sein Marktwert hat sich seit Saisonbeginn mehr als verdreifacht, was durchaus als ein Indiz für seine sportliche Entwicklung (und ihre Außenwirkung) gelten kann. Im Interview nach dem Spiel zeugten seine forschen (und überdies völlig korrekten) Äußerungen zum mangelhaften Offensivspiel seiner Vorderleute davon, dass er auch neben dem Platz an Selbstbewusstsein zugelegt hat.

Eine gelungene Angriffsaktion des RWE kann der Nachwelt dann doch überliefert werden. Der letztlich von Kammlott finalisierte Konter war genial gespielt, besser kann man das nicht machen. Kreuzer fängt einen Ball ab, der über Pfingsten, Göbel und wieder Pfingsten vom energisch durchlaufenden Mittelstürmer zum überraschenden Ausgleich mitten ins Herz aller Burghauser Hoffnungen versenkt wurde. Ein schönes Tor kann freilich nicht über die weitgehende Tristesse des ansonsten Gebotenen hinweg täuschen.

Mit 1:1 ging es in die Pause. Über Halbzeit zwei gibt es nichts Nennenswertes zu erzählen, außer dass Klewin noch zwei weitere Großchancen vereitelte und Pfingsten-Reddig mit einen Distanzschuss das Tor nur knapp verfehlte. Ein glücklicher Punktgewinn des FC Rot-Weiß Erfurt.

Die Kritik an der Spielweise der Mannschaft war schon nach dem Spiel gegen Münster unüberhörbar und naturgemäß ist sie nach dem Remis in Burghausen nicht leiser geworden. Ich kritisiere hier auch vieles, was sich mir während eines Spiels als mangelhaft darstellt. Die einen stimmen zu, andere halten mich für einen dilettantischen Narren. So what! Was mich an mancher Kritik sehr anfasst, ist der aggressiv-fordernde Sound, mit dem sie zuweilen vorgetragen wird. Das hat die Mannschaft nicht verdient. Sie hat in einigen Spielen der Vorrunde am Optimum dessen agiert, was sie zu leisten vermag. Daraus Ansprüche auf Kontinuität abzuleiten, halte ich für verständlich, aber vermessen. Es gelingt ihr oft nicht, sich gegen gut geordnete Defensiven Torchancen zu erarbeiten? Stimmt, dieses chronische Defizit teilt sie jedoch mit so gut wie allen anderen Mannschaften dieser Liga, Heidenheim mal ausgenommen. Es werden aus der Abwehr zu viele lange Bälle nach vorn geschlagen? Stimmt auch. Nur, dass das auf die jeweiligen Gegner meist ebenfalls zutrifft. Quasi alle defensivtaktischen Folterinstrumente der Fußballgegenwart sind exakt auf dieses Ziel hin konzipiert: jeden konstruktiven gegnerischen Spielaufbau unterbinden und nur die Option lang nach vorn geschlagener Bälle übrig lassen. Von der Bundes- bis hinab zu Oberliga. Wenn’s reicht.

Ich kann die Enttäuschung gut verstehen, dass wir an den letzten Spieltagen nicht näher an die Aufstiegsplätze herangekommen sind. Ich teile sie sogar. Nüchtern betrachtet muss man jedoch konstatieren: die Mannschaft ist weiterhin im Soll. Leistungsschwankungen eingeschlossen. Ich kann nicht in einem Satz das Nachwuchskonzept des Vereins feiern, um im nächsten zu kritisieren, dass diese junge Mannschaft nicht unentwegt alle Gegner aus den Schuhen kickt.

Last but not least ein Grußwort an die Mitglieder jener Bruderschaft, die die Beleidigungen gegen Carsten Kammlott zu verantworten haben: Tiefer kann man nicht sinken. Sollte man meinen. In Eurem Fall jedoch bin ich optimistisch: Ihr schafft das locker!

FC Rot-Weiß Erfurt vs. SC Preußen Münster 0:0

engelhardt_01-2014Wir müssen nicht drum herum reden. Die ersten 30 Minuten des FC RWE im Spiel gegen Preußen Münster waren eine Zumutung. Was nicht an der sibirischen Kälte lag. Schwer zu sagen, welches die Gründe für den erneuten Fehlstart waren. Fehlende Wachheit möchte man bei Temperaturen von minus 6 Grad eigentlich ausschließen. Trotzdem sollte über die kollektive Verabreichung doppelter Espresso unmittelbar vor Anpfiff nachgedacht werden. Ich vermute allerdings, dass die Mannschaft vor allem dann Probleme bekommt, wenn ein Gegner (gerade auch im Steigerwaldstadion) nicht abwartend, sondern aggressiv beginnt. Wie die Stuttgarter Kickers und wie gestern die Preußen aus Münster. Nur mit Glück überstanden die Rot-Weißen diese Phase ohne Gegentor. Wäre der RWE zum neunten Mal in der Anfangsviertelstunde in Rückstand geraten, hätten wir – jedenfalls rein statistisch – alle Hoffnungen fahren lassen können.

Für diese halbe Stunde erübrigt sich eine Einzelkritik, alle spielten unter ihrem Niveau. Wenig hilfreich, dass ein Routinier wie Pfingsten-Reddig in dieser Phase vor allem durch eklatante Fehlabspiele und dürftiges Zweikampfverhalten auffiel.

Es gab einige spannende Fragen die Startformation betreffend: Kammlott oder Nietfeld neben Tunjic im Angriff? – Und, wer spielt auf den defensiven Außenpositionen? Hier waren nach den Vorbereitungsspielen noch drei Spieler in der Verlosung: Odak, Baumgarten, Serrek. Im Sturm entschied sich Kogler für Kammlott, eine richtige Entscheidung wie der Verlauf des Spiels zeigen sollte. In die Abwehr stellte der RWE-Coach Serrek auf die linke und Odak (wie gehabt) auf die rechte Seite der Viererkette.

Nach Ablauf dieser fürchterlichen 30 Minuten gelang es dem RWE, das eigene Spiel zu stabilisieren. Die Viertelstunde vor der Pause war dann das Beste, was wir an diesem Nachmittag zu sehen bekommen sollten.

Eine kurze Kritik der Mannschaftsteile. Abwehr: Klewin hat sich bisher jedes Lob verdient, das er bekam, aber in diesem Spiel war er in der Strafraumbeherrschung schlichtweg schlecht und hatte unübersehbare Probleme beim Herauslaufen. Dazu gab es eine interessante Szene in Halbzeit zwei. Bad Cop Engelhardt faltet ihn zusammen, weil er bei einer Flanke nicht herauskam, Good Cop Laurito tätschelte ihm beschwichtigend den Hinterkopf. Psychologisch raffinierte Aufgabenverteilung der Routiniers.

Odak solider als zuletzt, mit reichlich Luft nach oben, was die Qualität seiner Flanken betrifft. Die große Überraschung war Serrek, der so offensiv auftrat wie lange kein Außenverteidiger im Trikot von RWE. Was daran liegen könnte, dass er eigentlich kein Außenverteidiger, sondern gelernter Mittelfeldspieler ist. Nach vorne sah das gut aus, war allerdings bei Ballverlusten recht riskant, da die Abstimmung mit Strangl (und später mit Drazan) zu wünschen übrig ließ. (Was allerdings eher den Mittelfeldspielern anzulasten ist.) Philipp Serrek ist zweifellos eine Bereicherung des Kaders: technisch gut, kopfball- und passstark. Stellungsspiel und taktische Abstimmung müssen jedoch verbessert werden. Fraglich ist allerdings, ob wir uns davon werden überzeugen können, da Czichos für Burghausen wieder spielberechtigt ist und ich ihn für gesetzt halte.

