Archiv für Dezember 23, 2011

FROHE WEIHNACHTEN & A HAPPY NEW YEAR

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs ein friedliches, gesegnetes und möglichst stressfreies Weihnachstfest sowie einen schwungvollen Start ins neue Jahr.

Bleibt mir gewogen.

Fedor Freytag

Sponsel gegen Jena / FCC – RWE 1:0

Der Siegtreffer für Jena fiel in der 90. Minute. Verloren (im Wortsinn) hat der RWE das Spiel bereits in der ersten Halbzeit. Die ersten zehn Minuten sahen passabel aus. Jena war gefordert das Spiel zu gestalten, was Erfurt in die komfortable Situation versetzte durch schnelles Umkehrspiel die sich bietenden Räume zu nutzen. Das klappte ansatzweise ganz gut, vor allem über den agilen Morabit, allerdings misslang stets der finale Pass zum einschussbereiten Mitspieler. Danach akkumulierten sich zunächst individuelle Fehlleistungen: Rauws schlampiger Fehlpass¹, ein schlimmes Fehlabspiel von Oumari², Morabits Egotrip³ – der ihm eine Verbalattacke Mannos einbrachte-, um hier nur einige zu nennen. Zudem erwies sich eine taktische Maßnahme Emmerlings als kontraproduktiv.

Gemeint ist das sehr aggressive Pressing, an dem sich der RWE in der ersten Halbzeit phasenweise versuchte. Daran nahmen sowohl die beiden Angreifer, als auch die Mittelfeldspieler teil. Attackiert wurden die jeweils ballführenden Jenaer Defensivspieler, wodurch sich dieses Pressing relativ weit in der Jenaer Hälfte abspielte. Das Problem bestand darin, dass die hintere Viererkette viel zu tief stand, was zu großen offenen Räumen zwischen beiden Reihen führte (siehe Bild). Mit zunehmender Spieldauer nutzen der FCC diese Räume immer konsequenter. Entweder gelang es, die Pressing-Reihe aus der Abwehr heraus zu überspielen, oder einer der Jenaer Angreifer ließ sich in diesen Raum zurückfallen um mit einem langen Pass angespielt werden zu können und seinerseits den Ball auf einen der nachrückenden Außenspieler zu verteilen. Im nebenstehenden Bild zerfällt der RWE  in zwei voneinander isolierte Mannschaftsteile, mit einem Abstand von mindestens 20 Metern zwischen dem hintersten Mittelfeldspieler und dem ersten Verteidiger (als optimal gelten zehn Meter). Man muss keinen A-Schein der Kölner Trainerakademie besitzen, um zu begreifen, dass dies eine deutlich zu große Lücke darstellt.

Diese Gemengelage aus individuellen Fehlern und falscher Raumaufteilung führte zur Dominanz des FCC. Allein Andreas Sponsel war es zu verdanken, dass sich dies nicht schon in Halbzeit eins in einer klaren Führung der Saalestädter manifestierte. Ein offensives und hohes Pressing ist zweifellos ein probates taktisches Mittel. Aber es birgt Risiken und sollte – wie beinahe alles im modernen Fußball – gut organisiert umgesetzt werden. Das war ersichtlich nicht der Fall. Zudem frage ich mich, warum Stefan Emmerling es in diesem konkreten Spiel überhaupt für notwendig hielt. Jena ist eine Mannschaft die große Probleme hat zwei tief gestaffelte Abwehrreihen mit überraschenden Offensivaktionen in Verlegenheit zu bringen. Gelingt es Simak zu isolieren, bleibt nicht viel wovor man Angst haben müsste. Eines der Risiken aggressiven Pressings ist auch, dass man (gerade auf tiefem Boden – wie in Jena) viel Kraft dafür benötigt. Kraft die verschwendet ist und im weiteren Verlauf des Spiels fehlt, wenn das zu erreichende Ziel (die Unterbindung des gegnerischen Spielaufbaus) so gravierend verfehlt wird wie am Samstag geschehen.

Nimmt man alles in allem, dann haben wir die schlechteste Vorstellung des RWE in dieser Saison gesehen. An dieser Einschätzung ändern die beiden klaren Möglichkeiten durch Oumari und Reichwein wenig. Nur eine davon, die unseres Mittelstürmers, war herausgespielt, wenn auch durch eine Einzelaktion von Gaetano Manno. Der Rest war eine einzige Orgie von Fehlpässen und sinnwidrigen Einzelaktionen gegen eine meist gut doppelnde FCC-Abwehr. Es war schlimm anzusehen was die Mannschaft bot. Solche Tage gibt es im Fußball, im Drittliga-Fußball sind sie ohnehin deutlich häufiger als beispielsweise in der Premier League. Trotzdem schade, dass Emmerlings Mannschaft eine durchaus verheißungsvolle erste Saisonhälfte so enden lassen musste. Da will sich der für die bevorstehenden grauen Wintertage benötigte Optimismus nicht wirklich einstellen. Eher das Gegenteil davon.

Daran ändert auch die Charity-Veranstaltung am 15. Januar nichts. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es ist gut, dass die Bayern kommen, gut vor allem für die notorisch klammen Finanzen unseres Klubs. Der sportliche Wert des Spiels hingegen ist nahe null. Viel wichtiger wird sein – eine Woche später – den Schaden des leichtfertigen Derby-Verlustes auf Platz 11 des Weserstadions vor 500 Zuschauer durch einen Sieg in Grenzen zu halten. Darauf sollte sich die Mannschaft konzentrieren, nicht auf Robbery, Schweinsteiger und Gomez. Denn – ich bin erstaunt, dass ich das einen Tag nach diesem Debakel schon wieder schreiben kann – alles ist möglich. Drei Punkte auf den Relegationsplatz sind bei 17 ausstehenden Spielen völlig zu vernachlässigen. Regensburg und Sandhausen werden gleichfalls nicht derart souverän die Spitzenposition behaupten wie Braunschweig und Hansa in der letzten Saison. Es fällt schwer das nach so einem schwachen Spiel zu belegen, aber der RWE zählt zu den Mannschaften die davon profitieren könnten.

Eigentlich wollte ich zum Thema «Pyrotechnik» einen separaten Artikel schreiben. Das werde ich nicht tun. Es ist schlichtweg sinnlos. Sinnlos vor allem deshalb, weil jede – noch so unbedeutende – öffentliche Äußerung weitere Aufmerksamkeit verschafft. Die diese Pyromanen nicht verdienen. Wer diesen Sport liebt und wessen Herz dem RWE gehört, der kann ob der Vorfälle am Samstag nur verzweifeln. Wir alle sind ratlos, jedenfalls lassen viele Äußerungen darauf schließen, da bilden die Einlassungen des Präsidenten zum Thema keine Ausnahme. Eines wird immer deutlicher: die eine, irgendwie «saubere» Lösung wird es nicht geben. Weder kann die Polizei allein dafür sorgen, noch der Verein oder die 99 Prozent der Fans die an diesem kriminellen Schwachsinn unbeteiligt sind. Es kann nur eine gemeinsame Lösung geben und das Präsidium wäre gut beraten sich nicht in starken (aber zahnlosen) Statements zu verschleißen, sondern Vertreter der verschiedenen Fangruppen und der Polizei schnellstmöglich an einen Tisch zu bekommen, um in einer ergebnisoffenen Diskussion einen Weg aus der fremdbestimmten Pyro-Hölle zu finden.

Es ist ein sensibles Thema, deshalb sei mir noch eine Anmerkung gestattet: Mit Pyromanen meine ich expressis verbis all diejenigen, die – wie am Samstag – gegen die derzeit geltenden Verbote in den Stadien verstoßen und auf diese Weise dem Fußball vor allem aber «ihren» Vereinen irreparablen Schaden zufügen. Ausgenommen sind all diejenigen, die auf legale Weise eine Zulassung von Bengalos erreichen wollen. Ich halte das zwar für illusorisch, aber es ist zweifelsfrei legitim dafür einzutreten.