Kleineheismann grundsolide wie immer, Laurito in jeder Hinsicht überragend.

Mittelfeld: Engelhardt defensiv sehr stark. Es war nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass RWE das Spiel halbwegs in den Griff bekam. In Halbzeit zwei auch offensiv derjenige der beiden zentralen Mittelfeldspieler, der sich um Struktur mühte. Pfingsten-Reddig anfänglich mit einigen Zuspielen aus der Hölle. Das wurde – auf für seine Verhältnisse überschaubarem Niveau – besser. Er konnte nach vorne jedoch nie Impulse setzen. Ein schwaches Spiel des Kapitäns. Ich stelle mir schon die Frage, warum Okan Derici keine Chance bekam, sein Können zu beweisen. (Derici wird sich das wohl ebenfalls fragen.) Wie fast alle anderen startete Patrick Göbel besorgniserregend unkonzentriert in die Partie. Zeigte aber später ab und an, was er für eine Qualität vor und im Strafraum hat. Vor allem wenn er in zentraler Position agiert. Marius Strangl kann man kein schlechtes Spiel nachsagen. Aber auch kein wirklich gutes. Seine offensive Dynamik reicht oft nur bis zum gegnerischen Strafraum, hinzu kam in einigen Situationen die bereits erwähnte mangelhafte Absicherung für den offensiven Serrek. Da war er schlichtweg zu zögerlich in der Rückwärtsbewegung.

Angriff: Tja, Kammlott und Tunjic. Die beiden möchte ich aus der Generalkritik die ersten 30 Minuten betreffend ausnehmen. Sie hätte sich schon mit einer Kaskade von Doppelpässen von der eigenen Grundlinie bis zum gegnerischen Tor kombinieren müssen, um Wirkung zu erzielen. Auf brauchbare Pässe ihrer Mitspieler jedenfalls konnten sie nicht hoffen. Es war auch  Mijo Tunjics Verdienst, dass das Vakuum im offensiven Mittelfeld halbwegs überbrückt werden konnte. Er ließ sich öfter recht tief fallen und bewegte sich für einen Spieler seiner Größe erstaunlich flink auf dem teils glatten, teils tiefen Boden des Steigerwaldstadions. Diesbezüglich ein richtig gutes Spiel des Holländers. Was ihm bei der öffentlichen Bewertung seines Spiels immer – und nicht völlig zu Unrecht – angelastet werden wird, ist das weitgehende Fehlen direkter, eigener Torgefahr.

Hätte man mit leben können, wenn denn Kammlott das vermutlich entscheidende Tor gelungen wäre. Aber so märchenhaft ist Fußball leider selten. Trotzdem war es ein gutes Spiel des Rückkehrers. Kogler stellte ihn dahin, wo er hingehört, zentral in die Sturmspitze. Wie viele andere im Stadion konnte ich seine frühe Auswechslung nicht verstehen. Ein Leistungsabfall war für mich (noch) nicht zu erkennen. Er hatte unmittelbar vor der Auswechslung seine beste Szene, als er zwei Verteidiger (die ja während des Spiels ebenfalls nicht frischer werden) düpierte. Das Kalkül Koglers war wohl, mit Nietfeld einen Stürmer mit Strafrauminstinkt in die Schlacht zu werfen. Dumm nur, dass es nicht die dafür notwendigen Strafraum-Situationen, nach z.B. Standards, gab. Bei Jonas Nietfeld sah man in jeder Sekunde, die er auf dem Platz stand, dass Stürmer die fast 1,90 Meter groß sind, auf derart instabilem Geläuf nicht gerade bevorteilt sind. Die Ausnahme Tunjic hatte ich schon erwähnt.

Christopher Drazan hat mir gut gefallen. Sehr dynamisch, mit dem Zutrauen bei Angriffen von außen in die Mitte zu marschieren. Ich hatte nach dem Spiel gegen Zwickau auf Facebook geschrieben, dass es mit seiner Schnelligkeit möglicherweise nicht so gut bestellt sei. Das nehme ich ausdrücklich zurück. Mit seiner Schnelligkeit ist alles in Ordnung. Man darf gespannt sein, wie er sich entwickelt. Wenn es so läuft, wie ich hoffe, könnte es einen heißen Tanz um die Position im linken Mittelfeld zwischen ihm und Öztürk geben. Je nach Wetterlage irgendwann im Frühjahr.

Summarisch ein völlig leistungsgerechtes Unentschieden. Nach der Niederlage von Leipzig gegen Burghausen sollte nun wirklich jedem klar sein, dass die jeweilige Tabellenposition kein hinreichend eindeutiges Indiz für den Ausgang eines Spiels darstellt. In dieser Liga noch weit weniger als in anderen. Heidenheim zähle ich schon gar nicht mehr dazu.

Sollte das Wetter es zulassen und wir spielen nächste Woche in Burghausen: Doppelte Espresso stehen nicht auf der Dopingliste.

Rot-Weiß Erfurt im November 2013: eine emotionale Achterbahnfahrt

NPRIch muss gestehen, dass ich das Blog betreffend momentan eine kleine Novemberdepression durchleide. Der mitteilbare Neuigkeitswert der letzten Spiele ist gering. Die Mannschaft macht einen gefestigten Eindruck, spielt einen Fußball, den sie beherrscht, und hat die letzten drei Partien ohne Gegentor gewonnen. Das ist fraglos großartig. Die Spiele ähneln einander: Man beginnt mit der klaren Vorgabe ein Gegentor zu vermeiden, defensive Kompaktheit dominiert die Taktik. Je nach Spielentwicklung und Gegner wird dann das Risiko überschaubar erhöht. Faszinierend, dass wir mit dieser Spielweise inzwischen die meisten Tore der Liga erzielt haben. Und ein Indiz dafür, dass Walter Kogler seiner Mannschaft inzwischen diesen Stil sehr gekonnt in die fußballerische DNA gemendelt hat. Allerdings bietet dies, man muss es ja eigentlich gar nicht betonen, keine Gewähr dafür, dass es mit dem Siegen so weiter geht. Siehe die Niederlagen im Oktober, bei denen die Mannschaft kaum schlechter Fußball spielte, allerdings nicht das nötige Spielglück auf ihrer Seite hatte.

Nachrichten aus der Hölle: die Verletzungen von Brandstetter und Möhwald

Kevin Möhwald musste im Spiel gegen Darmstadt nach 20 Minuten verletzt vom Platz. Das sah schon vor Ort übel aus, und leider haben sich die unguten Ahnungen bestätigt. Er wird in diesem Jahr dem Verein nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine erhebliche Schwächung, denn auf der 6er-Position hat sich der Nachwuchsnationalspieler mit dynamischer Spielweise, uneitler Mannschaftsdienlichkeit und technischer Beschlagenheit unentbehrlich gemacht. Für das Spiel gegen Hansa steht vermutlich auch Pfingsten-Reddig nicht zur Verfügung (Virusbefall), sodass entweder Baumgarten mal wieder eine Startelf-Chance bekommt und neben Engelhardt aufläuft, oder, da die Sperre von Czichos abgelaufen ist, dieser in die Innenverteidigung rückt und Kleineheismann ins zentrale defensive Mittelfeld. Da mit Leonhard Haas der beste (und offensivstärkste) zentrale Mittelfeldspieler der Rostocker gegen RWE fehlen wird, könnte Kogler sich für die offensivere Variante mit Baumgarten entscheiden. Andererseits wäre die Doppelsechs mit Engelhardt und Kleineheismann vielleicht das entscheidende Quantum zu viel an defensiver Kompetenz für die ohnehin zu Hause bisher nicht sonderlich offensivstarken Hanseaten.

Fast noch dramatischer liest sich Brandstetters Prognose. Vor allem, weil sich der Eindruck orthopädischer Ratlosigkeit nachgerade aufdrängt. Zwei Operationen, dann Reha, Rückkehr ins Mannschaftstraining, erneute Schmerzen, jetzt wieder Physiotherapie. Keine halbwegs gesicherte Genesungsprognose in Sicht. Man kann Simon Brandstetter schlichtweg nur wünschen, dass sich alles noch zum Guten wendet und er möglichst bald wieder seinem Beruf nachzugehen in der Lage ist. Aus der egoistischen Sicht eines Anhänger des FC Rot-Weiß Erfurt heißt dies vor allem: Wir müssen auf unabsehbare Zeit auf unseren besten Stürmer verzichten. Es ist ohnehin ein kleiner Triumph, dass wir trotzdem die meisten Tore erzielt haben.

Was ist nur in dich gefahren, Nils?

Jeder der hier schon länger ab und an vorbeischaut wird wissen, wie sehr ich den Fußballer Nils Pfingsten-Reddig schätze. Ich halte mir auch zugute, ihn stets gegen – aus meiner Sicht – ungerechtfertigte oder überzogene Kritik verteidigt zu haben. An dem Menschen und Fußballprofi gab es ohnehin nichts auszusetzen. Bis jetzt. Ich kann nachvollziehen, dass es einen Profifußballer ins Mark trifft, wenn er seinen Platz in der Startelf verliert. Geht einem ja beruflich oder privat nicht anders. Was ich nicht ausstehen kann, sind egomane Kaspereien wie der Torjubel unseres Kapitäns nach seinem Elfmetertor am Freitag. Gepaart mit dem per Interview geäußerten Ultimatum an den Verein, ihn entweder spielen oder zur Winterpause gehen zu lassen. Wie Möhwalds Verletzung deutlich macht, benötigen wir auf jeden Fall mehr als zwei überdurchschnittliche Spieler im zentralen Mittelfeld. Sportlich wäre es daher eine grandiose Schwächung, wenn man Pfingsten-Reddig ziehen lassen würde. Es sollte aber sichergestellt sein, dass solche öffentlichen Trotzposen ebenso unterbleiben wie auflagenstark lancierte Unverschämtheiten gegenüber dem eigenen Arbeitgeber. Wenn er das weiter so treibt, soll man ihn gehen lassen. Die ansonsten zu befürchtende permanente Unruhe braucht kein Mensch.

Finanzielle Hiobsbotschaft steht zu erwarten

In einem Artikel der Thüringischen Landeszeitung werden Äußerungen von RWE-Präsident Rolf Rombach zur wirtschaftlichen Situation des Vereins wie folgt wiedergegeben: «Als ‘desaströs’ beschreibt er die vergangene Saison, ohne im Vorfeld schon Einzelheiten nennen zu wollen.» Gemeint ist das Vorfeld der Mitgliederversammlung, die in der nächsten Woche stattfindet. Nun, wir alle wussten bereits, dass RWE sexy aber bettelarm ist. Diese Äußerung von Rombach hört sich allerdings nach Intensivstation an. Aber gut, ich will mich dem Vorbild unseres Präsidenten anschließen und «im Vorfeld» keine weiteren Spekulationen anstellen. Es soll allerdings schon Onkologen gegeben haben, die an Krebs starben. Hoffen wir einfach mal, dass Rot-Weiß Erfurt nicht der erste Verein im deutschen Profifußball sein wird, der vom hauseigenen Insolvenzverwalter in die Insolvenz geführt wird. Ehrlich gesagt mag ich daran nicht wirklich glauben. Es stünde für die berufliche Reputation Rolf Rombachs zu viel auf dem Spiel. Dennoch ist zu befürchten, dass für eventuell notwendige personelle Nachrüstungen in der Winterpause (siehe oben) kein Geld zur Verfügung steht. Beim tabellarischen Stand der Dinge wäre das keine Katastrophe. Womöglich aber eine vertane Chance. Und die sind im Fußball so launisch wie rar. Jedenfalls für einen Klub wie den unseren.

Ich bin der Hans Leyendecker des Thüringer Beckens

Da hat es in der Pressestelle des RWE wohl etwas Zeitmangel bei der Erstellung des Vorberichtes zum Spiel gegen Darmstadt gegeben. Wie ich darauf komme?

Deshalb:

Frankfurter Rundschau, 08. November: “… hat es Schuster geschafft, aus einem scheinbar leblosen und dem Abstieg entgegen taumelden Häuflein, eine vor Selbstvertrauen nur so strotzende Truppe zu formen … In 32 Ligaspielen seit seinem Amtsantritt holte Schuster mit den Lilien stattliche 47 Punkte. Lediglich Heidenheim, Osnabrück und Wehen Wiesbaden bringen es in der dritten Liga im aktuellen Kalenderjahr auf ein besseres Ergebnis.” Hier der vollständige Artikel.

RWE-Homepage, 21. November “… hat es Gästetrainer Dirk Schuster geschafft, aus einer scheinbar leblosen und dem Abstieg entgegen taumelnden Mannschaft, eine vor Selbstvertrauen nur so strotzende Truppe zu formen. In 32 Ligaspielen seit seinem Amtsantritt sammelte Schuster mit den Lilien stattliche 47 Punkte ein. Lediglich Heidenheim, Osnabrück und Wehen Wiesbaden bringen es in der dritten Liga im aktuellen Kalenderjahr auf einen besseren Wert.” Hier der vollständige Artikel.

Pulitzer-Preis, Du gehörst mir!

Dortmund II vs. Rot-Weiß Erfurt 0:3 / Göbel&Co rocken den BVB

RWE - YoungstersDer Ballspielverein Borussia Dortmund e.V. eignet eine ruhmreiche Vergangenheit, durchlebt eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Gegenwart und darf – nach allem was man weiß – einer ebensolchen Zukunft entgegen sehen. Über was er allerdings nicht verfügt, ist ein vernünftiger Rasen für die Austragung der Heimspiele seiner Drittligamannschaft. Aber wir wollen die Erregung darüber gar nicht allzu hoch dimmen, denn vermutlich hat von diesen miserablen Platzverhältnissen der samstägliche Gegner des BVB, der FC Rot-Weiß Erfurt, durchaus profitiert. Eine Art höhere Fußball-Ironie. Quittieren wir gerne und mit einem milden Lächeln.