Fußnoten – Beziehen sich alle auf dieses Link (Livestream 1. Halbzeit FCC-RWE):

  • Rauw – ab 09:00¹
  • Oumari – ab 24:00²
  • Morabit – ab 27:00 (Morabit setzt sich auf halbrechts schön durch, zieht dann aber eigensinnig in die Mitte, statt den freien Manno zu bedienen.³

Thüringenderby – Ein paar Erinnerungen

In den Augen einen sechsjährigen Jungen sah der Mann auf dem Foto etwas einschüchternd aus. Er trug ein dunkles Trikot und mein Vater sagte, dies sei der Torhüter des FC Rot-Weiß Erfurt. Mein Vater las mir auch die Überschrift des Artikels neben dem Bild vor. Sie lautete: Weigang gegen Jena. Er seufzte und prognostizierte den weiteren Verlauf der Oberliga-Saison mit den Worten: Die werden wohl wieder Meister und wir spielen gegen den Abstieg. Nun, so schlimm kam es nicht. Jena wurde Vizemeister und der RWE immerhin Achter der Abschlusstabelle der Saison 1968/69. In diesem Spiel aber, hatte uns Horst Weigang vor einem Debakel bewahrt. Es endete nur 1:0 für den FCC.

In dieser fernen Zeit waren die Machtverhältnisse im Thüringer Fußball eindeutig geklärt. Jena war die dominierende Mannschaft des DDR-Fußball der sechziger und frühen siebziger Jahre. Der RWE pendelte zwischen Oberliga und Zweitklassigkeit. Über die Gründe dafür habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Das änderte sich erst, nachdem es beinahe zur Eskalation gekommen war. Auf Betreiben Georg Buschners wurden in kurzer Zeit die beiden besten Erfurter Spieler Rüdiger Schnuphase und Lutz Lindemann nach Jena «delegiert». Das geschah keineswegs gegen den Willen der Spieler, hatte aber – neben sportlichen Gründen – seine Ursache in der höchst unterschiedlichen finanziellen Ausstattung die man Top-Spielern zu bieten in der Lage war. In Erfurt ging es Profifußballern gut, in Jena öffnete sich ihnen das Paradies (jedenfalls für damalige Verhältnisse). All das kann man nachlesen in einer ebenso lesenwerten wie faktenreichen Dissertation von Dr. Michael Kummer. Dort steht ebenfalls, dass einige Arbeiter der Optima Werke (des RWE-Trägerbetriebes) so wütend ob des Weggangs ihrer Lieblinge waren, dass sie mit Arbeitsniederlegung drohten. Ein ungeheuerlicher Vorgang für DDR-Verhältnisse. Seitdem und bis zum Ende der DDR kam es zu keinem nennenswerten Aderlass des Erfurter Fußballs mehr.

Das hatte Folgen: Nach dem Wiederaufstieg 1972 etablierte sich der RWE fest in der Oberliga. Jena war immer noch ein Spitzenteam, verlor aber die einstige Dominanz. Seitdem ging es knapp zu bei den Derbys, obwohl Jena noch immer die Mehrzahl der Spiele gewann. An das Spiel der Spiele – das Pokalfinale 1980 – erinnere ich mich noch lebhaft. Wir kamen etwas zu spät im Stadion der Weltjugend an, wahrscheinlich weil wir Provinzeier die Größe Berlins (wenn auch nur der halben Stadt) unterschätzt hatten. Rot-Weiß spielte großartig und hatte in der zweiten Halbzeit mehrere Konterchancen um das vermutlich entscheidende zweite Tor zu erzielen. Die «neutralen» Berliner Zuschauer schlugen sich auf die Seite der Erfurter Außenseiter.