Der BVB begann stark, wurde dem Ruf der Zweitvertretungen gerecht, spielte technisch beschlagenen Fußball, spielte über die Flügel, kam zu einigen Halbchancen und dachte wohl, dies genüge zunächst als Arbeitsnachweis. Errare humanum est, würden die alten Römer und Wilfried Mohren sagen. Nach etwa zehn gespielten Minuten übernahm Erfurt die Hoheit und gab die Spielkonsole bis zum Abpfiff nicht mehr her. Am Ende stand ein ungefährdeter, kühl, kontrolliert und zu Teilen sogar ansehnlich herausgespielter Erfolg für die rot-weißen Farben. Punkt. (Oder richtiger: drei davon.) Ja, Marvin Ducksch war nicht dabei, seines Zeichens der teuerste Spieler der 3. Liga. Er sollte mit den Profis in Wolfsburg siegen, was – wie man inzwischen weiß – auch so ein BVB-Plan war, der in dieser Woche nicht wirklich aufging.

Dortmund versuchte es fortan fast nur noch mit hohen Zuspielen auf den Sturmhirten Balint Bajner, der jedoch bei Laurito und Engelhardt in besten Händen war und deshalb gar nichts ausrichten konnte. Nach der Führung durch Wiegel (Assist: Pfingsten-Reddig) gewann Erfurt Selbstvertrauen und Sicherheit und verwaltete den Vorsprung, ohne dass der geneigte Zuschauer oder -hörer jede Minute einen kleinen Herzkasper erlitt, wie das noch eine Woche zuvor gegen Chemnitz der Fall war, als RWE-Verteidiger vier Mal auf der Linie klären mussten. Dann kam Patrick Göbel und machte den Sack zu. Er schoss das zweite Tor selbst und spielte einen wunderbaren Pass in die Schnittstelle der Dortmunder Abwehrkette, den Nietfeld quer legte und damit Mijo Tunjic ein Angebot unterbreitete, das dieser nicht ablehnen konnte.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Marco Engelhardt, als Innenverteidiger für den gesperrten Kleineheismann aufgeboten, sein bestes Spiel für RWE machte, seitdem er wieder am Steigerwald die Töppen schnürt. Ob das zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Was ich glaube beurteilen zu können, ist der Umstand, dass spielerisch sehr starke Innenverteidiger dem Aufbauspiel jeder Fußballmannschaft gut tun, natürlich auch dem von RWE. Womit ich keinesfalls sagen möchte, dass Kleineheismann Schwächen in dieser Disziplin hat – eher ist das Gegenteil der Fall. Aber Engelhardt ist in dieser Hinsicht natürlich noch mal eine andere Nummer. Mit Pfingsten-Reddig und Möhwald im zentralen Mittelfeld hat Erfurt alle drei Spiele gewonnen, eine durchaus bemerkenswerte Statistik. Das ist jetzt kein Plädoyer, diese Konstellation gegen Dortmund in jedem weiteren Spiel aufs Neue zu erproben. Es soll nur zeigen, dass Kogler eine Situation zu nutzen weiß, die er selbst mitgeschaffen hat: Obwohl Kleineheismann, Czichos und Möckel nicht aufgeboten werden können (mithin drei der vier Spieler die bisher in der IV standen), ist er in der Lage mit Engelhardt einen weiteren Akteur in die Startelf zu stellen, der ohne jeden Substanzverlust diese Position zu spielen weiß. Und auf dessen eigentlicher Planstelle im zentralen Mittelfeld agiert dann mit Pfingsten und Möhwald ein äußerst spielstarkes Duo. Diese Variabilität ist über das Resultat vom Samstag hinaus eine äußerst erfreuliche Botschaft für jeden Anhänger der Rot-Weißen.

Patrick Göbel. Ich muss gestehen, ich hatte meine Zweifel, ob sich der kleine offensive Mittelfeldspieler mit dem sensationellen rechten Fuß bei den Profis würde durchsetzen können. Aber gerade bei ihm macht sich eine weitere Personalentscheidung der sportlichen Leitung peu à peu bezahlt. Es ist sicherlich für die jungen Spieler von großem Wert, dass mit Christian Preußer ein Ko-Trainer installiert wurde, der sie seit Jahren kennt und der sich im Umgang mit ihnen stets für Vertrauen und Geduld ausspricht. Das zahlen Klewin, Möhwald, Nietfeld, Göbel, Baumgarten und Stolze jetzt mit harter Währung in Form von guten Leistungen zurück.

Man kann überhaupt nicht genug würdigen, wie großartig das ist.

Rot-Weiß Erfurt vs. Chemnitzer FC 1:0 / Keine Krise. Nirgends.

2013_09_28_[H]_Erfurt_3-1_OsnabrückJetzt ist sogar ein leibhaftiger Tatort-Kriminaloberkommissar Anhänger des FC Rot-Weiß Erfurt. Ich alpträume bereits davon, ihn eines unschuldigen Sonntagabends in der Bettwäsche meines Herzensvereins beim Fuck & Go (Tatortjungdeutsch) abgelichtet zu sehen. Den Drehbuchautoren sei überdies, aus Gründen der Glaubwürdigkeit, bei der Entwicklung dieses Charakters dringend geraten, von einer nebenberuflichen Karriere nämlichen Kommissars in der Erfurter Lokalpolitik abzusehen. Kein Fan von RWE hatte dort jemals eine Chance.

Über das Spiel gegen Chemnitz ist bereits viel geschrieben worden. Die Sichtweise auf Resultat und Spielgeschehen darf man durchaus disparat nennen. War der Sieg jetzt glücklich oder doch verdient? Nun, da für beide Zuschreibungen keine objektiven Maßstäbe existieren, liegt das letztendlich stets im Auge des Betrachters. Man vergeht sich auch nicht an den Grundsätzen der Logik, wenn man beides gleichberechtigt nebeneinander gelten lässt. So oder so, der anschwellende Bockgesang von einer Erfurter Krise ist vom Tisch. Die Mannschaft hat ihn mit einer konzentrierten, einsatzstarken und (defensiv) fehlerarmen Performance verstummen lassen. Vorläufig.

Nach dem frühen Führungstor von RWE war Chemnitz bis zum Abpfiff die eindeutig spielbestimmende Mannschaft. Vier Mal musste ein Erfurter Verteidiger den Ball von der Linie bugsieren, da kann man das Adjektiv glücklich durchaus bemühen, ohne völlig daneben zu liegen. Es sei daran erinnert, dass der CFC vor der Saison – neben Heidenheim – als erster Aspirant für den direkten Aufstieg in die 2. Liga galt. Am Samstag konnte jeder der wollte sehen, dass die Mannschaft tatsächlich nicht von Vollblinden mit Vollblinden bestückt wurde. Fußballerisch gehören die Sachsen zweifellos zu den besten Teams der Liga. Trotzdem resultierten die Chancen zum überwiegenden Teil aus Standardsituationen. Die wurden mehrheitlich von Ronny Garbuschewski getreten, dem ich in dieser fußballerischen Teil-Disziplin Bundesliganiveau attestieren würde.

Ich komme jetzt zu den Argumenten, die ins Feld führen kann, wer den Sieg der Erfurter nicht in erster Linie als glücklich bezeichnen möchte. Wie unter Gerd Schädlich war die Spielanlage des CFC sehr auf die Außenpositionen hin angelegt. Kein Wunder, sie verfügen dort mit Pfeffer und Garbuschewski über begabte Individualisten. Nach anfänglichen Unsicherheiten stellten sich die Erfurter Außenverteidiger im Verbund mit den offensiven Außenbahnspielern und dem jeweils ballnahen Innenverteidiger gut auf dieses Mittel der Wahl des CFC ein. Mit einem Wort: es wurde kollektiv gut verschoben und gegen den Ball gearbeitet. Chemnitz fand auf den Flügeln nur selten frei bespielbare Räume. Sie waren stark bei Standards, blieben auf diese allerdings auch angewiesen, um überhaupt torgefährlich zu werden. Die beiden zentralen Stürmer der Chemnitzer hatten gegen Laurito und Kleineheismann in der Regel das Nachsehen.

Ein Wort zur zweifellos starken Leistung von Andre Laurito, der noch in der Vorwoche das Epizentrum des Unmuts vieler Erfurter Anhänger war. Hierzu sollte man sich zunächst einmal die Stärken und Schwächen Lauritos vor Augen führen. Zu seinen Stärken zählen das Spiel mit dem Kopf, robuste Physis, ein sicheres Stellungsspiel, große Ruhe am Ball und eine solide Technik. Diese Vorzüge konnte er am Samstag allesamt über die gesamte Spieldauer hinweg einbringen. Rot-Weiß stand fast durchweg relativ tief und es bestand selten die Gefahr, dass Andre Lauritos größtes Manko, nämlich Schnelligkeitsdefizite gegen antrittsstarke, agile Stürmer, offenbar wurde. Es hängt meist nicht vom Willen und der Motivation der Spieler ab, ob sie ein gutes oder schlechtes Spiel abliefern, sondern ob sie mehrheitlich in Spielsituationen geraten, die ihre Stärken oder eben Schwächen hervorheben.

Diesen etwas umständlichen Satz habe ich mir deshalb zurechtgelegt, weil er gleichsam für Tunjic und Nietfeld gilt, die beiden Stürmer in der Anfangself von RWE. Beide sind, wie letztens bereits vermerkt, ähnliche Stürmertypen: groß, physisch durchsetzungsfähig, laufstark. Filigrantechniker sind sie nicht. Mir hat bei ihrem Zusammenspiel am Samstag sowohl die Breite als auch die Tiefe gefehlt. Soll heißen: sie standen zu nah beieinander, wo es besser gewesen wäre, dass sich einer als Anspielstation ins offensive Mittelfeld oder in die flügelnahen Halbräume bewegt. Wobei das nicht wirklich ihr Spiel ist, was aber nichts daran ändert, dass es notwendig gewesen wäre. Um mal wieder einen dieser coolen neuen Fußball-Termini zu benutzen: dem Angriffsspiel des RWE mangelte es an Fluidität. So wurde die Chemnitzer Abwehr ihrerseits nur sehr selten auseinandergezogen. Die langen angriffseinleitenden Bälle von RWE konnten die Verteidiger leicht neutralisieren. Der Erfurter Zielspieler im Angriff war meist die ärmste Sau auf dem Feld, weil er einen schwierig zu verarbeitenden Ball gegen eine Überzahl von Gegnern behaupten musste, was dann auch selten gelang. Dieses Problem des RWE-Offensivspiels ist nicht wirklich neu und es wird Zeit Folgendes zu konstatieren: alle bisherigen Versuche, unter formaler Beibehaltung des 4-4-2, Simon Brandstetter halbwegs adäquat zu ersetzen, müssen als mehr oder weniger gescheitert angesehen werden.

Weshalb ich für eine Änderung des Systems hin zu einem 4-2-3-1 plädiere – bis Brandstetter wieder einsatzfähig ist. Wenn es gut funktioniert auch darüber hinaus. Warum? Engelhardt und Pfingsten-Reddig haben am Samstag defensiv ein sehr gutes Spiel gemacht. Sie waren mit Abwehraufgaben allerdings weitgehend ausgelastet, dahinter musste zwangsläufig der Spielaufbau zurückstehen. In Folge davon (und weil Chemnitz früh ins Pressing ging) mussten die Stürmer meist über lange Bälle ins Spiel einbezogen werden, was meist schnell den direkten Ballverlust zur Folge hatte. Ich verspreche mir von der Implementierung eines offensiven Mittelfeldspielers schlichtweg mehr spielerische Impulse und eine höhere Passqualität. Und ich kann auch mit einem personellen Vorschlag aufwarten: Patrick Göbel hat nach meinem Dafürhalten in dieser Saison eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen und nach seiner Einwechslung am Samstag einen quirligen, ballsicheren, laufstarken sowie selbstbewussten Eindruck hinterlassen. Er wäre der RWE-Spieler meiner Wahl für diese zentrale, offensive Aufgabe. Ganz sicher kein Zehner klassischer Prägung wie Netzer, Overath oder Riquelme, aber für die moderne Interpretation dieser Position verfügt er über alle nötigen Talente.

Jahn Regensburg vs. Rot-Weiß Erfurt 3:1 / Ein gebrauchter Tag

Kogler & PreußerSuch a perfect day sang der große Lou Reed, von dessen viel zu frühem Tod wir gestern erfahren mussten. Nun, von einem perfekten Tag war der FC Rot-Weiß Erfurt am vergangenen Samstag in Regensburg mehr als nur meilenweit entfernt. Dies betrifft sowohl die gezeigte Leistung der Mannschaft, als auch das Resultat – denn obwohl die Rot-Weißen bereits sehr viel bessere Spiele in dieser Saison zeigten, war die Niederlage unglücklich.

Kogler war erneut gezwungen, kurzfristig umzustellen. Philipp Klewin hatte sich im Training verletzt. Für ihn kam Jeff Kornetzky zu seinem Debüt im Erfurter Tor. Und machte seine Sache – trotz der drei Gegentore, bei denen er nichts ausrichten konnte – ausgezeichnet. Pfingsten-Reddig saß wegen Trainingsrückstandes weiterhin nur auf der Bank. Im Angriff bot Kogler, neben Tunjic, Jonas Niefeld auf, auch für ihn war es ein Novum, in einem Meisterschaftsspiel in der Startelf zu stehen.

Die Geschichte des Spieles ist schnell erzählt: RWE startetet gut, kam zu Chancen, nutzte diese nicht und hatte Glück, dass Regensburg seinerseits drei prima Möglichkeiten vergab, bzw. diese von Kornetzky erstklassig vereitelt wurden. In der Pause musste Kleineheismann verletzungsbedingt vom Platz, kurz nach der Pause stimmte die Zuordnung der Viererkette überhaupt nicht und der Jahn ging in Führung. Wie schon in Halbzeit eins war RWE feldüberlegen, konnte sich aber keine wirklichen Tormöglichkeiten erarbeiten (mit der Ausnahme von Wiegels Chance in der 69. Minute). Etwas glücklich fiel der Ausgleich durch Nietfeld. Dabei wäre es vermutlich geblieben, wenn Laurito kurz vor dem Ende nicht etwas ungelenk in Amachaibou rutscht. Keinen Vorwurf an Laurito – hier gilt die ewige Fußballwahrheit: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Aber ein Foul war das schon. Es kann keine Rede davon sein, dass er ihn nicht getroffen hat. Den pfeifen neun von zehn Schiedsrichtern und der Zehnte sollte mal bei Fielmann vorbeischauen.