Anerkennendes Berlinern um uns herum. Doch Jena ließ nicht nach, machte kurz vor Schluss den Ausgleich und hatte in der Verlängerung schlichtweg die bessere Kondition. Auch neben dem Platz spielte sich Spektakuläres ab, allerdings ahnte davon niemand etwas: «In ähnlicher Form griff Biermann direkt in die Gestaltung der Spielprämien auch beim FDGB-Pokalfinale im Mai 1980 ein. Der FC Rot-Weiß führte hier lange mit 1:0 gegen den FC Carl Zeiss, ehe es nach einem 1:1-Unentschieden in die Verlängerung ging. Wolfgang Biermann saß auf der Ehrentribüne und ließ die ausgelobte Siegprämie innerhalb des noch andauernden Spiels zweimal verdoppeln. Es oblag dem damaligen Clubvorsitzenden Ernst Schmidt, die Botschaft über diese jeweiligen Erhöhungen dem Trainer Hans Meyer zu übermitteln.» Das findet sich auf Seite 242 der Doktorarbeit von Michael Kummer und beruht auf einem Tonbandprotokoll des Jenaer Spielers Lutz Lindemann. An anderer Stelle wird dessen Aussage von Jürgen Heun bestätigt. Die Prämie betrug ursprünglich 2.000 Mark pro Jenaer Spieler und wurde während der Halbzeit und vor der Verlängerung auf 8.000 Mark erhöht, verkündet durch Hans Meyer. Kein Wunder, dass sie sich die Seele aus dem Leib rannten. Der Chef der Zeiss-Werke Wolfgang Biermann nutzte den schier unerschöpflichen Reichtum seines Imperiums wie ein Sultan, damit es seinen geliebten Kickern an nichts fehlte. Allerdings nur wenn sie gewannen. Wenn nicht, wütete er wie ein alttestamentarischer Rachegott. Abramowitsch nichts dagegen. Der Vollständigkeit halber sei noch hinzugefügt, dass nichts davon mit den Gesetzen der DDR in Einklang stand. Aber weder der DTSB, noch der Fußballverband der DDR konnten und wollten dagegen vorgehen, weil Biermann ein alter Duzfreund Erich Honeckers war. Er war mithin unberührbar.

Wenn man das liest ist man ja fast schon froh, dass heute beide Vereine arm wie eine Kirchenmaus sind. Es lebe die Chancengleichheit!

RWE – Babelsberg 2:3 / Wie im falschen Film

50 Jahre beim RWE – Verdienter Tribut für Sakko Schröder

Was wird Olivier Caillas gedacht haben, als nach einem katastrophalen Fehlpass seines Vertreters Ströhl das erste Tor der Babelsberger fiel? In Oberhausen war die Mannschaft noch in der Lage seine dumme Rote Karte zu kompensieren. Gegen Babelsberg gelang das nicht.

Doch der Reihe nach. Nach dem Anpfiff war ich verwirrt. Die Aufstellung bot keine Sensationen, auch wenn ich mir Morabit in der Startelf gewünscht hätte. Dann jedoch vernebelte mir alte Gewohnheit die Sinne und es dauerte fünf Minuten bis ich begriff, dass ich doch nicht im falschen Film war und sich da unten ganz real Ungeheuerliches zutrug: Unser Trainer hatte sein taktisches System verändert. Trappatoni – Catenaccio, Rehagel – Kick & Rush und eben Emmerling: 4-4-2. Das waren fest verdrahtete Gewissheiten in meinem Kopf. Angesichts des Ratlos-Fußballs den es zuletzt im Steigerwaldstadion zu erdulden gab, war ich zunächst positiv gestimmt ob der taktischen Revolution unseres Coaches. Das 4-1-4-1 erschien mir zudem durchaus geeignet das Grundproblem der letzten Heimspiele zu überwinden: die personelle sowie spielerische Unterlegenheit im zentralen und offensiven Mittelfeld. Leider kam es anders. Trotz der Führung, die Sicherheit hätte geben können, irrten unser Mittelfeldspieler besorgniserregend orientierungslos über die Spielfläche. Was – meiner Meinung nach – auch, wenn nicht sogar in erster Linie, daran lag, dass sie innerhalb der neuen Grundordnung nicht optimal platziert waren. Pfingsten-Reddig entfaltet seine Stärken vor allem dann, wenn er das Spiel vor sich hat und mit seinem Instinkt für Spielsituationen und seinen exakten Spielverlagerungen das Offensivspiel eröffnen kann. Zedi wiederum hat seine Stärken im Vorwärtsgang eher in der Ballbehauptung am und im gegnerischen Strafraum. Mit anderen Worten – es wäre besser gewesen, wenn die beiden ihre taktische Rolle genau anders herum gespielt hätten.

Wie auch immer, mit Beginn der zweiten Halbzeit beendete Emmerling das Experiment und kehrte zum eingespielten 4-4-2 zurück. Zudem kam Morabit für den wenig überzeugenden Drexler. Sein Einstand hätte besser nicht sein können. Nach einem Lehrbuch-Konter, gedankenschnell von Emmerling jenseits der Seitenlinie eingeleitet, über Mannos Einwurf, wurden die Babelsberger von ihm und Reichwein brillant ausgespielt. Die folgenden Minuten sahen gut aus und zu diesem Zeitpunkt war ich davon überzeugt, dass der RWE dieses Spiel gewinnen würde.

Das es nicht so kam hatte sowohl mit individuellen Fehlern zu tun, als auch mit dem Umstand, dass die Erfurter Abwehr am Samstag kollektiv einen gebrauchten Tag erwischte. Die Elfmeterentscheidung gegen Manno habe ich mir gefühlte hundert Mal angesehen und kann trotzdem nicht wirklich sagen, ob er zuerst den Ball oder den Babelsberger erwischt. Was aber auch bedeutet – den kann man geben. Wer so im Strafraum und von hinten den Gegner attackiert muss mit dieser Konsequenz rechnen. Einverstanden bin ich mit Mannos Einschätzung, dass die Szene «spielentscheidend» war. Wie weggeblasen war danach das gerade erst gewonnene Selbstbewusstsein des RWE. Über die Berechtigung des zweiten Strafstoßes für Babelsberg muss nicht weiter diskutiert werden. Darüber, dass Bertram und Rauw in dieser Situation höchst unglücklich aussahen ebenfalls nicht. Und auf einmal lagen die Erfurter zu Hause im Rückstand. Nicht alle werden sich daran erinnern wann dies das letzte Mal der Fall war.

Jegliche Vorwürfe an die Mannschaft, ihr hätte es in den verbleibenden 15 Minuten an Einsatz und Willen gefehlt gehen ins Leere. Eher kann man diesen Vorwurf an die Erfurter Zuschauer richten. Auf der Haupttribüne jedenfalls herrschte danach eine Ruhe, die man gemeinhin für Opernaufführungen als erstrebenswert erachtet. Trotz dieser mangelhaften Unterstützung unternahm die Mannschaft alles um zumindest den gewohnten Heimpunkt zu sichern. Das dies am Ende nicht gelang, hat nun doch mit Schiedsrichter Christian Dietz zu tun. Er begann die Begegnung mit einer (weitgehend folgenlos) gebliebenen Fehleinschätzung bei einem vermeintlichen Handspiel Sponsels und er beendete sie, mit der umso folgenreicheren Versagung eines Elfmeters nach einem tatsächlichen Handspiel. Ich weiß, dass es schwierig ist dies zu akzeptieren. Allerdings hat auch der RWE schon Spiele gewonnen, weil der Schiedsrichter falsch entschied. Hier sei nur an unseren letzten Sieg in Jena erinnert, als das Gespann um Babak Rafati – zu unserem Vorteil – einen rabenschwarzen Tag erwischte. Soll heißen: ich glaube, dass sich Fehlentscheidungen von Unparteiischen zumindest langfristig ausgleichen. Das spendet keinen Trost angesichts der ebenso bitteren wie unverdienten Niederlage gegen biedere Babelsberger. Allerdings sollten – bei allem Unmut – nicht alle verbalen Dämme brechen. Ich jedenfalls möchte kein Schiedsrichter sein, nicht bei den Profis und schon gar nicht in der Kreisliga B. So denken inzwischen viele und das bedroht die Grundlagen des großartigen Sports Fußball. Spiele leiten sich nun mal nicht von allein.