Interessanter als das alles, ist die Frage nach den Gründen für den neuerlichen Spielverlust. Ich denke, dass alle Mannschaftsteile ihren Anteil an dieser Niederlage hatten. Für die Abwehrkette ist eine Umstellung während eines Spiels immer problematisch, deshalb wechseln Trainer in diesem Bereich selten ohne Not. Die war aber gegeben, weil sich Kleineheismann – ohnehin einer der stabilsten Spieler in den letzten Wochen – verletzte. Ich würde schon sagen, dass diese Änderung, und die daraus resultierende mangelnde Abstimmung ursächlich für den Führungstreffer von Regensburg war. Gegentor zwei und drei waren dann eher Pech (Laurito) oder dem kompletten Vorwärtsdrang der Mannschaft geschuldet, die in der knappen verbleibenden Zeit noch den Ausgleich erzielen wollte.

Nach allem, was ich sah, hörte und las, haben sowohl Möhwald als auch Engelhardt ein sehr passables Spiel abgeliefert. Trotzdem: in einem 4-4-2 kommt den beiden Sechsern defensiv wie offensiv entscheidende Bedeutung zu. Sie müssen die Mannschaft organisieren, den größten läuferischen Aufwand betreiben, den Gegner am Spielaufbau hindern und für Kreativität nach vorne sorgen. Eine fußballerische Herkulesaufgabe. Mir gefällt die personelle Mischung aus Möhwald und Engelhardt eigentlich sehr gut. Beide haben keine offensichtliche Schwäche. Möhwald weist eine hohe Dynamik nach vorne auf, Engelhardt hat große defensiv-taktische Fähigkeiten. Alle zwei ordnen ihr Spiel immer dem Erfolg der Mannschaft unter. Was beide allerdings nicht im gleichen Umfang wie Pfingsten-Reddig beherrschen, ist dessen Vermögen, sogenannte «tödliche» Pässe in freie offensive Räume zu spielen. Bei zwei Stürmern ist das, wenn die sich intelligent bewegen, öfter eine Option. Das soll jetzt kein Plädoyer für die Rückkehr von Pfingsten-Reddig ins zentrale Mittelfeld sein; es soll nur deutlich machen, dass Trainer Entscheidungen treffen und dass diese Entscheidungen selten alle Vorteile miteinander verbinden.

Nietfeld und Tunjic sind zwei recht ähnliche Stürmertypen. Beide haben im Strafraum ihre größten Stärken. Trotzdem klappte das Zusammenspiel in der 1. Halbzeit ganz passabel, ohne dass es die Qualität aufwies, die der Angriff des RWE mit einem gesunden Simon Brandstetter vorzuweisen hat. Wenn Kogler beim 4-4-2 bleibt, dann sollten diese Konstellation eine zweite Chance gegen Chemnitz erhalten. Aykut Öztürks Leistung ist für mich schwierig zu beurteilen, aber ich habe mich über die eine Szene, als er einen Elfmeter herausholen will, sehr geärgert. Hier wäre der konsequente Abschluss viel sinnvoller, oder mehr noch: geboten gewesen.

Der RWE hat gegenwärtig nicht nur eine Ergebniskrise. Dies zu behaupten, hieße sich die Leistung der Mannschaft schön zu reden. Ebenso falsch wäre es allerdings, gleich wieder die Apokalypse auszurufen. Alle drei Spiele wurden knapp verloren. Es war zudem recht offensichtlich, warum die Spiele verloren gingen. Neben Dingen, die man trainieren und unter der Woche verbessern kann – wie formative Kompaktheit, Verbesserung des Umkehrspiels, Laufwege, etc. – waren für die Niederlagen individuelle Fehlleistungen, Leichtfertigkeiten und Unkonzentriertheiten maßgeblich. Faktoren, auf die ein Trainer nur bedingt Einfluss nehmen kann.

Deshalb sehe ich in erster Linie die Mannschaft in der Pflicht, unabhängig von ihrer personellen Aufstellung und taktischen Ausrichtung. Wenn es endlich wieder gelingt, die Fehlerquote nach unten zu korrigieren, wird der FC Rot-Weiß Erfurt auch wieder Fußballspiele gewinnen.

Rot-Weiß Erfurt vs. 1. FC Heidenheim 1:2 / Trotz Niederlage tiefenentspannt

kogler_1Der 1. FC Heidenheim war nicht die allseits annoncierte Übermannschaft. Aber dann doch gut genug, um im Steigerwaldstadion den 5. Auswärtssieg der Saison zu feiern. Die verletzungsbedingten Ausfälle auf Erfurter Seite von Brandstetter, Czichos und – kurzfristig – Pfingsten-Reddig waren nicht zu kompensieren. Vor allem Brandstetter geht dem RWE sehr ab, ohne ihn bleibt die Durchschlagskraft der Offensive dürftig, seine Dynamik ist von keinem der bislang für ihn eingesetzten Spieler erreicht worden. Wenn Pfingsten-Reddig – in den letzten Wochen – für ihn spielte, war das auch nicht zu erwarten. Er sollte in erster Linie Bälle sichern und verteilen. Am Samstag bot Kogler Aykut Öztürk neben Tunjic auf, aber gegen die durchweg sehr aufmerksame Innenverteidigung der Heidenheimer sahen beiden Stürmer des RWE – man muss es so deutlich sagen – keine Schnitte. Was selbstredend nicht exklusiv ihnen anzulasten ist. Chancen fallen nicht einfach vom Laster. Die Zuspiele die sie erhielten, waren für Heidenheim zumeist leichte Beute: lang und hoch und/oder schlichtweg zu unplatziert. Defensiv kaum gefordert, reichte dem Spitzenreiter eine durchschnittliche Leistung für diesen Erfolg.

Eventuell hätte es für die Rot-Weißen, trotz schwacher Offensivleistung, für einen Punktgewinn genügen können, wenn denn das Abwehrverhalten konstant fehlerarm geblieben wäre. Sobald der RWE geordnet verteidigte, fiel den Schwaben nämlich ebenfalls nicht sonderlich viel ein, um Klewin in Bedrängnis zu bringen. Chancen für Heidenheim ergaben sich eigentlich nur, sobald Erfurt wild nach vorne spielte, den Ball verlor und sich solcherart frei bespielbare Räume für den Gegner ergaben. Da gab es dann viel Platz und wenig Gegner. Einerseits. Andererseits erzielte Erfurt in der ersten wirklichen Druckphase (vor der Pause) den Ausgleich. Die zweite derartige Phase (ca. ab Minute 75) führte dann allerdings nach Öztürks schlampigem Morabit-Gedächtnis-Hackenfehlpass zur Spielentscheidung zugunsten Heidenheims. Der Unterschied liegt schlichtweg darin, dass das höhere Risiko bei einem Rückstand einleuchtender ist, als bei einer Spielsituation in der man einen Punkt auf der Habenseite hat. Das war taktisch eher nicht so clever.