Mediale Randnotiz: Meine Sympathien für unseren heimatlichen Kuschelsender sind überschaubar, aber am Bericht des mdr über das Spiel fand ich wenig zu beanstanden. Alle relevanten Szenen sind enthalten und werden überdies korrekt eingeschätzt. Umso ärgerlicher fand ich dann diesen Spielbericht der in Erfurt erscheinenden Thüringer Allgemeinen. Hier wird munter von einem «schmeichelhaften Handelfmeter» gefaselt der den RWE in Führung brachte. Das klare Handspiel eines Babelsbergers im Strafraum kurz vor Spielende, wird einer Erwähnung erst gar nicht für wert befunden. Wer so eine Qualitätspresse vor Ort hat, der braucht keine BILD-Zeitung mehr.

RWO vs. RWE 0:1 / Mal wieder: Marcel Reichwein

Nicht nur ein Spiel verloren: Basler mobbt seinen Vorgänger Theo Schneider

Für den Bruchteil einer Sekunde hoffte ich die Jungs vom Ticker hätten nur die falsche Taste erwischt. Eine Rote Karte nach 5 Minuten – das kann nicht sein. Dann realisierte ich den dazugehörigen Namen: Olivier Caillas, okay, kann doch sein. Wenn man sich die Fernsehbilder anschaut, muss man dem Schiedsrichter leider Recht geben. Allerdings hätte Terranova für die vorausgehende Provokation Gelb sehen müssen. Caillas hatte an diesem Nachmittag seinen Meister gefunden. Dumm und unentschuldbar sind die Adjektive die mir dazu am ehesten einfallen. Doch wie auch immer die Strafen von Mannschaft, Verein und DFB ausfallen werden, eines steht fest: Ändern werden sie den 34jährigen Deutsch-Franzosen nicht mehr.

Kurioserweise hatte die folgende Unterzahl des RWE nicht den erwartbaren negativen Effekt. Im Gegenteil, die Mannschaft agierte in der Defensive hoch konzentriert und spielte sich gute Chancen heraus. Ich halte das von Stefan Emmerling favorisierte 4-4-2 für, na ja, taktisch etwas in die Jahre gekommen, muss aber zugeben, dass es bei derartigen Situationen seine Vorteile hat. Man verzichtet einfach auf einen der beiden Stürmer, der Rest der Formation bleibt taktisch unverändert. Bemerkenswert ist auch, dass Emmerling nach der Herausstellung von Caillas nicht wechseln musste. Eigentlich wollte ich zur letzten Kolumne unseres Pressesprechers einfach mal schweigen. Und bleibe bei diesem Vorsatz, bis auf die notwendige Feststellung, dass die von ihm kritisierte Aufstellung von Spielern auf Positionen die sie eigentlich nicht «gelernt» haben, aus meiner Sicht einen großen Vorteil und nicht das von Wilfried Mohren beklagte Gegenteil darstellt. Weidlich wurde auf die rechte Seite der Viererkette beordert, Rauw wechselte nach links und Manno agierte vor Weidlich im rechten Mittelfeld. Das erinnerte an das Heimspiel gegen Burghausen, jedenfalls was die Konstellation auf Rechts betrifft. Damals hatte sich der RWE viele gute Chancen herausgearbeitet, drei Tore geschossen und nur durch individuelle Fehlleistungen die drei Punkte her geschenkt. Über diese taktische Grundaufstellung sollte weiter nachgedacht werden. Mannos Platz im Sturm könnte von Morabit eingenommen werden. Zugegeben, das ist sehr offensiv, könnte aber im Steigerwaldstadion die Blockade im Offensivspiel brechen. Zudem erwarte ich von Babelsberg nicht, dass sie am kommenden Samstag ein Offensivfeuerwerk abzubrennen beabsichtigen. Das wird wohl eher auf märkischen Catenaccio hinauslaufen. Wir werden erneut auf eine sehr defensiv agierende Mannschaft treffen, da sollte jede taktische Option in die Überlegungen einbezogen werden. Und ich werde auch nicht der einzige sein, dem ein 3:3 lieber wäre, als ein weiteres torloses Remis.

Eine Einzelkritik will ich mir heute sparen. Die Mannschaft hat – unter schwierigen Voraussetzungen – als Team hervorragend funktioniert. Das war gegen fußballerisch limitierte, aber kämpferisch robust auftretende Mannschaften nie eine Stärke des RWE und ist deshalb umso bemerkenswerter.

Ob man deshalb, wie Gerald Müller in der heutigen Ausgabe der Thüringer Allgemeinen, sofort den Aufstiegskampf ausrufen muss, steht auf einem ganz anderen Blatt. Den Dritten (Saarbrücken) und den Tabellenfünfzehnten (Wiesbaden) trennen nur fünf Punkte. Es ist eng und vermutlich wird es das bis zum Schluss bleiben. Klar, niemand hätte etwas dagegen, wenn der RWE den in den letzten acht Spielen erreichten Zwei-Punkte-Schnitt dauerhaft beibehält um sich solcherart vom Mittelfeld abzusetzen. Zu erwarten ist das nicht, dazu sind die Spiele zu eng (wie z.B. das Torverhältnis vor Augen führt) und mithin die Resultate in einem nicht zu unterschätzenden Maße von Zufälligkeiten abhängig.

Über die Feiertage werde ich einen separaten Post zur Eskalation um den Einsatz von Pyrotechnik schreiben. Zu den konkreten Vorkommnissen am Samstag nur so viel: Jedem ist bewusst, dass der RWE über eine solide, aber notorisch klamme finanzielle Ausstattung verfügt. Die Strafen des DFB kennt ebenfalls jeder. Deshalb sind Aktionen wie die am Sonnabend vorsätzlich herbeigeführte Schädigungen der Wettbewerbsfähigkeit des FC Rot-Weiß Erfurt. Punkt. Ich verzichte hier jetzt auf den von einem positiven Menschenbild ausgehenden Zusatz: Das sollen sich bitteschön all jene überlegen, die den Einsatz von Bengalos am Samstag in Oberhausen zu verantworten haben. Denn – die haben sich das bereits überlegt und sich offensichtlich dafür entschieden genau das zu tun, was sie getan haben.

Caillas soll, nach Angaben Mario Baslers in der Pressekonferenz, den Oberhausener Trainer mehrfach als «Assi» bezeichnet haben. Nun, wenn das stimmt, dann kann ich dem Heißsporn im RWE-Trikot nur zustimmen. Was sich Basler unter der Woche geleistet hat, verdient keine andere Bezeichnung. Das ist ein neuer Tiefpunkt im Umgang von Trainern miteinander. Sicher, es gab schon immer die ein oder andere Nörgelei am Zustand einer übernommenen Mannschaft. Einem Kollegen allerdings die Fähigkeit abzusprechen seinen Beruf auszuüben ist an Bösartigkeit kaum zu überbieten. Das Problem mit derartigen Äußerungen ist generell, dass sie völlig ohne Beweise für die vorgetragene Behauptung auskommen. Es sind leicht durchschaubare Aussagen, die auf Kosten eines anderen Zeit verschaffen sollen. Man nennt es Mobbing: aggressiv, destruktiv und eben asozial.