Apropos Smail Morabit. Der war – mit Haaren – nicht nur äußerlich schwer wiederzuerkennen (er wird doch wohl nicht den Rooney gemacht haben), sondern spielte auch völlig anders Fußball – gemessen an den meisten seiner Auftritte im Trikot von RWE. Sein jetziger Trainer, Frank Schmidt, gilt als Mann des lauten und klaren Wortes. Er scheint ihm deutlich gemacht zu haben, dass er nur eine Startelf-Chance hat, wenn er seine Fähigkeiten ganz und gar in den Dienst der Mannschaft stellt. Etwas, dass keinem Trainer in seiner Zeit hier dauerhaft geglückt ist. Und so spielte er gestern leider auch: Unspektakulär, effizient, teamfixiert. Er bereitete sowohl die erste Großchance des FCH als auch das spielentscheidende zweite Tor durch Göhlert vor. Hätte nicht sein müssen, Smail!

Ansonsten war der Erkenntniswert des Spiels gering. Die Leistung der Mannschaft ist Schwankungen unterworfen, die dann größer werden, wenn wichtige Spieler fehlen. Das ist weder neu, noch ist es besonders tragisch und kann bereits in der nächsten Woche gegen Regensburg wieder völlig anders aussehen. Ich bleibe bis auf Weiteres tiefenentspannt.

Blogstöckchen Länderspielpause

Ehrlich gesagt musste ich mich erst einmal ein bisschen kundig machen, was es mit so einem Blogstöckchen auf sich hat, nachdem es mir vom Ballsalat aus Dresden zugeworfen wurde. Historisch geht diese Tradition wohl auf Gotthold Ephraim Lessing zurück, der bereis 1771 in den Sinngedichten wusste: “Wer wird nicht einen Blogstock loben? // Doch wird ihn jeder lesen? Nein! // Wir wollen weniger erhoben // Und fleißiger gelesen sein.” Nun ja, die Gefahr des “Erhebens” hat Lessing wohl überschätzt. – In medias res:

Bislang bestes Spiel 2013/2014?

Der FC Rot-Weiß Erfurt hat in dieser Saison bereits einige formidable Spiele geboten. Herausragend war jedoch das 3:0 gegen den damaligen Spitzenreiter SV Wehen Wiesbaden. Mag sein, dass die Wiesbadener an diesem Tag etwas indisponiert waren, trotzdem hat mich die durchgehende Kontrolle des Geschehens auf dem Platz durch RWE gleichermaßen beeindruckt wie erfreut. Das war quasi der Goldstandard für diese Saison. Ich weiß jetzt, zu was die Mannschaft an guten Tagen in der Lage ist.

Absolutes Langweilerspiel 2013/2014?

Da geht es mir wie dem Kollegen aus Leipzig – Spiele der eigenen Mannschaft langweilen mich nie. Frustrieren: ja, durchaus möglich; langweilen: nein.

Aber ich möchte an dieser Stelle eine Diskussion aufgreifen, die es immer mal wieder unter Sportbloggern bei Twitter gibt. Ein Spiel wie das des FC Bayern gegen Nürnberg ist schon sehr einseitig. 81 Prozent Ballbesitz für den FCB, totale Dominanz einer Mannschaft, Tore sind nur eine Frage der Zeit. Als ob der Hulk gegen Philipp Rösler boxt. Dies ist keine Kritik an einer der beiden Mannschaften, schon gar nicht an den Bayern. Die haben ein – in jeder Hinsicht – großes Potenzial und verstehen es zu nutzen. Problematisch ist, dass auf diese Weise der Abstand zu 90 % der Mannschaften in der Bundesliga stetig wächst und der Spannungsgehalt, der jedenfalls für mich unabdingbar zum Fußball gehört, in solchen Partien sukzessive gegen null konvergiert. Ich habe dafür keinerlei vorzeigbaren Lösungsansatz, befürchte aber, wie der Trainer Baade, einen stetigen Bedeutungsverlust der nationalen Ligen, zugunsten einer paneuropäischen Fußball-Aristokratie.

Welcher Trainer ist mir angenehm positiv aufgefallen?

Hier sollte natürlich der Name Walter Kogler stehen und würde es auch, wenn er nicht bereits vom Rotebrauseblogger in dessen Blogstöckchen «nominiert» worden wäre. Im Grunde sind heuer fast alle meine Postings zu den Spielen von RWE kleine Huldigungen an unseren Cheftrainer.

Schon in Paderborn, Gladbach und Augsburg hat mich die Arbeit von Jos Luhukay beeindruckt. Wie er sich im schwierigen, dauernervösen Umfeld der Hertha mit akribischer Arbeit und exzessiv sachlichem Auftritt durchgesetzt hat, bestätigt diesen Eindruck vortrefflich. Da versteht jemand sein Handwerk. Ein später flämischer Meister.

Welcher Trainer nicht?

Mit Kritik an Trainern halte ich mich per se zurück. Sie sind wie Dirigenten. Man erwartet, dass das Resultat ihrer Arbeit harmonisch ist. Oder sogar ekstatisch. Nur, dass die Musiker teilweise keine Noten lesen können, das Publikum jede, meist unpassende, Gelegenheit zu Bei- oder Missfallenskundgebungen nutzt und der Impresario sich oft selbst für einen Wiedergänger Karajans hält.

Apropos Impresario. Diese Rolle hat Thomas Linke nach seiner aktiven Laufbahn für sich entdeckt. Seit er 1988 im Dress des FC Rot-Weiß Erfurt in der Oberliga debütierte, verfolge ich seinen Weg und muss sagen: in Relation zu seinem Talent hat er als Fußballer sehr, sehr viel erreicht. Auf seine Karriere als Sportdirektor trifft dies nicht zu. Bei Red Bull (Salzburg, Leipzig) und in Ingolstadt fand und findet er sehr opulente Bedingungen vor, mit denen er – Stand heute – recht wenig anzufangen wusste.

Welcher mediale Hype hat zuletzt genervt?

Stefan Kießling. Den ich für einen sehr guten Bundesligaspieler und – soweit man das beurteilen kann – für einen äußerst angenehmen Zeitgenossen halte. Man kann darüber diskutieren, ob man ihn für die Nationalmannschaft nominiert und somit auf einen (oder sogar mehrere) der folgenden Offensiv-Spieler verzichtet: Klose, Gomez, Reus, Özil, Kroos, Schürle, Podolski, Gündogan, Götze, Schürle, Müller, Kruse. Aber darum geht es bei der Diskussion gar nicht. Nicht bei Kießling und ebenfalls nicht bei Weidenfeller. Es geht immer um Joachim Löw. Dem man nicht zutraut einen Titel zu holen und den man wahlweise der Inkompetenz und/oder der egoistischen Sturheit überführen möchte. Deshalb werden von vielen interessierten Seiten diese Scheindiskussionen angezettelt. Über schlechten Fußball der Mannschaft kann sich ja niemand ernsthaft beklagen.

Meine Mannschaft hat bislang…

… eine unerwartet gute Saison gespielt, die so weder fußballerisch noch tabellarisch abzusehen war.

In der Länderspielpause werde ich…

… nicht mit Tränen in den Augen vor einem schwarzen Bildschirm sitzen.

Blockstöcken – das Prinzip:

Fragen kopieren, im eigenen Blog beantworten. Ob auf Zuwurf oder mit Aufheben des Stöckchens, entscheidet Ihr ganz alleine. Alles kann, nichts muss! Ich für meinen Teil bin an der Stelle raus und gebe in der Konferenz zurück nach Dresden: “Hallo Endreas, Zeit und Muse etwas zu schreiben?”  http://endreasmueller.blogspot.de/

Rot-Weiß Erfurt vs. VfL Osnabrück 3:1

Pfingsten19-15-14-13-9-20. Das sind nicht die Lottozahlen von gestern. Es ist die chronologische Abfolge der Punktestände des FC Rot-Weiß Erfurt nach jeweils 11 absolvierten Drittliga-Spieltagen. So viele Punkte wie heuer (ein Austriazismus zu Ehren unseres Cheftrainers!) hatte der Verein zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie. Und das nach einer in fast jeder Hinsicht verkorksten Saison. Und das, nachdem erneut wichtige Spieler den Verein verlassen haben und der Etat chronisch schwindsüchtig ist. Walter Kogler genießt Vertrauen am Steigerwald. Das merkte man gestern sehr deutlich, als zur Überraschung aller, Nils Pfingsten-Reddig neben Mijo Tunjic am Anstoßkreis stand und somit die Frage geklärt war, wer neben dem Holländer im Sturm spielen würde. Im weiteren Spielverlauf empfanden die meisten Zuschauer diese Lösung als nur bedingt zukunftsfähig. Bei Emmerling und Schwartz hätte sich der Unmut darüber schnell lautstarken Ausdruck verschafft, nicht so gestern. Es wurde viel getuschelt und mit dem Kopf geschüttelt, aber dabei blieb es. Kogler hat in der anschließenden Pressekonferenz seine Motivation hinsichtlich dieser Entscheidung begründet. Doch dazu später noch einige Bemerkungen.

Osnabrück ist eine bemerkenswert gut organisierte Mannschaft

Auf die Frage, worin der Unterschied zwischen 1. und 2. Bundesliga liege, hat Jürgen – the face – Klopp einmal sinngemäß geantwortet: Die Differenz liege ausschließlich in der fußballerischen Qualität der Spieler. Alles was man trainieren könne, sei gleich. Trainieren kann man Kondition, taktisches Verhalten, systemische Grundordnung, Verhalten bei Standards, Laufwege, etc. Maik Walpurgis, der Trainer des VfL, hat mit den Sportfreunden Lotte im letzten Jahr die wahrscheinlich qualitativ beste Regionalliga-Staffel gewonnen und dem mutmaßlichen Champions-League-Sieger des Jahres 2023 in der Relegation, bis in die Verlängerung hinein, einen großen Fight geliefert. Maik Walpurgis ist ein großes Trainertalent. Sein neuer Verein, der VfL Osnabrück, ist individuell gut aber nicht überragend besetzt. Die Stärke der Mannschaft speist sich in erster Linie aus ihrer glänzenden Organisation, und die ist das Ergebnis guten, effizienten, modernen Trainings.

Fortuna war an diesem Nachmittag eine Rot-Weiße

In den ersten 15 Minuten des Spieles ereignete sich relativ wenig. Den Respekt, den beide Teams voreinander hatten, war quasi mit Händen zu greifen. Doch schon in dieser Phase war der VfL das gefälligere Team. Danach begann die stärkste Phase der Osnabrücker. Ich denke, dass es ein Resultat der Videoanalyse war, dass der VfL die meisten seiner Angriffe über die linke Erfurter Abwehrseite vortrug. Davon versprach man sich zwei Dinge: Zum einen sollten die offensivstarken Öztürk und Czichos in der Defensive permanent beschäftigt werden, zum anderen hatte man bei Öztürk wohl Defizite im Defensivverhalten ausgemacht, die zu nutzen der VfL beabsichtigte. Beide Intentionen gingen zunächst auf. Immer wieder waren Engelhardt und Möhwald genötigt, auf dieser Seite auszuhelfen und auch Kleineheismann rückte permanent aus der Mitte heraus, um die Überzahl des VfL auf diesem Flügel zu neutralisieren.

Doch der RWE reagierte und kam ebenfalls zu ersten vorzeigbaren Angriffen. Jetzt würfelte Fortuna und oben lag eine rot-weiße Seite. Grimaldi traf nur den Innenpfosten, während Laurito drei Minuten später die Erfurter Führung erzielte. Tunjic hätte dann das Spiel bereits vorentscheiden können, doch er scheiterte am glänzend reagierenden TAG Heuer Fernandes. Leider reagierte Tunjic kurz vor der Pause nicht ebenso gedankenschnell und haderte mit dem Schiedsrichter, statt die schnelle Ausführung des Freistoßes zu unterbinden, der dem Ausgleich durch Grimaldi vorausging.

Kogler reagierte mit einer taktischen Änderung

Nicht direkt nach der Halbzeit, aber so etwa nach 50 absolvierten Minuten wechselten Wiegel und Öztürk die Seiten. Während Wiegel permanent die linke Außenbahn hielt, hatte Öztürk nun jegliche Freiheiten: er spielte nominell auf der rechten Seite, rückte aber situativ oft ins Sturmzentrum, oder überlud (nicht selten gemeinsam mit Pfingsten) den linken Flügel. Mit dieser taktischen Änderung hatten die Osnabrücker nun ihrerseits Probleme. Zudem fehlte ihnen, nach zwei in jeder Hinsicht intensiven Spielen gegen RB und Union, die körperliche Frische um nach dem erneuten Rückstand wieder ins Spiel zu finden. So gewann der RWE letztlich verdient dieses enge, schwierige und komplizierte Spiel.

Pfingsten als Stürmer war weder eine Fehlbesetzung noch ist es eine Dauerlösung

Koglers lieferte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel eine – jedenfalls für mich – völlig nachvollziehbare Begründung, warum er Nils Pfingsten-Reddig neben Tunjc aufbot. Er versprach sich von seinem Kapitän in erster Linie Ballsicherung und -verteilung in vorderster Linie. Ich glaube, dass die Entscheidung wer als zweiter Stürmer neben Tunjic spielt (solange Brandstetter verletzt ist), von Spiel zu Spiel neu getroffen wird und dabei werden vor allem taktische Überlegungen maßgeblich sein. Das sah man gestern schon daran, dass sofort, nachdem das 2:1 fiel, Pfingsten ausgewechselt wurde. Die Annahme lag nahe, dass es jetzt mehr Räume für den konterstarken Stolze geben würde und Kogler zögerte keine Sekunde, solcherart auf diese neue taktische Spielsituation zu reagieren. Gut vorstellbar, dass Stolze im nächsten Spiel in Unterhaching von Anfang spielt, eben weil der RWE dort vermutlich aus einer eher abwartenden Haltung heraus agieren will. Im Übrigen sollte man bei der Bewertung von Pfingstens Leistung nicht völlig vernachlässigen, dass dies ganz gewiss nicht seine Lieblingsposition ist, er sie zum ersten Mal innehatte und man dem Duo Tunjic & Pfingsten wohl auch eine gewisse Eingewöhnungszeit zubilligen muss.

Und am Ende wurde unser Kapitän mit viel Beifall verabschiedet, weil alle froh waren, dass er mal wieder einen entscheidenden Elfmeter verwandelte. Der Beifall wäre wohl noch einen Tick stärker ausgefallen, wenn man auch nur 25 Minuten in die Zukunft hätte schauen können, um durch Engelhardts Fehlversuch daran erinnert zu werden, dass dies alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.